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Kärnten, am 27.02.2018

Rinder-Skandal in Kärnten weitet sich aus

Vernachlässigung und politische Verstrickung wird offensichtlich; Insider berichten jetzt sogar von 2. Todes-Stall

Der aktuelle Fall dreier toter Rinder in einem kleinen Kärntner Bauernhof in der Gemeinde Hüttenberg wirft viele Fragen auf. Wie konnte es dazu kommen? Warum wurde das Tierleid nicht früher entdeckt? Warum führte der Veterinärdirektor die Kontrolle durch, und nicht wie üblich der zuständige Amtstierarzt?

Augenscheinliche Vernachlässigung

In einem Interview mit dem ORF gab der Veterinärdirektor, Holger Remer, der auch die Kontrolle durchgeführt hatte, an, dass er eine Unterernährung nicht feststellen konnte. Er gehe von Verdursten durch eine geborstene Wasserleitung oder einem Elektroschlag aus. Fakt ist: Die Tiere waren in einer Anbindehaltung fixiert. Sie hatten keine Möglichkeit, Futter oder Wasser an anderen Stellen aufzunehmen. Sie waren ihrem Tod hilflos ausgeliefert. VGT-Kampagnenleiter David Richter ist von der Erklärung Remers nicht überzeugt. „Die Tiere werden nicht über Nacht so mager, dass ihre Knochen überall zu sehen sind. Wie kann einem Landwirt oder einer Landwirtin das bei der täglichen Stallkontrolle nicht auffallen?“ . Auch die Aussagen des Halters gegenüber dem zuständigen Amtstierarzt zeichnen ein Bild der Vernachlässigung – ihm war der schlechte Zustand der Tiere bewusst, dennoch zog er keine tierärztliche Hilfe hinzu. Der Amtstierarzt stellte außerdem fest, dass eine der toten Kühe schon vor Wochen gestorben war und neben den zum damaligen Zeitpunkt noch lebenden Tieren liegen gelassen wurde.

Vernachlässigte Kontrollpflicht

„Laut §20 des Tierschutzgesetzes müssen in landwirtschaftlichen Betrieben sowohl die Tiere selbst, als auch alle relevanten Geräte und Anlagen, wie etwa die Tränke oder das Futterangebot, täglich kontrolliert werden!“, erklärt VGT-Aktivistin Lena Remich. „Tiere in einer Anbindehaltung sind dem Menschen total ausgeliefert. Sie sind völlig abhängig von der Versorgung, die hier offensichtlich stark vernachlässigt wurde.“ Zwei mögliche Erklärungen für den traurigen Fall stehen damit im Raum: Entweder wurde der Stall vom Halter nicht täglich kontrolliert und die Tiere damit vernachlässigt; oder der Halter ließ sie bewusst leiden und sterben. „Uns liegen Meldungen von mehreren Personen vor, die auch die schrecklichen Zustände in einem zweiten Stall des Halters anprangern. Angeblich sollen auch dort Kälber gestorben sein“, berichtet David Richter. Laut anonymen Meldungen sollen einige der Körperteile der toten Tiere illegalerweise in einem Misthaufen vergraben worden sein, statt sie der Tierkörperverwertung zu übergeben. Dieser Vorwurf wurde auch dem Amtstierarzt zugetragen, jedoch konnte er bei seiner Kontrolle im frisch gereinigten Stall keine Hinweise mehr dazu finden.

Mögliche Befangenheit

Äußerst ungewöhnlich ist es, dass der Veterinärdirektor selbst eine Kontrolle in einem solchen Fall durchführt, das dies eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der Amtstierärzt_innen fällt. Tatsächlich ist Holger Remer jedoch nicht nur Veterinärdirektor, sondern auch Stellvertreter der Tierschutzombudsstelle in Kärnten, welche die Veterinärbehörden kontrollieren soll. Statt nach der Anzeige bei der Tierschutzombudsstelle die Wochenendvertretung des zuständigen Amtstierarztes von Sankt Veit an der Glan zu informieren, fuhr Remer selbst zum Betrieb, heißt es aus Insider-Kreisen. Tatsächlich besteht zwischen Remer und der Frau des Halters eine berufliche und politische Verbindung. Sie ist Angestellte bei Landwirtschaftslandesrat Christian Benger (ÖVP), der wiederum der Vorgesetzte von Veterinärdirektion und damit von Remer ist. „Es ist zu befürchten, dass hier alles im eigenen Kreis abgewickelt werden soll. Remer kontrolliert den Betrieb einer Angestellten seines Chefs, während er gleichzeitig Stellvertreter jener Stelle ist, die ihn selbst kontrollieren soll“, schildert Lena Remich vom VGT. Aus dem Kontakt mit den Behörden geht hervor, dass der Amtstierarzt, Josef Leitner, nun an den Ermittlungen beteiligt ist.

Forderung: Vollständige Aufarbeitung und politische Konsequenzen

Der VGT fordert eine vollständige Aufklärung aller Vorwürfe bezüglich der Betriebe des beschuldigten Halters, auch jener, zu denen die überlebenden Tiere gebracht wurden. Es muss überprüft werden, ob weitere Tiere gestorben und ihre Körper illegal entsorgt wurden. Weiters muss die Politik reagieren und die längst überfällige Trennung von Veterinärbehörde und Landwirtschaftsressort, wie auch zwischen Tierschutzombudstelle und anderen Veterinärbehörden, durchführen. Die ohnehin schon viel zu seltenen Kontrollen und laxen Strafen im Bereich der landwirtschaftlichen Tierhaltung dürfen durch politische und berufliche Verstrickungen nicht noch zahnloser werden!

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