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Wien, am 31.08.2018

Plastik-Verschmutzung der Meere: Wie können wir Meerestiere schützen?

In den letzten Wochen sorgten Initiativen und Verbote in US-amerikanischen Städten zur Reduktion von Einweg-Plastik-Strohhalmen für internationales Aufsehen (1). Um den schädlichen Plastikmüll in den Ozeanen zu verringern, sollen die Menschen ihren Plastik-Verbrauch einschränken. Doch ist dies alleine genug?

Das Video einer Meeresschildkröte, der ein Strohhalm aus der Nase entfernt wurde, löste Wellen des Entsetzens aus. Obwohl die Problematik der Verschmutzung der Meere, in erster Linie durch Kunststoff-Müll, bereits seit Jahrzehnten bekannt ist, führte die Verbreitung des Videos zu Konsequenzen in einigen Regionen der USA. Nun wird auch international darüber diskutiert, Plastik-Strohhalme zu verbieten. Viele Menschen unterstützen dies zum Schutz der Fische und anderen Meeresbewohner_innen. Auch in der EU wurde im Mai eine Regelung zur Reduktion von Einwegplastik und der Meeresverschmutzung vorgeschlagen.

Unmengen an Plastikmüll

Bis 2015 wurden weltweit insgesamt 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert (2). 6,3 Milliarden Tonnen davon landeten bisher im Müll – 79 % dieser Menge wurden in Deponien verscharrt oder verteilten sich in der Natur. Nur 9% wurden recycelt.

79 Tausend Tonnen Müll haben sich alleine im sogenannten Great Pacific Garbage Patch im Nordpazifik zusammengesammelt. 99,9 % des Abfalls dort entfällt auf Kunststoffe – Dreiviertel der Müllteile sind größer als 5 cm.

Fatale Konsequenzen für die Tierwelt

Untersuchungen der letzten Jahre und Jahrzehnte zeigen erschreckende Auswirkungen dieser Müllinseln auf die Tierwelt. 2009 hatten 75 % der untersuchten Meeresvögel Plastikteile in ihren Verdauungsorganen (3). Eine Metastudie aus 2013 zeigte, dass Einschnürungen durch Kunststoffe in den letzten Jahren insgesamt um 40 % gestiegen sind – mehr als 650 unterschiedliche Spezies sind davon betroffen, darunter alle Meereschildkrötenarten, die Hälfte aller Meeressäuger und 20 % aller Meeresvögel (4). Neben den direkten Auswirkungen durch die Aufnahme von Plastikteilen oder durch das Verheddern in Schnüren und Netzen, machen auch indirekte Auswirkungen wie Vergiftungen, z.B. durch PCBs (Polychlorinated Biphenyls), den Tieren zu schaffen.

Problem: Ghost Fishing

Einen massiven Beitrag zu der Müllansammlung in den Ozeanen leisten zurückgelassene oder verlorengegangene Fischereinetze und andere Fangvorrichtungen der Fischereiindustrie (sog. derelict fishing gear). Alleine in der riesigen Müllinsel im Nordpazifik summieren sich Netze, Leinen und andere Fischerei-Rückstände auf 46 % der Gesamtmenge. Rund 27 % allen Mülls an den europäischen Stränden stammt ebenso aus der Fischerei. Laut der EU-Kommission werden etwa 20 % aller Fischereiausrüstung pro Jahr auf Hoher See verloren oder zurückgelassen. Besonders größere Meerestiere, wie Wale und Delfine, Meeresschildkröten Haie und auch unzählige andere Fischarten können sich in den Netzen und Leinen verheddern und sterben langsame und qualvolle Tode. In Mexiko wurden diese Woche hunderte Meeresschildkröten der gefährdeten Art Oliv Bastard tot aufgefunden worden. Sie hatten sich in verbotenen Fischernetzen und Angelschnüren verfangen und sind qualvoll ertrunken.

Überfischung und leere Meere

Die Fischfangindustrie bereitet den Tieren nicht nur durch ihre Hinterlassenschaften große Probleme. 2017 galten bereits zwei Drittel aller Fischbestände als überfischt. Bis 2048 könnten die Bestände völlig erschöpft sein. Dazu kommt, dass eine erhebliche Anzahl an Fischen und anderen Meerestieren als Beifang tot in den Meeren landet.

Österreich ist als Binnenland fast vollständig auf Importe von Fischen angewiesen. Bereits am 17. Jänner diesen Jahres fand der sogenannte Fish Dependence Day in Österreich statt – ab diesen Tag ist die Selbstversorgung in Österreich erschöpft (EU-weit: 9. Juli). Der Verbrauch an Fischen liegt in Österreich bei 13,4 kg pro Kopf und Jahr, wobei nur 8 kg davon direkt auf den Tellern der Österreicher_innen landen, während der Rest als Futtermittel verwendet wird oder im Abfall landet.

Fakt: Fische fühlen Schmerz

Es ist mittlerweile unumstößlicher, wissenschaftlicher Konsens, dass Fische Schmerzen bewusst wahrnehmen und mit Stress und Abwehr auf schmerzvolle Reize reagieren. Dennoch ist kaum eine Fang- und Tötungsmethode so wenig reguliert und gleichzeitig so grausam wie der Fischfang. Doch auch die Alternative zu den Wildfängen, die Aquakulturen an den Küsten, in denen zig Millionen Fische weltweit gezüchtet und auf engsten Raum gehalten werden, muss aus Tierschutzgründen abgelehnt werden. Aquakulturen sind der Inbegriff von Massentierhaltungen, unter denen nicht nur die gefangenen Tiere leiden, sondern auch die umliegende freie Tierwelt und die Umwelt. Krankheitsverbreitungen auf wilde Fischschwärme, die Verschmutzungen durch die Exkremente der Tiere in den Farmen und weitverbreitete Medikamentengaben schädigen die Natur.

Wer Fische schützen will, der isst sie nicht

Die Menge des Plastikmülls in den Meeren darf nicht länger ignoriert werden. Jedoch darf der Schutz der Meere und ihrer Bewohner_innen nicht bei symbolischen Akten enden. Der Verzicht auf Plastik-Strohhalme kann einen kleinen Beitrag leisten, jedoch müssen auch diejenigen umdenken, die das weitaus größere Leid von Meerestieren verursachen. Die Fischereiindustrie darf nicht länger unterstützt werden, wenn einem Fische und andere Meeresbewohner_innen am Herzen liegen. Es braucht ein radikales Umdenken nicht nur beim Plastikkonsum, sondern vor allem auch beim Konsum von Fischen und anderen Meerestieren.

Verschiedene pflanzliche Lebensmittel lassen kulinarisch nichts vom typischen Meeresgeschmack vermissen.

Müll durch verlassene Netze, Überfischung, Meeresverschmutzung durch Aquafarmen, schmerzhafter und leidvoller Tod von buchstäblich unzähligen Fischen jährlich – diese Industrie kann keine Zukunft haben.

Zum Schutz der Meere und der Meerestiere brauchen wir eine starke Reduktion der Müllmengen, die im Meer landen, und einen Stopp der internationalen Fischfangindustrie.


(1) www.theplastplasticstraw.org
(2) Production, use and fate of all plastics ever made, in: Science Advances
3 (7), Jänner 2017
(3)OSPAR:
Marine litter in the North-East Atlantic Region: Assessment and priorities for response. London, 2009, S. 127 ff.
(4)Thompson, Richard: Plastic entangelements increase 40% for marine animals. http://www.oceanhealthindex.org [11.9.2018]

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