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Hintergrundwissen Fiaker

Zahlen und Fakten

Wien

  • In Wien werden 160 Konzessionen ausgestellt, d.h. 320 Pferde angemeldet.

  • In der inneren Stadt gibt es 6 Standplätze. Es ist genau geregelt wann welcher Fiaker auf die Standplätze auffahren darf.

  • Es gibt ca. 40 Fiakerunternehmen.

Salzburg

  • In Salzburg sind 14 Gespanne im Einsatz. Der Standplatz ist am Residenzplatz.

  • Es gibt ca. 6 Fiakerunternehmen.

Innsbruck

  • Es gibt nur einen Standplatz, wo Fiaker ihre Rundfahrten anpreisen.

  • Es gibt ca. 3 Fiakerunternehmen.


Rechtliche Rahmenbedingungen

a. Bundestierschutzgesetz

Die Haltung von Pferden in Österreich wird durch das Bundestierschutzgesetz geregelt. Die wichtigsten Punkte dieses Gesetzes sind:

  • Gebäude und Stalleinrichtung: Die Böden müssen rutschfest, die Liegeflächen eingestreut, trocken und so gestaltet sein, dass alle Tiere ungehindert liegen können.

  • Bewegungsfreiheit: Die Anbindehaltung ist verboten.

  • Licht: Steht den Tieren kein ständiger Zugang ins Freie zur Verfügung, müssen Ställe offene oder transparente Flächen, durch die Tageslicht einfallen kann, im Ausmaß von mind. 3 % der Stallbodenfläche aufweisen. Im Tierbereich des Stalles ist über mind. acht Stunden pro Tag eine Lichtstärke von mind. 40 Lux zu gewährleisten.

  • Ernährung: Die Fütterungs- und Tränkevorrichtungen sind so zu gestalten und anzuordnen, dass die Tiere ungehindert fressen und trinken können.

  • Betreuung: Werden Pferde regelmäßig mehr als sechs Stunden pro Tag zur Personenbeförderung in einem Gespann eingesetzt, sind ihnen innerhalb einer Woche an mindestens zwei nicht aufeinander folgenden Tagen Ruhetage mit freiem Auslauf zu gewähren. Das Gesamtgewicht des voll beladenen Gespannes bei ebener Strecke und glattem Untergrund darf das Dreifache der Summe der Körpergewichte aller vorgespannten Pferde nicht überschreitet. Es ist sicherzustellen, dass die Anbindevorrichtungen und Ausrüstungsgegenstände die Tiere nicht verletzen können und ein ungehindertes Fressen und Misten ermöglichen.

b. Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz

Die Fiakerbetriebe in Wien unterliegen dem Wiener Fiaker- und Pferdemietwagengesetz sowie zusätzlichen Verordnungen zu diesem Gesetz.

Die Novelle 2016 brachte Verbesserungen für die Fiakerpferde, um die Stressbelastung der Tiere zu reduzieren:

  • Die Pferde dürfen ab 35° C (gemessen bei der ZAMG-Station Wien Innere Stadt) nicht mehr im Einsatz sein.

  • Die erlaubten Arbeitszeiten für die Pferde wurden von bisher 20 auf 18 Tage pro Monat verkürzt.

  • Die Betriebszeit wurde um eine Stunde auf 11 bis 22 Uhr reduziert.

  • Die Pferde sollen künftig vor ihrem ersten Einsatz durch SpezialistInnen darauf überprüft werden, ob sie ihrem Wesen und ihrer Ausbildung nach überhaupt mit dem Einsatz in der Stadt zurechtkommen.

  • Die Kutscher müssen vor jedem Dienstbeginn die Einsatztauglichkeit der Pferde überprüfen und in ein Fahrtenbuch eintragen, das stichprobenartig kontrolliert werden soll.

  • Außerdem sollen Bodenmarkierungen die Lage und Anzahl der Stellplätze festlegen, um die Kontrollierbarkeit zu erhöhen.

Die Bezirksvertretung der Inneren Stadt will die Zahl der Fiaker-Stellplätze auf dem Stephansplatz von 24 auf zwölf reduzieren, damit mehr Platz für Fußgänger bleibt.

c. Fiakerschutzpaket 2009

Im März 2009 hat die Tierschutzstadträtin Sandra Frauenberger ein Fiakerschutzpaket veröffentlicht. Es handelt sich um ein 7- Punkte Paket:

  1. Verschärfung der Fiaker-Fahrdienstprüfungsverordnung - Prüfungsgebiet „Umgang mit Pferden“ wird erweitert
  2. Tränken und Abkühlen mit Wasser
  3. Strenge Schwerpunktkontrollen von Stadt und Polizei – bei Vergehen Sanktionierungsmaßnahmen
  4. Verstärkung der Routinekontrollen
  5. Null-Toleranz bei Alkoholisierung
  6. Sonnendach bei Standplatz Burgtheater
  7. Verbot der Anbindehaltung wird rigoros kontrolliert – bei Verstoß droht Konzessionsentziehung

Tierschutzrelevante Probleme

a. Während des Fahrbetriebs

  • Bewegungseinschränkung: Die Pferde müssen jederzeit abfahrbereit, also immer angeschirrt sein. Während dieser Zeit, können sie niemals einen freien Schritt machen.

