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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (15.05.2015)

Wien, am 16.05.2015

Pferde raus aus der Stadt!

Viele Menschen assoziieren mit einem Urlaub in Österreich auch eine Kutschenfahrt in Wien, Salzburg oder Innsbruck. Jedoch bedenken die meisten Menschen nicht, wie sich die betroffenen Pferde in ihrer Arbeitszeit fühlen, und ob sie jemals die Möglichkeit haben, ihr natürliches Verhalten und ihre Bedürfnisse auszuleben.

Der Alltag der Fiakerpferde ist Tierquälerei

Pferde, die eigentlich Flucht- und Herdentiere sind, müssen mitten in Großstädten unter Lärm und Abgasen auf hartem Asphalt oder Kopfsteinpflaster ihre Runden fahren. Um die Pferde überhaupt für den Betrieb tauglich zu machen, werden ihnen Ohrstöpsel, Scheuklappen und immer öfter auch Maulkörbe verpasst. Laut Bundestierschutzgesetz dürfen Fiakerpferde fünf Tage pro Woche zur Arbeit eingesetzt werden. In Wien dürfen laut Fiakergesetz die Arbeitszeiten (mit An- und Abfahrt zu den Standplätzen) 14 Stunden pro Arbeitstag betragen. Eingespannt im Geschirr und in der Kutsche haben die Pferde keine Gelegenheit sich frei zu bewegen oder Sozialkontakte zu pflegen. Eine dreimalige Fütterung pro Tag ist vorgeschrieben, doch an den Standplätzen wird den Tieren äußerst selten Futter verabreicht. Auch das Tränken der Pferde hängt vom guten Willen der KutscherInnen ab. Für das Fluchttier Pferd ist es eine vollkommen natürliche Reaktion wegzulaufen, wenn es sich erschreckt oder Unsicherheit verspürt. So passieren leider auch immer wieder Unfälle, bei denen Pferde und Menschen schwer verletzt werden oder sterben. Die Fiakerei stellt somit eine Gefahr für Mensch und Tier dar. Auch in der „Freizeit“ stehen die meisten Fiakerpferde eingesperrt in Boxen meist ohne freie Auslaufmöglichkeit.

Anzeigen und Recherchen

Im Jahr 2006 gab es vom VGT eine Flut von Anzeigen wegen Übertretung des Bundestierschutzgesetzes bei einer Vielzahl von Fiakerunternehmen, da schwerwiegende Probleme in den Stallungen gesichtet wurden. Dies hatte zur Folge, dass die Anbindehaltung von Fiakerpferde endlich Geschichte wurde. (Recherche 2006)

Nun stehen die Fiakerpferde in Boxen, wobei ein freier Auslauf auf Koppeln leider für keine Pferde in Österreich gesetzlich vorgeschrieben ist. Im Fahrbetrieb haben sich die FiakerfahrerInnen lange Zeit nicht an die vorgeschriebenen Arbeitszeiten gehalten und dies wurde toleriert. Nach massenhaften Anzeigen vom VGT kam es auch hier zu der kleinen Verbesserung, dass nun die Arbeitszeiten an den Standplätzen, die jedoch noch immer 12 Stunden betragen, eingehalten werden. Im Jahr 2007 wurden auch die Fiaker in Salzburg und Innsbruck recherchiert. (Recherche 2007)

Immer wieder kontrolliert der VGT die Fiakerpferde an den Standplätzen und bringt gesetzliche Übertretungen zur Anzeigen. Folgende Problem treten immer wieder auf:

  • Geschirre sind nicht ordnungsgemäß ans Pferd angepasst
  • Fellabschürfungen
  • Wunden
  • Lahmheiten
  • Schlechter Beschlag
  • Abgemagerte Pferde sind im Einsatz
  • Kaum bis gar keine Futtergabe
  • Fehlende Wassergabe
  • Stehen in Hitze und Kälte
  • Keine Möglichkeiten einen freien Schritt zu setzen
  • Ständiges Gehen auf Asphalt
  • Abgase
  • Maulkörbe
  • Schweif anbinden
  • Respektloser Umgang mit den Pferden
  • Gestresste Pferde sind im Einsatz

Fiaker in Zahlen

Wien

In Wien werden 160 Konzessionen ausgestellt. Das heißt, es sind 320 Pferde angemeldet. Eine Konzession gilt immer für einen Fahrer, eine Kutsche und 2 Zugpferde. In der inneren Stadt gibt es 6 Standplätze. Es ist genau geregelt wann welche Fiaker auf die Standplätze auffahren darf. Die Kutschen müssen mit sichtbaren Nummerntafeln ausgestattet sein, zusätzlich gibt es noch rote und grüne Platzkarten. Mit grünen Platzkarten darf an geraden und mit roten an ungeraden Tagen auf die Standplätze aufgefahren werden. Es gibt in Wien ca. 40 Fiakerunternehmen.

