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Steyr, am 16.01.2020

Offener Brief an die Bundesforst-Verwaltung im Schloss Lamberg, Steyr

Betreff: Züchtung von Steinböcken im Burggraben

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit mehr als drei Jahrzehnten werden im Schloss Lamberg in Steyr Steinböcke gehalten. Oft wenden sich Besucher_innen des Schlosses besorgt an uns und bitten uns, im Sinne des Tierschutzes tätig zu werden. Daher wende ich mich nun an Sie.

Die Steinböcke werden im Burggraben als Besucher_innen-Attraktion gehalten. Sie haben eine Wiesenfläche als Außengehege und einen überdachten Innenraum als Witterungsschutz zur Verfügung. Die beiden Bereiche sind durch eine Holzlatte mit Tritt-Steg verbunden. In der Ecke liegt eine Anhäufung von Steinen. Es scheint, als wollten die Bundesforste hier der gesetzlichen Verpflichtung der 2. Tierhaltungsverordnung nachkommen, „Als Gehegeeinrichtung sind ein Absperrgehege und Steinaufbauten als Kletterfelsen und zur Raumgliederung vorzusehen. Im Futterbereich sind Naturboden wie Naturfels und befestigter Boden erforderlich.1

Die etwas lieblos aufgeschütteten Steine oder das Mauergeländer als „Klettermöglichkeit“ zu bezeichnen ist – gelinde gesagt - gewagt. Die Tiere, die eigentlich alpine Lebensräume von vielen Quadratkilometern bewohnen und sehr begabte Kletterer sind, fristen in dieser trostlosen Umgebung ein trauriges Dasein. Von gebirgigen Formationen und Austoben im felsigen Gelände können die in Steyr eingesperrten Tiere nur träumen.

In den Leitlinien für eine tierschutzgerechte Haltung von Wild in Gehegen, herausgegeben vom Institut für Wildtierforschung an der tierärztl. Hochschule Hannover und auch einsehbar auf der Seite des dt. Bundesmisteriums für Ernährung und Landwirtschaft, steht, dass die spezif. Adaptation des Alpensteinbocks an seinen Lebensraum eine Gatterung nur in GEBIRGSLAGE erlaubt. Außerdem wird ein Raumbedarf von 1.000m2 pro Tier! gefordert. Sieht man sich die Haltung der Steinböcke auf Schloss Lamberg an, wird auch wenig tierschutzaffinen Personen klar, dass diese Haltung niemals als artgerecht, geschweige denn tierschutzgerecht bezeichnet werden kann.

Ich kann nachvollziehen, dass die Steinböcke in dem Schloss eine historische Vergangenheit haben und darum möglicherweise auch mit einer gewissen traditionellen Sentimentalität belegt sind. Nach dem Motto:die waren immer da, die sollen auch hier bleiben. Da eine Auswilderung in höherem Alter nicht mehr möglich sein wird, würde ich es sogar verstehen, wenn die Tiere bis zu ihrem Lebensabend dort bleiben, weil ich vermute, dass es schwierig ist, einen Platz zu finden, der ihren Bedürfnissen eher gerecht wird. (Wobei ich mir vorstellen könnte, dass in großräumigeren Wildgehegen wie dem Tierpark Cumberland auch noch Platz für diese Tiere wäre – wurde eine Umsiedelung denn jemals in Erwägung gezogen?)

Was ich aber leider gar nicht nachvollziehen kann, ist, dass offenbar nach wie vor mit den Tieren gezüchtet wird und so in diesem Tiergefängnis junge Steinböcke in eine Haltung in Gefangenschaft gezwungen werden. Das halte ich für grob fahrlässig und entgegen jedem Tierschutz, den die österr. Bundesforste eigentlich vertreten und hochhalten sollten.

Was passiert mit den überzähligen Tieren aus dieser Haltung? Wenn die Tiere nicht kastriert sind, muss es jährlich einen Überschuss an Jungtieren geben. Wohin kommen die?

Meiner Meinung nach sollten wir, angekommen im 21. Jahrhundert, sensibler auf den Missbrauch von Tieren als Attraktion und Foto-Sujet achten und die richtigen Akzente setzen, um Tier und Natur – sofern möglich - dorthin zurückzuführen, wo es NOCH intakten Lebensraum gibt. Weg aus der Gefangenschaft und dem menschlichen Einflussbereich, in die Wildnis und Freiheit zurück. Das sind im Übrigen m.E. auch Maßstäbe, die es wert sind, an Besucher_innen des Schlosses, speziell an Kinder, zu vermitteln. Eine dementsprechende Botschaft (Schloss Lamberg übergibt Steinböcke an Wildpark) könnte für den Betrieb sogar eine positive Werbewirkung haben, denn der Tierschutz-Gedanke wird von der überwiegenden Mehrheit der Gesamtbevölkerung verstanden und unterstützt.

In einem ähnlichen Schaugatter im Lainzer Tiergarten in Wien wurden dank Gesprächen des VGT mit der Stadt Wien alle männlichen Tiere entfernt, die verbleibenden männlichen Jungtiere kastriert. Die verbleibenden Tiere dürfen bis an ihr Lebensende dort leben. Aber es wird nicht nachgezüchtet und auch das Töten hat ein Ende. Das ist gelebter Tierschutz, wie ihn auch die Bundesforste im Schloss Lamberg für die Öffentlichkeit nachvollziehbar vermitteln sollten.

Für Wildtiere ist Freiheit das höchste Gut. Das erkennen zum Glück immer mehr Menschen und fordern für Tiere die ihnen zustehenden Rechte ein.

„Living in captivity is living without being alive" - ich hoffe, dass Sie mit diesem Zitat etwas anfangen können und ersuche Sie um Antwort auf mein Schreiben.

Hochachtungsvoll,

Mag.a Heidi Lacroix
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN


(1) 2. Tierhaltungsverordnung, 7.13.9.4. (3)

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