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Hintergrundwissen Tierversuche

Zahlen und Fakten

1991 gab es erstmals eine statistische Erfassung der Tierversuche in Österreich, damals wurden 482.166 Tiere gemeldet. Zwischenzeitlich sind die Zahlen auf 130.285 Tiere im Jahr 1999 gesunken. Laut aktueller Statistik sind die Zahlen seitdem aber wieder dramatisch angestiegen:

2013: 208.559 Tiere
2014: 209.183 Tiere
2015: 227.317 Tiere

Weltweit werden jährlich zwischen 100 und 300 Millionen Versuchstiere verwendet. Der Großteil davon in den USA mit ca. 70 Millionen Tieren. In der EU sind es ca. 11 Millionen Tiere pro Jahr.

Aufgrund der engen gesetzlichen Definition von Tierversuchen scheinen die meisten Tiere, die an wissenschaftlichen Experimenten leiden und sterben, gar nicht auf. Außerdem werden bei kommerziellen Versuchstierzuchtstationen und Tierversuchslabors viel mehr Tiere gezüchtet als benötigt werden – bei Mäusen sind es 81%, bei Ratten 83% Überschuss. Auch pro Versuch werden meist mehr Tiere beantragt als verwendet werden. Die überzähligen Tiere werden entweder vergast, für nicht genehmigte Versuche verwendet oder dienen StudentInnen zu Übungszwecken.

Verwendete Tierarten

Es gibt kaum eine Tierart, die nicht im Tierversuch verwendet wurde und wird. Am häufigsten werden Nager verwendet. Denn sie sind kompakt, zäh, billig, leicht zu züchten und zu halten und vermehren sich schnell. Daneben werden Kaninchen, Katzen, Hunde, Meerschweinchen, Zwergschweine, Affen, Vögel, Goldhamster, Ziegen, Schafe, Schweine, Maultiere, Rinder und viele weitere Tierarten eingesetzt.

Mäuse waren im Jahr 2015 mit 187.413 Tieren trauriger Spitzenreiter der Versuchstierstatistik. Es folgten Kaninchen mit 15.910, Zebrafische mit 9.411 und Ratten mit 5.162 Tieren. Die Zahl der verwendeten Katzen ist von 29 im Jahr 2014 auf 33 im Jahr 2015 gestiegen, die Zahl der Hunde sogar von 66 auf 111.

Gründe für Tierversuche

Tierversuche dienen der Pharmaindustrie, um auf deren Basis neue Medikamente zu entwickeln, ohne das dazugehörige Haftungsrisiko der Gefährdung von Menschen übernehmen zu müssen.

Laut Tierversuchsstatistik dienten rund 40% der in Österreich im Jahr 2015 durchgeführten Tierversuche der Grundlagenforschung. Das bedeutet, dass rund 90.000 Tiere gequält und getötet wurden, nur um menschliche Neugier zu stillen oder WissenschafterInnen zu mehr Ruhm und Ansehen in ihrer Branche zu verhelfen.

Fast 2.000 Tiere wurden ausschließlich für Lehrzwecke verwendet.

Für einen enormen Verschleiß an Versuchstieren sorgt auch die Gentechnik. Das Erbmaterial der Tiere wird künstlich verändert, um menschliche Krankheiten nachzubilden und dann Versuche an ihnen zu machen oder um die Leistungsfähigkeit der sogenannten Nutztiere zu steigern (Riesenschweine, Turbokühe, etc.). Bis ein Tier mit dem gewünschten Erbgut erschaffen ist, gehen unzählige Generationen von nicht brauchbaren, häufig nicht überlebensfähigen Individuen voran. Im Jahr 2015 wurden allein in Österreich knapp 30.000 gentechnisch veränderte Tiere in Tierversuchslaboren am Leben gehalten, um sie für spätere Versuche zur Verfügung zu haben.

Auch das Klonen und die Xenotransplantation fallen unter den Begriff der Gentechnik. Klone sind genetisch idente Zellen oder Organismen, die durch Teilung einer einzigen Zelle oder eines einzigen Organismus hervorgehen. WissenschafterInnen haben verschiedene Methoden entwickelt, um Tiere gezielt zu klonen. Die Resultate dieser Experimente sind denkbar schlecht, sodass sie bereits zu hunderten gescheitert sind. Manchmal führten sie zu einem einzelnen lebenden geklonten Tier, welches kurz darauf an seinen Missbildungen und Krankheiten starb. Nichtsdestotrotz halten WissenschafterInnen an dieser zum Alptraum gewordenen Vision der Erzeugung identischer Lebewesen fest.

Als Xenotransplantation bezeichnet man die Transplantation artfremder Organe oder Gewebe. Um den Bedarf nach Ersatzorganen zu decken, sollen diese von Tieren geholt werden. Seit einigen Jahren wird versucht, Schweine mit menschlichen Genen auszustatten, damit ihre Organe bei der Transplantation in den Menschen von deren Immunsystem nicht so stark abgestoßen werden.

Alternativen

Die In-vitro-Forschung bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten, um neue Erkenntnisse ohne die Verwendung von Tieren zu gewinnen. Schon jetzt kann ein Großteil der Tierversuche durch moderne Verfahren wie der Zellkulturtechnik ersetzt werden. Das zögerliche Anwachsen von alternativen Methoden liegt vor allem an mangelnden Fördermaßnahmen von Seiten der EU und der nationalen Politik. Das European Centre for the Validation of alternative Methods (ECVAM), das maßgeblich an der Entwicklung und Validierung von Alternativmethoden beteiligt ist, erhält leider wenig finanzielle Unterstützung.

Obwohl es längst Alternativen gibt, finden sie nur schwer den Einzug in die Wissenschaft. Denn jede Ersatzmethode muss direkt mit dem Tierversuch verglichen werden und dabei nicht nur gleichwertig sein, sondern sogar besser. Um das nachzuweisen bedarf es einer sehr großen Anzahl von kostspieligen Testreihen, da Tierversuche aufgrund der vielen wechselnden Faktoren (Alter, Geschlecht, Ernährungszustand, Genetik,...) extrem schlecht reproduzierbar sind. Viele Alternativmethoden wären auf lange Sicht schneller und kostengünstiger. Der enorme Anfangsaufwand stellt aber oft ein zu großes finanzielles Risiko dar.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Seit 2004 ist es in der Europäischen Union verboten fertige Kosmetikprodukte an Tieren zu testen. Seit 2009 dürfen auch keine Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten mehr im Tierversuch überprüft werden. Allerdings gab es eine Ausnahmeregelung für die toxikologischen Tests für Allergie, Krebs und Fortpflanzungsschäden, wenn diese außerhalb der EU durchgeführt wurden. Seit 2013 sind auch diese verboten.

Seit 2006 sind alle Tierversuche an Menschenaffen (inklusive Gibbons) in Österreich verboten.

Alle weiteren Tierversuche sind in Österreich nach wie vor erlaubt.

Das österreichische Tierversuchsgesetz sieht eine Kontrollkommission vor, die jährlich jedes Tierversuchslabor unangemeldet kontrollieren soll. In der Praxis funktioniert das nicht. Laufend werden Versuche ohne entsprechende Begutachtung genehmigt. Die Kontrollkommission ist einerseits überlastet und besteht andererseits zum Teil selbst aus TierexperimentatorInnen, die sich demnach selbst kontrollieren.

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