Salzburg

In Salzburg sind 14 Gespanne im Einsatz. Der Standplatz der Fiaker ist am Residenzplatz. Es gibt in Salzburg ca. 6 Fiakerunternehmen.

Innsbruck

Hier gibt es nur einen Standplatz, wo Fiaker ihre Rundfahrten anpreisen. Der Unterschied zu Salzburg und Wien ist, dass immer nur 2-3 Kutschen direkt auf der Straße in der Sonne warten müssen. Die restlichen Fiaker warten ein bisschen abseits in einer schattigen Allee und rücken nach, wenn Gäste kommen. Es gibt in Innsbruck ca. 3 Fiakerunternehmen. Die Kampagnenarbeit des VGT bezieht sich hauptsächlich auf die Fiakerpferde in Wien.

Folgenden Problemen sind die Fiakerpferde ausgesetzt

a. Während des Fahrbetriebs

  • Bewegungseinschränkung
  • Die Pferde müssen jederzeit abfahrbereit sein, das heißt, dass sie immer angeschirrt auf den nächsten Fahrgast warten müssen. Angeschirrt sein bedeutet, dass sie während dieser Zeit (erlaubt von 9.00 Uhr bis 23.00 Uhr) niemals einen freien oder unkontrollierten Schritt machen können. Langes Stehen ist ungesund: Pferde sind Fluchttiere. Ihr ganzer Körper ist auf viel Bewegung angepasst. Bewegung ist auch notwendig, damit die Gelenke und Sehnen gut durchblutet werden. Ewiges Stehen kann dadurch zu Problemen mit dem Fortbewegungsapparat der Pferde führen. Gelenksprobleme durch Gehen auf Asphalt: Wenn sie sich endlich bewegen dürfen (Ausfahrt) müssen die Pferde durchwegs auf Asphalt gehen. Dies hat natürlich auch gesundheitsschädigende Auswirkungen auf die Beine und Gelenke (Wie beim Menschen wenn er lange Zeit auf Asphalt geht). Noch schlimmer wird dieses Problem, wenn die Fiaker mit ihren Pferden durch die Stadt traben oder vielleicht sogar galoppieren, was auch immer wieder vorkommt.

  • Fellabschürfungen
  • Viele Pferde haben auch Fellabschürfungen. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Geschirr nicht passt, oder dass es unsachgemäß angeschirrt wurde oder dass die Pferde es zu lange Zeit tragen mussten.

  • Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze
  • Wenn die Pferde im Sommer auf den Standplätzen auf den nächsten Fahrgast warten, stehen sie oft in der prallen Sonne. Pferde ziehen sich normalerweise bei großer Hitze in den Schatten zurück und ruhen. Dies ist auf den Wiener Standplätzen nicht möglich, denn wenn der nächste Kunde kommt, müssen sie sich körperlich anstrengen und eine Kutsche ziehen, egal wie heiß es ist. Es wird TierschützerInnen immer erklärt, dass Fiakerpferde kein Problem hätten, am Standplatz in der prallen Sonne zu stehen. Pferde seien Steppentiere, Pferde sind Sonnentiere, Pferde lieben die Sonne und sie können mit ihrem Fell die Körpertemperatur gut regulieren. So oberflächlich sollte aber an dieses Thema nicht herangegangen werden. Richtig: Auch Fiakerpferde stammen von Steppentieren ab, aber sie leben nicht mehr in der Steppe, sondern eingespannt im Geschirr an den Standplätzen mitten in Wien, ohne die Möglichkeit einen freien Schritt zu setzen - und das auch bei 30°C! Jeder der vorbeigeht, ist schockiert und betroffen, dass die Pferde keinen Schatten haben. Vielen wird dann vorgeworfen, dass man die Pferde nicht vermenschlichen dürfe, für die Pferde wäre das „eh nicht so schlimm“. Aber die Pferde leben nicht mehr in ihrer natürlichen Umgebung, sie wurden von den Menschen in die Stadt geholt und ins Geschirr gespannt ohne auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Und es stimmt, es wäre sehr wichtig den Fiakerpferden eine Möglichkeit der Abkühlung zu bieten. Fiakerpferde sind Sonnentiere, aber man darf die zusätzliche Belastung der Stadt nicht unterschätzen. Durch den Asphalt und die Häuser wird enorme Hitze abgestrahlt. In der Steppe suchen sich Pferde Plätze, wo es ein bisschen Luftzug gibt, oder sie suchen einen Schattenplatz auf, doch das können die Wiener Fiakerpferde nie tun. Sie können sich nicht einen kühleren oder windigeren Ort suchen, denn sie müssen dort stehen, wo sie der Kutscher abstellt, in der prallen Sonne. Deshalb schlägt der Verein Gegen Tierfabriken Möglichkeiten zum Schutz vor Hitze für Pferde vor, entweder Sonnendächer oder Schattenplätze, oder zumindest das Abspritzen der Hufe zur Kühlung. Lärm und Straßenverkehr: Das Pferd ist ein Fluchttier, es verwendet seine Sinne, um Gefahren zu orten. Um den Fluchtreflex der Pferde zu minimieren, werden für die Ohren Ohrenstöpsel verwendet. Damit das Gesichtsfeld der Pferde eingeschränkt wird, verwenden die Fiaker Scheuklappen. Natürlich ist es für die Fiakerpferde im Straßenverkehr und im Straßenlärm besser diese Vorsorge zu treffen, aber man erkennt deutlich welche Vorkehrungen (Einschränkungen) getroffen werden müssen um einen Fiakerbetrieb in Wien überhaupt zu ermöglichen. Sie werden wirklich nur als reine Antriebsmaschinen verwendet.

