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Kälberversteigerung in Niederösterreich – Degradierung zum Objekt

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (20.11.2009)

Wien, 20.11.2009

Sie haben Angst. Man betritt die kalte Halle und spürt es sofort. Man blickt in dutzende, nein hunderte Augenpaare und weiß: Die Tiere stehen unter enormem Stress, sie leiden

Sie haben Angst. Man betritt die kalte Halle und spürt es sofort. Man blickt in dutzende, nein hunderte Augenpaare und weiß: Die Tiere stehen unter enormem Stress, sie leiden

Diese „Kälberversteigerung“ bedeutet für 300 bis 400 Kälber nach dem frühen Transport in die Halle zunächst stundenlanges Warten. Ab 6:00 Uhr werden sie herangekarrt und mit viel zu kurzen Stricken, die ihnen um den Hals gelegt werden, angebunden und festgemacht. Nun stehen sie dort, können sich nicht drehen, kaum hinlegen, manche versuchen sich zu bewegen und verwickeln sich, müssen stundenlang auf drei Beinen stehend oder in anderen schmerzhaften Positionen ausharren. Manche sind extrem nervös, die meisten – vor allem die ganz jungen – haben jedoch bald resigniert, sie sind zu müde um zu kämpfen,

Gesetzesübertretungen unter den Augen des Veterinärs

Kälber müssen während einer solchen Prozedur getränkt werden. Das schreibt das Gesetz vor. Warum sollte es aber anders sein, als überall sonst, wo Tiere den Menschen ausgeliefert sind und vor allem wirtschaftliche Belange zählen? Der Milch- und Fleischpreis ist Gesprächsthema unter den teilnehmenden LandwirtInnen, jeder will bei der bevorstehenden Auktion ein Geschäft machen, die Kälber teilen währenddessen das Schicksal aller Nutztiere: Ihre Bedürfnisse werden ignoriert, kaum ein Mindestmaß an Humanität wird im Umgang mit ihnen eingehalten, auch wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist. Maximal eine Stunde dürften Kälber im Vorfeld einer Versteigerung angebunden werden, und getränkt werden müssten sie unmittelbar davor oder währenddessen, ab sechs Uhr früh hingen sie jedoch bewegungslos am Strick und Trinken war bis zum Ende der Versteigerung keines zu sehen.
Welchen Sinn die Anwesenheit einer Tierärztin hatte, ist unklar. Sie selbst erzählte im Gespräch, dass man ohnehin „nicht viel machen“ könne. Die Anwesenheit eines Veterinärs ist wohl Verpflichtung, der Umgang mit den Tieren und deren Wohl wurde hier aber einmal mehr nicht kontrolliert oder beanstandet.

Jedes Kalb wird unter Schmerzen in die Arena getrieben

Das Warten ist zu Ende, zumindest für jeweils eines der vielen Kälber. Obwohl viele bereits zu müde sind, um noch zu stehen, macht sich nun wieder Nervosität breit. Ein Tier nach dem anderen wird im Minutentakt in das Oval getrieben, um das sich die Bauernschaft schart. Müdigkeit und Kraftlosigkeit spielen keine Rolle, denn die „Profis“ haben ihre „Tricks“, mit denen sie es schaffen, jedes Kalb vor sich herzutreiben: Praktisch jedem Tier wird der Schwanz mit aller Kraft dermaßen umgebogen, dass dieser schmerzvolle Reiz den Reflex zur Flucht auslöst. Derart geschunden drängt das Tier nach vorne, wird aber gleichzeitig mit dem Strick um seinen Hals in jene Bahnen gelenkt, die vorgegeben sind.

„Zum Ersten, zum zweiten und zum Dritten“ – schnell muss es gehen, ein Kalb nach dem anderen wird hinein- und gleich wieder hinaus getrieben. Rutscht eines auf dem glatten Betonboden aus und steht nicht gleich auf wird es rasch getreten – wieder Schmerz, und es rafft sich auf weiterzugehen.

Das Ende des Tages: Zum bersten volle Tiertransporter, rücksichtslose Verladung

Nach erfolgter Versteigerung werden die Tiere erneut angebunden, Trinken gibt es jedoch wieder nicht. Kurz vor Versteigerungsende beginnt die Verladung auf die Transporter. Man würde sich auch – und gerade hier – ein wachsames Auge wünschen, das Übertretungen ahndet, die Tierärztin ist jedoch während der gesamten Verladezeit nicht Vorort.

Vom kleinen PKW-Anhänger bis zum Traktor, über dessen Hänger eine Plane gespannt ist, ist alles vertreten; für die Tiere ist die Prozedur nicht weniger mühsam und schmerzvoll als jene der Versteigerung. Nach einem Tag voll Stress und Schmerzen werden sie nun noch über die glatten Verladerampen auf die Anhänger getrieben, ohne Rücksicht, ohne auch nur den Anflug eines Gefühls, dass man es hier mit leidensfähigen Lebewesen zu tun hat. Dem Zuseher ist klar: Wer hier werkt, will eine „Sache“ verstauen, die er gekauft hat. Er hat ein Geschäft gemacht und ein Produkt erworben, das er in seinem Fahrzeug „verstaut“.
Die bemitleidenswerten Kreaturen jedoch stehen erst am Beginn ihres Leidensweges. Sie werden dem Kreislauf der Nutztierhaltung einverleibt – die Gesellschaft will ihr Fleisch und ihre Mich; Platz für Rücksichtnahme, oder gar das Hinterfragen von Verhaltensmustern und Traditionen, gibt es hier noch nicht.

 

 

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