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Die Situation der Schweine in Österreich

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (28.09.2006)

28.09.2006

- 85,5% der Mastschweine leben auf Vollspaltenböden! - 98,7% der Mastschweine leben ohne Stroheinstreu! - 98,1% aller Zuchtsauen müssen ins Abferkelgitter! - 72,1% aller Zuchtsauen leben ununterbrochen im Kastenstand!


Im August und September 2006 waren TierschützerInnen bundesweit unterwegs, um die größte jemals durchgeführte Detailstudie über die Haltungsbedingungen der Schweine in Österreich zu erstellen. 125 der größten Betriebe mit insgesamt 120.675 Schweinen wurden im ganzen Land dokumentiert, das sind 3,82% aller Schweine Österreichs. Der VGT präsentiert nun die erschütternden Ergebnisse dieser Studie.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Struktur der Schweineproduktion in Österreich dramatisch hin zu großen industriellen Betrieben verschoben. Die Anzahl der Schweinebetriebe hat sich seit dem EU-Beitritt 1995 bei praktisch gleichbleibender Gesamtanzahl von Schweinen (3,1 Millionen) halbiert. Es gibt bereits 125 Betriebe mit über 1000 Schweinen, die meisten davon wurden besucht und dokumentiert. Die Schweineindustrie ist der wichtigste „Nutztier“industriezweig. Mit einem Produktionswert von rund 700 Millionen Euro pro Jahr fallen auf den Schweinesektor mehr als 25% der tierlichen Produktion in Österreich. Fast 2 Drittel des in Österreich konsumierten Fleisches ist vom Schwein.

Aber die Schweine sind die großen Verlierer des Bundestierschutzgesetzes. Die Schweinehaltung ist im wesentlichen im Rahmen der 1. Tierhaltungsverordnung dieses Gesetzes geregelt und orientiert sich ausschließlich an den EU-Mindestrichtlinien. Mit anderen Worten, in Österreich ist der Schutz der Schweine auf das von der EU vorgegebene absolute Mindestmaß reduziert. Im Vergleich zu den Landestierschutzgesetzen bedeutete das bei Einführung des Bundestierschutzgesetzes eine Reihe von Verschlechterungen. Für die Schweine ist der tägliche Alltag in Österreichs Ställen eine einzige Katastrophe.

 


Wörterbuch

Vollspaltenboden

Ein Spaltenboden stellt einen Bodenbelag dar, bei dem die Auftrittsfläche von Spalten durchzogen wird. Diese Spalten dienen dazu, dass die Tiere den Kot durchtreten und der Harn abläuft. Bei einem Vollspaltenboden sind alle Flächen der Box von Spalten überzogen (vgl. Teilspaltenboden). In einem Haltungssystem mit Spaltenboden ist der Einsatz von Stroh als Einstreu und/oder Beschäftigungsmaterial problematisch, da das Stroh in den Spalten hängen bleibt und diese blockiert. Bei Haltung auf Vollspaltenböden ist daher eine Stroheinstreu vollkommen ausgeschlossen, bei Systemen mit Teilspaltenböden ist diese dann möglich wenn eine klare bauliche Trennung (etwa durch eine Stufe) zwischen eingestreutem Bereich und Spaltenbereich existiert.

Teilspaltenboden

Ein Spaltenboden stellt einen Bodenbelag dar, bei dem die Auftrittsfläche von Spalten durchzogen wird. Diese Spalten dienen dazu, dass die Tiere den Kot durchtreten und der Harn abläuft. Bei einem Teilspaltenboden ist der Bereich mit Spalten ausgestattet an dem der meiste Kot und Harn anfällt (vgl. Vollspaltenboden).

Mast

Nach etwa 4 Wochen werden die Ferkel von der Mutter getrennt und kommen in die Vormast. Ab einem Lebendgewicht von 30kg, das mit etwa 3 Monaten erreicht wird kommen die Jungschweine von der Vormast in die Mast. Mit einem Alter von sechs Monaten haben sie ein Gewicht von etwa 100kg erreicht und werden getötet. Die Schweine sind zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht erwachsen. Meist findet Zucht und Vormast an ein und demselben Betrieb statt.

Zucht

In der Zucht von Schweinen gibt es zwei Betriebsformen: Reinzuchtbetriebe liefern Elterntiere für die Züchtung. Zulieferbetriebe liefern Ferkel für die Mastbetriebe. Die Anzahl der in Reinzuchtbetrieben gehaltenen Tiere ist gering. In den Zulieferbetrieben verbringen die Sauen ihr Leben in Kastenständen und Abferkelbuchten oder in Gruppenhaltung.