  • Fiakerpferde und ihr Hufbeschlag
  • Prinzipiell ist der Beschlag der Fiakerpferde nicht schlecht, trotzdem sind Mängel festzustellen: Nur ein paar Fiakerpferde haben Dämpfungen zwischen Huf und Eisen, was beim Gehen auf hartem Asphalt eine Schonung der Hufe und der Gelenke mit sich bringt. Leider ist diese Dämpfung noch nicht für alle Fiakerpferde vorgeschrieben. Viele Fiakerpferde haben zu lange Zehen, die BesitzerInnen versuchen die Beschlagsperioden möglichst lang hinauszuzögern. Gehen mit zu langen Zehen ist für Pferde so unangenehm als würden wir Menschen mit Schwimmflossen in Wien spazieren gehen. Weiters werden nicht wie bei allen „normalen“ Reitpferden die Eisen mit 6, sondern mit 8 Nägeln an den Huf genagelt, somit verlieren die Pferde nicht so leicht ihre Eisen, was bei starker Beanspruchung im Betrieb leicht passieren könnte. Der Griff, ein Eisensteg am Hufeisen, soll dazu dienen, dass die Fiakerpferde weniger rutschen. Doch durch den Griff und die Stollen steht das Pferd eigentlich nur auf 3 Punkten, wodurch sie einen schlechteren Halt haben. Durch Eisen mit hohen Stollen und dem ewigen Gehen auf Asphalt wird der Huf in seiner Hufmechanik stark eingeschränkt, und es kann so leicht zu einem Trachtenzwang kommen, der bei vielen Pferden zu erkennen ist.

  • Fehlstellungen
  • Oft werden billige Pferde aus östlichen Ländern für den Fiakerbetrieb gekauft, die dann noch solange eingesetzt werden, bis sie körperlich komplett "verbraucht" sind. Hier findet man auch immer wieder Pferde mit starken Fußfehlstellungen. Für diese Tiere ist das ständige Gehen auf Asphalt eine zusätzliche Belastung für Hufe und Gelenke.

