Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (26.11.2009)
Wien, 26.11.2009
Rammattacken mit dem Auto und Fausthiebe - unglaublicher Vorfall im Mittelburgenland
Rammattacken mit dem Auto und Fausthiebe - unglaublicher Vorfall im Mittelburgenland
Im Mittelburgenland kam es zu einer wüsten Auseinandersetzung zwischen einem Jäger und einem Modellhubschrauberpiloten - letzterer wurde verletzt, dem Jäger droht eine Anzeige
In Mannersdorf an der Rabnitz (Bezirk Oberpullendorf) ist es Ende Oktober zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen einem Jagdpächter aus dem Mittelburgenland und einem Wiener Modellhubschrauberpiloten gekommen.
Der Hobby-Pilot führte mit seinem Modellhubschrauber auf einem freien Feld Flugübungen durch, was den 61-jährigen Jägdpächter erzürnte, weil er dadurch die Ruhe im Revier gestört sah. Nach einer kurzen verbalen Auseinandersetzung - "da haben sich die zwei Richtigen getroffen" kommentierte dies ein Polizist trocken – wurde der Jäger gewalttätig: mit seinem Jagdgeländewagen fuhr er den Modellbauflieger von hinten an. Dieser wurde dabei unbestimmten Grades verletzt.
Auto-Rammattacken und Fausthiebe
Als der Verletzte sich das Kennzeichen des Täter-Fahrzeugs notieren wollte, lenkte der rabiate Jäger seinen Wagen erneut auf den Mann zu und wurde in der Folge gegen ihn auch noch direkt handgreiflich. Dabei wurden die Bekleidung des 41jährigen, die Brille und sein Modellhubschrauber inklusive Fernbedienung ernsthaft beschädigt. Der bereits durch die Auto-Rammattacken des Jägersmannes verletzte Wiener zog sich weitere Blessuren zu und begab sich selbst in das Spital Oberpullendorf.
Anzeige wegen Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung
Dem Jäger steht nun eine Anzeige wegen Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung ins Haus. Angeblich sei der Jagdinhaber bisher noch nicht auffällig gewesen.
Erst wenige Tage zuvor war es - ebenfalls im
Mittelburgenland - zu einer veritablen Auseinandersetzung
eines Jägers mit einem Katzenbesitzer gekommmen,
nachdem der "Waidmann" das Tier angeschossen
hatte.
Psychotest für Jäger Gebot der Stunde
Vorfälle wie diese, die speziell in der Jagdsaison
praktisch auf der Tagesordnung stehen, belegen
einmal mehr die dringende Notwendigkeit eines
allgemein verpflichtenden Psychotests bzw. Zuverlässigkeitstests
für Jagende, wie sie nach der Tragödie von Schäffern
im Jänner 2007 mittlerweile auch schon von gewichtigen
Stimmen innerhalb der Regierungsparteien SPÖ
und ÖVP gefordert werden.
Damals hatte ein Jäger in einem an Brutalität
kaum zu überbietenden Amoklauf in Schäffern,
Bezirk Hartberg in der Steiermark, seine Frau
und seinen Sohn erschossen, um sich anschließend
selbst zu richten.
Jagdlobby verhindert Zuverlässigkeitstests und Psycho-Check der JägerInnen
Während alle anderen Personen, die nicht Inhaber einer Jagdkarte sind, bei erstmaliger Ausstellung einer Waffenbesitzkarte oder eines Waffenpasses ein Gutachten darüber beizubringen haben, ob sie zur leichtfertigen Verwendung von Waffen oder zu unvorsichtigem Umgang mit diesen neigen (insbesondere unter psychischer Belastung), konnte das bei den für psychische Labilitäten scheinbar besonders anfälligen JägerInnen dank der schützenden Hand einer übermächtigen Jagdlobby bisher immer verhindert werden.
Die Verlässlichkeitsprüfung in ihrer heute gängigen Form ist außerdem weniger ein wirklicher Psychotest als eine standardisierte Befragung in Form eines Multiple-choice-Tests. Inhaber gültiger Jagdkarten, die ja eine „Jagdprüfung“ hinter sich haben, sind aber sogar davon bisher leider ausgenommen. Es ist hoch an der Zeit, einen erweiterten und verschärften Test zu entwickeln, dem sich dann speziell die angehenden wie auch die bereits praktizierenden JägerInnen zu unterziehen haben sollten.
Gewalttätige JägerInnen aus dem Verkehr ziehen
Im Interesse und zum Schutz der Bevölkerung wäre zudem ein rigoroses Aus-dem-Verkehr-Ziehen der Waffen sowie die Aberkennung der Jagdberechtigungen von Jagenden, die durch besondere Verantwortungslosigkeit, Skrupellosigleit und Brutalität gegenüber Mensch oder Tier auffällig geworden sind, überlegenswert.