Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (19.01.2010)
Wien, 19.01.2010
Auch die Jägerschaft kritisiert die Auswüchse der Jagd
Am 14. Jänner 2010 sprach der VGT-Obmann DDr. Martin Balluch auf Einladung des Arbeitskreises für Mensch-Tier Beziehung am Institut für Tierschutz und Tierhaltung der veterinärmedizinischen Universität Wien zum Thema "Jäger und Gejagte". Bei dem einstündigen Vortrag wurde die wesentliche Kritik des Tierschutzes an der Jagd wie die Züchtung von Fasan, Rebhuhn, Stockente und Feldhase für die Jagd, das Aussetzen zahmer Zuchttiere, die Treibjagd, der Schrotschuss, die Verwendung von Bleimunition, die Baujagd, die Fallenjagd, die Jagd mit lebenden Lockvögeln und der Abschuss von Haustieren kritisiert. Zusätzlich wurde deutlich gemacht, dass die Weidgerechtigkeit, die dem gejagten Tier eine"faire Chance" geben soll, mit Tierschutzgedanken nicht vereinbar ist. So sind nur der Schuss auf den laufenden Hasen oder den fliegenden Fasan weidgerecht, bedeuten aber gleichzeitig, dass die Tiere viel schwerer getroffen werden und daher viel häufiger angeschossen entkommen.
Aber auch die Winterfütterung wurde kritisiert, weil sie eine künstliche Überpopulation schafft und dadurch den Waldverbiss fördert und die Wildtiere in eine Abhängigkeit bringt. Wurden die Tiere nämlich über Jahre gefüttert, dann können sie jedenfalls unter den gegebenen Wilddichten nicht mehr für ihre eigene Ernährung sorgen. Das Ziel eines Wildtiermanagements sollte aber sein, dass das Ökosystem soweit intakt ist, dass es ohne menschlichen Eingriff funktioniert. Nur so bleibt den Wildtieren ihre Autonomie und Eigenständigkeit erhalten.
Die anwesenden JägerInnen kritisierten den Vortrag heftig als zu einseitig. Es sei richtig, die Natur nach Möglichkeit zu nutzen, und dazu würde der Abschuss von möglichst vielen Wildtieren gehören, weil das Fleisch bringe und die Jagdindustrie am Leben halte. Aber es sei richtig, dass es in der Jagd viele abzulehnende Auswüchse gäbe, wie sie im Vortrag erwähnt wurden, die abgestellt gehören.
Trotz einiger heftiger Wortwechsel war die Diskussion dennoch konstruktiv.
An dieser Stelle ist der Mut der Leitung des Arbeitskreises an der Vet-Uni hervorzuheben, der mit dem VGT-Obmann ja den Hauptangeklagten in der Tierschutzcausa eingeladen hatte. Auch diese Problematik wurde in der Diskussion wiederholt angesprochen und es war bemerkenswert zu erleben, wie breit die Ablehnung der polizeilichen Verfolgung der Tierschutzszene sogar in Jagdkreisen ist.