  • Maulkörbe
  • Leider sieht man sehr oft, dass Fiakerpferde Maulkörbe umgebunden bekommen. Einige Pferde sind der völlig unnatürlichen Belastung nicht gewachsen. Aufgrund dieses teilweise täglichen psychischen und physischen Stresses werden die Pferde aggressiv, sie schnappen nach PassantInnen oder nach ihren Pferdenachbarn. An manchen Tagen gehört auch stundenlanges Stillstehen zum Tagesablauf, als einzige Abwechslung bleibt das Beknabbern des Geschirrs. Diese Tiere sind seelisch krank und bräuchten zumindest eine Auszeit, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Einige Pferde können sich nie an diese Belastung gewöhnen, diese gehören aus dem Fahrbetrieb genommen. Doch stattdessen verpasst man ihnen einfach einen Maulkorb und schon sind sie wieder für den Fahrbetrieb tauglich. Es gibt verschiedene Maulkorb-Modelle. Das billigste schaut wie ein Plastikblumentopf aus, der bei den Nüstern einfach zwei Löcher hat. Jeder der schon einmal eine Faschingsmaske anhatte, weiß wie unangenehm Plastik vor dem Gesicht ist und wie froh man ist, diese wieder los zu werden, um vernünftig atmen zu können. Die Pferde müssen es erdulden, auch während der anstrengenden Fahrten. Ein anderes Modell besteht aus einem engen Ledernetzwerk, dieses bedeckt die kompletten Nüstern, zum Atmen muss die Luft die durch die Ritzen kommt reichen! In diversen Internet-Foren kann man auch lesen, dass diese Maulkörbe zu aufgescheuerten Lippen bis hin zur Blasenbildung führen können. Natürlich sind diese Pferde auch in ihrem Sozialverhalten noch stärker eingeschränkt. Der VGT hat verschiedene Fiakerunternehmen, die ihren Pferden Maulkörbe verpassen, wegen Tierquälerei angezeigt und ist für ein Ende von Maulkörben!

  • Schweif anbinden
  • Immer öfter werden gerade im Sommer den Pferden der Schweif, oder ein Teil des Schweifs am Gespann festgebunden. Die Fiaker wollen damit verhindern, dass sie vom Kot aus den pooh-bags angespritzt werden. Für die Pferde ist dies aber eine starke Einschränkung in ihrem Verhaltensrepertoire und in ihrem Wohlbefinden, da sie den Schweif verwenden um lästige Fliegen zu verscheuchen.

b. In der „Freizeit“

  • Kein freier Auslauf auf Koppeln
  • Da es bei den meisten Betrieben keine Möglichkeit eines freien Auslaufes gibt, können die Pferde auch nie Sozialkontakte pflegen oder sich endlich auf weichem Untergrund frei bewegen. Tiere, die in der freien Wildbahn in großen Herden zusammenleben, können sich in dieser Haltungsform nie ihrer Art und Natur entsprechend verhalten.

  • Zuwenig Licht
  • Zusätzlich befinden sich einige Ställe in Kellern mitten in der Stadt oder sind auch aus anderen Gründen dunkel (z.B. verstellte oder enorm verdreckte Fenster). Die Pferde leben dann - vor allem im Winter - in absoluter Dunkelheit. Wie auch beim Menschen gibt es bei Pferden eine sogenannte Winterdepression, die sie bekommen, wenn sie zu wenig Sonnenlicht sehen. Aufgrund dieser Dunkelhaltung können die Fiakerpferde in Wien auch im Herbst und im Frühjahr diese Depression bekommen.

  • Fehlende Tränksysteme
  • Eine Reihe von Betrieben hat keine Tränkanlage für die Versorgung der Pferde mit Wasser. Daraus ergibt sich, dass den Pferden nicht laufend Wasser zur Verfügung steht. Fehlende oder zu spärliche Einstreu: Immer wieder konnte beobachetet werden, dass den Pferden in ihren Ständen oder Boxen kein oder zuwenig Einstreu als Liegefläche zur Verfügung gestellt wurde. Das Liegen auf hartem Untergrund ist unangenehm und schadet der Gesundheit der Pferde.

  • Fehlendes Heu
  • Pferde sollten ständigen Zugang zu Heu haben.

Gesetzliche Regelungen

a. Bundestierschutzgesetz

Die Haltung von Pferden in Österreich wird durch das Bundestierschutzgesetz geregelt.

Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes sind:

  • Gebäude und Stalleinrichtung
  • Die Böden müssen rutschfest sein. Die Liegeflächen eingestreut, trocken und so gestaltet sein, dass alle Tiere gleichzeitig und ungehindert liegen können.

  • Bewegungsfreiheit
  • Die Anbindehaltung ist verboten.

  • Licht
  • Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung, müssen Ställe offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mind. 3% der Stallbodenfläche aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mind. acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mind. 40 Lux zu gewährleisten.

  • Ernährung
  • Die Fütterungs- und Tränkevorrichtungen sind so zu gestalten und anzuordnen, dass die Tiere ungehindert fressen und trinken können.

