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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (01.03.2018)

Wien, am 01.03.2018

Fiaker im Winter: Mehr als nur ein Kälte-Problem

Fiaker-Pferde müssen auch bei zweistelligen Minusgraden  Kutschen ziehen und in der Kälte ausharren. Der VGT kritisiert die fehlende Rücksicht der Fiaker-Fahrer_innen auf extreme Wetterverhältnisse

Erst im Sommer wurde mühsam und gegen den Widerstand der Fiaker-Lobby ein Fahrverbot für Fiaker-Pferde ab 35° durchgesetzt. Damals hieß es aus Fiaker-Kreisen, dass Pferde als Wüstentiere überhaupt kein Problem mit großer Hitze hätten. Die Wissenschaft, der Tierschutz und letztlich auch die Politik widersprachen dieser Behauptung. Nun wird seitens der Fiaker-Fahrer_innen verbreitet, dass Pferden auch große Kälte nichts ausmache.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Pferde ab 25° plus ihre Körpertemperatur aktiv regulieren müssen; d.h. ab da ist ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Tatsächlich sind für gesunde Pferde, die ganzjährig im Freien gehalten werden, kalte Temperaturen leichter zu ertragen als heiße. Die dafür entscheidenden Faktoren sind bei vielen Fiaker-Pferden allerdings in Frage zu stellen.

Winterfell und Talgschicht

Pferde entwickeln unter den richtigen Umständen wie viele andere Tiere ein Winterfell, das je nach Pferderasse mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Auch von Lai_innen sind Pferde mit Winterfell durch ein „flauschigeres“ Aussehen zu erkennen. Geheizte Ställe, ständiges Eindecken der Pferde und starkes Bürsten können jedoch zum einer fehlenden Entwicklung des Winterfells führen. Verstärktes Bürsten des Fells zerstört obendrein die wichtige Talgschicht des Fells, das gegen Feuchtigkeit und Kälte schützt. „Fiaker-Pferde müssen immer perfekt gestriegelt sein, damit sie für die Gäste ansehnlich aussehen. Für das Pferdefell und das Wohl der Tiere ist das aber besonders bei extremen Temperaturen hinderlich,“ erklärt VGT-Campaigner Georg Prinz. „Bisher habe ich noch kein Fiaker-Pferd mit deutlichem Winterfell gesehen.“

Bewegungsleistung und Thermoregulation

Pferde schränken ihr Bewegungsausmaß bei kalten Temperaturen ein, nehmen vermehrt Nahrung auf und vermeiden Leistungshöhepunkte, die sie ins Schwitzen bringen. Gerade diese natürlichen Reaktionen auf Kälte können von Fiaker-Pferden allerdings kaum ausgelebt werden. Sie müssen bei den Fahrten dieselben Leistungen erbringen wie auch bei milderen Temperaturen, gefolgt von mehr oder weniger langen Stehperioden, nach denen erneut Kutsch-Runden folgen. Auch kurze Aufenthalte in den Ställen sind für die Tiere keine Lösung, da diese entweder wärmer sind und die Thermoregulierung der Tiere dadurch noch mehr gestört wird, oder gleich kalt wie die Außentemperatur, wodurch das Problem ebenfalls bestehen bleibt. „Pferde vertragen Temperaturunterschiede nur schlecht. Sie zum „Aufwärmen“ in Ställe zu bringen oder kurzzeitig einzudecken, verschlimmert das Problem eher noch,“ schildert Prinz weiter.

Salz, Schnee und weitere Probleme

Neben der oft mangelhaften Entwicklung eines ausreichend dichten Winterfells und den unnatürlichen Leistungen, die den Tieren abverlangt werden, ist ein Leben im Winter in der Stadt für Pferde auch auf andere Weise gefährlich. Streusalz trocknet bei längerer Einwirkung die Hufe aus und bildet zusammen mit Matsch eine äußerst rutschige Masse. „Es gibt schon in den anderen Jahreszeiten immer wieder Meldungen von Pferden, die auf dem Asphalt oder z.B. Kanaldeckeln ausrutschen,“ so Prinz weiter. „Außerdem wird besonders bei Schneefall das Fell der Tiere völlig durchnässt, sodass die Kälte noch unangenehmer wird für sie.“

Ein Herz für Pferde

Wem Pferde am Herzen liegen, der unterwirft sie nicht einem Leben auf Asphalt und Beton. Pferde wollen mit extremen Temperaturen und Wetterverhältnissen auf ihre Weise umgehen. Sie ohne Rücksicht auf ihre Bedürfnisse weiterhin zu nutzen, widerspricht jedem Tierschutz. Der VGT fordert eine Einstellung des Fiaker-Betriebs bei extremen Temperaturen und Wetterverhältnissen.

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