Kastration

Nachdem in Österreich Schweine bis zu einem Gewicht von etwa 100kg gemästet werden und der Ebergeruch, der hormonbedingt davor eintritt, nicht gewünscht wird, werden die männlichen Ferkel bereits in den Zulieferbetrieben kastriert.

Zur gesetzlichen Regelung hier.

Kastenstand

Freilebende Schweinemütter sind beim Niederlegen ausgesprochen vorsichtig, um ihre Jungen nicht zu erdrücken. In der heutigen Schweinehaltung kommt es jedoch bedingt durch die dauernde Benutzung als reine Gebärmaschinen, in einer reizarmen Umgebung und bei mangelndem Platzangebot häufig zu Ferkelverlusten. Anstatt die Haltung den Bedürfnissen der Schweine anzupassen, wurden Kastenstände entwickelt. Ein Kastenstand ist ein eiserner Käfig in dem die Zuchtsauen im Abferkelstand fixiert werden. Er erlaubt den Tieren lediglich ein Aufstehen und Niederlegen, jedoch keinerlei Möglichkeit herumzugehen oder sich zumindest herumzudrehen.

Kastenstände werden jedoch nicht nur in Abferkelstallungen verwendet sondern auch zur dauernden Unterbringung von Sauen. Hierbei liegt der Vorteil für die HalterInnen in der einfacheren Befruchtung sowie dem geringen Platzaufwand: Jede Sau hat gerade Mal ihre Körperlänge als Lebensbereich.

Zur gesetzlichen Regelung hier.

Abferkelbucht

Die Sauen werden etwa eine Woche bevor sie ihre Jungen bekommen in die Abferkelbucht gebracht und verbleiben dort, bis die Ferkel im Alter von drei bis sechs Wochen entwöhnt werden. Es gibt drei Arten von Abferkelbuchten: Die häufigste Form von Abferkelbuchten sind jene, in denen die Mütter dauernd in Kastenständen fixiert sind, weniger oft kommen jene vor, in denen die Sauen vorübergehend fixiert werden können (Kastenstand zum Öffnen, in diesem wird die Sau in der Regel zumindest zwischen dem dritten Tag vor der Geburt und dem zehnten Tag nach der Geburt im Kastenstand fixiert). Nur die wenigsten Betriebe haben Abferkelbuchten in denen die Sauen sich frei bewegen können.

Abferkelgitter

Das Abferkelgitter ist ein Gitter, das so hoch ist, dass die Muttersau es nicht übertreten kann. Beispielsweise die Gitterbegrenzungen von Kastenständen. Vom Boden weg verbleibt allerdings ein Abstand, der es den Ferkeln ermöglicht darunter durchzuschlüpfen.

Vormast

Die Mast der Ferkel von einem Gewicht ab 25kg bis zu 40kg wird als Vormast bezeichnet. In dieser Phase nehmen die Tiere besonders rasch zu und erhalten ein spezielles Futter.

Ferkelnest

Ein Ferkelnest ist ein Bereich, der für die Ferkel wärmer (bzw. leichter zu erwärmen ist) als der restliche Bereich der Abferkelbucht. Die meisten Ferkelnester sind schlicht aufgehängte Rotlichtlampen bzw. Bodenmatten. Andere Varianten sind überdachte Boxen, die sich durch die Körperwärme schneller erwärmen oder Strohnester.

Fressgitter

Fressgitter sind eiserne Käfige, die in Gruppenhaltungen verwendet werden, damit die Schweine einzeln essen. Betritt ein Schwein den Käfig schließt sich dieser, so dass kein weiteres Schwein mehr den Essbereich betreten kann. Erst wenn das Schwein den Käfig wieder verlässt, ist dem nächsten Schwein der Zutritt möglich.

Außenklimastall

Der Außenklimastall bezeichnet einen Stall, der auf einer Seite große Fenster aufweist, die mit Rollos geschlossen werden können. Im Prinzip ermöglicht er eine bessere Durchlüftung allerdings ersetzt er nicht einen Außenraum bzw. den Auslauf der Schweine.

Außenraum

Außenräume sind Bereiche für die Schweine, die im Freien liegen. Es gibt auch überdachte Ausläufe, deren Dach vor Sonneneinstrahlung und Witterung schützen sollen.

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