  • Betreuung
  • Werden Pferde regelmäßig mehr als sechs Stunden pro Tag zur Personenbeförderung in einem Gespann eingesetzt, sind ihnen innerhalb einer Woche an mindestens zwei nicht aufeinander folgenden Tagen Ruhetage mit freiem Auslauf zu gewähren. Weiters muss sichergestellt werden, dass das Gesamtgewicht des voll beladenen Gespannes bei ebener Strecke und glattem Untergrund das Dreifache der Summe der Körpergewichte aller vorgespannten Pferde nicht überschreitet. Es ist sicherzustellen, dass die Anbindevorrichtungen und Ausrüstungsgegenstände, wie z.B.: Geschirre, Zaumzeuge, Zügel, Gebisse oder Sattel, die Tiere nicht verletzen können und ein ungehindertes Fressen und Misten ermöglichen. Diese Einrichtungen sind regelmäßig zu überprüfen und den Körpermaßen der Tiere anzupassen.

b. Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz

Die Fiakerbetriebe in Wien unterliegen dem Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz.

Es gibt noch zusätzliche Verordnungen zu diesem Gesetz, die folgende Punkte regeln:

  • Fahrdienstprüfungsverordnung
  • Betriebsordnung
  • Höchsttarife und Routen
  • Straßenreinigungsaufwand
  • Eignungsvoraussetzungen für Fiaker

Im Jahr 2011 ist es zu einer Novelle des Wiener Fiaker- und Pferdmietwagengesetz, der Betriebsordnung und der Fahrdienstprüfungsverordnung gekommen. Der VGT beschäftigt sich seit langem mit der Fiakerproblematik in Wien und hat auch Stellungnahmen zu den Entwürfen geschrieben und an die zuständige Behörde weitergeleitet. In diesen Stellungnahmen führt der VGT klar und deutlich alle Problembereiche der Fiakerei aus.


Stellungnahme VGT Fiakergesetz
Stellungnahme VGT Fahrdienstprüfungsverordnung
Stellungnahme VGT Betriebsordnung

Bei den gesamten Änderungen dieser Novelle war das primäre Ziel eine Erleichterung der Kontrolltätigkeit für die Behörde. So müssen die KutscherInnen ein Fahrtenbuch führen und es gibt rote Platzkarten, die nur an ungeraden Tagen verwendet werden dürfen und grüne Platzkarten nur an geraden Tagen. Auf den Tierschutz wird in diesen Gesetzen kaum bis gar nicht Rücksicht genommen mit der Begründung, dass für Tierschutz allein das Tierschutzgesetz zuständig ist. Gerade im Fahrbetrieb sollte jedoch ein wichtiges Augenmerk auf den Tierschutz gelegt werden, da es ja hauptsächlich Pferde betrifft, die ihre Arbeit leisten müssen. Als einzige tierschutzrelevante Änderung sind Wasseranschlüsse und Kübeln auf allen Standplätzen vorgeschrieben. Von Schattenplätzen oder Futteraufbewahrungsvorrichtungen (für eine artgerechte Fütterung ist eine 3malige Raufuttergabe pro Tag laut Tierschutzgesetz vorgeschrieben) ist im Fiakergesetz niemals die Rede. Auch die enorm lange Arbeitszeit wurde nicht gekürzt. Um die Wettbewerbsproblematik der KutscherInnen untereinander einzuschränken werden die Auffahrzeiten auf die Standplätze geregelt und nicht mehr wie früher die Zeit des Anschirrens bis zum Abschirren. Seit März 2011 dürfen die Fiaker in der Zeit von 10:00 bis 22:00 Uhr am Standplatz stehen, die alte Regelung sah einen Beginn des Anschirrens um 9:00 Uhr vor und ein Ende des Abschirrens spätestens um 23:00 Uhr. Alles in allem gibt es für die Pferde kaum bis gar keine Verbesserungen bei diesen Novellierungen Nur ein absolutes Verbot von Fiakerpferden in Wien wäre für den VGT die einzig wirklich tierschutzgerechte Änderung.

Sonstiges

Natürlich gibt es nicht nur tierschutzrelevante Probleme mit den Fiakerpferden. Verschmutzung durch Kot: Die Pferde verschmutzen mit ihrem Kot die Stadt. Die Fiaker müssen zwar ihren Tieren Auffangvorrichtungen für den Kot montieren, aber es gibt auch Ausnahmen. Diese müssen dann pro Pferd € 2.775,- jährlich für den Straßenreinigungsaufwand zahlen. Starke Abnutzung der Straßenbelege: Es wird der Asphalt und die Kopfsteinpflaster auf den Wiener Straßen durch die Kutschenräder und die Hufeisen der Pferde zerkratzt. Behinderung des KFZ-Verkehrs: Zusätzlich stellen viele Kutschen im Verkehr eine eindeutige Fahrbehinderung dar, gerade in der Stoßzeit kommt es immer wieder zu Problemen.