  • Langes Stehen ist ungesund: Pferde sind Fluchttiere. Ihr ganzer Körper ist auf viel Bewegung angepasst. Ewiges Stehen führt zu Problemen im Bewegungsapparat der Pferde.

  • Gelenkprobleme durch Gehen auf Asphalt: Die Pferde müssen durchwegs auf Asphalt gehen. Das hat gesundheitsschädigende Auswirkungen auf die Beine und Gelenke.

  • Fellabschürfungen: Viele Pferde haben Fellabschürfungen, wenn das Geschirr nicht passt oder das Pferd unsachgemäß oder zu lange angeschirrt war.

  • Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze: Die Pferde stehen auf ihren Standplätzen im Sommer meist in der prallen Sonne. Oft wird das damit abgetan, dass Pferde Steppentiere seien, die die Sonne lieben und ihre Körpertemperatur gut regulieren können. Das ist zwar richtig, aber sie leben nicht in ihrer natürlichen Umgebung. In der Steppe würden sie kühlere Plätze aufsuchen, an ihren Standplätzen in Wien stehen sie den ganzen Tag eingespannt in ihr Geschirr. Auch die zusätzliche Hitzebelastung der Stadt darf nicht unterschätzt werden. Durch den Asphalt und die Häuser wird enorme Hitze abgestrahlt.

  • Lärm und Straßenverkehr: Das Pferd ist ein Fluchttier, es verwendet seine Sinne, um Gefahren zu orten. Um den Fluchtreflex der Pferde zu minimieren, werden die Ohren zugestöpselt und die Augen mit Scheuklappen versehen.

  • Fiakerpferde und ihr Hufbeschlag: Am Beschlag der Fiakerpferde sind oft Mängel festzustellen: Nur ein paar Fiakerpferde haben Dämpfungen zwischen Huf und Eisen, was beim Gehen auf hartem Asphalt eine Schonung der Hufe und der Gelenke mit sich bringt. Leider ist diese Dämpfung nicht gesetzlich vorgeschrieben. Oft versuchen die BesitzerInnen die Beschlagsperioden möglichst lang hinauszuzögern. Bei Fiakerpferden werden die Eisen mit 8 statt mit 6 Nägeln am Huf befestigt, damit sie diese nicht so leicht verlieren. Der Griff, ein Eisensteg am Hufeisen, soll dazu dienen, dass die Fiakerpferde weniger rutschen. Doch dadurch steht das Pferd nur auf 3 Punkten, wodurch es einen schlechteren Halt hat.

  • Fehlstellungen: Oft werden billige Pferde aus östlichen Ländern für den Fiakerbetrieb gekauft, die dann solange eingesetzt werden, bis sie körperlich komplett "verbraucht" sind. Darunter findet man immer wieder Pferde mit starken Fußfehlstellungen. Für diese Tiere ist das ständige Gehen auf Asphalt eine zusätzliche Belastung.

  • Maulkörbe: Fiakerpferde bekommen oft Maulkörbe umgebunden. Einige Pferde sind der völlig unnatürlichen Belastung nicht gewachsen. Sie werden aggressiv und schnappen nach PassantInnen oder nach ihren Pferdenachbarn. Stundenlanges Stillstehen ist keine Ausnahme. Als einzige Abwechslung bleibt das Beknabbern des Geschirrs. Einige Pferde können sich nie an die Belastung gewöhnen, diese sollten aus dem Fahrbetrieb genommen werden. Stattdessen verpasst man ihnen einen Maulkorb, um sie wieder einsatzfähig zu machen. Die Maulkörbe sind aus Plastik oder aus Leder mit Löchern oder Ritzen. Sie erschweren die Atmung und die Pferde sind in ihrem Sozialverhalten noch stärker eingeschränkt.

  • Schweif anbinden: Immer öfter wird den Pferden der Schweif am Gespann festgebunden, um zu verhindern, dass sie mit Kot aus den Pooh-bags bespritzt werden. Für die Pferde ist dies eine starke Einschränkung in ihrem Verhaltensrepertoire und in ihrem Wohlbefinden, da sie den Schweif verwenden um lästige Fliegen zu verscheuchen.

  • Drogengabe bei Fiakerpferden: Es gibt aber immer wieder Pferde, die mit den gewaltigen Sinnensreizen einer Großstadt nicht zurechtkommen. Fiaker greifen dann oft zu Sedalin, einem Beruhigungsmittel: „Durch seine zentralpsychomotorische Hemmung führt es zur verminderten Erregbarkeit und verminderter Motorik mit Erschlaffung der Muskulatur. Dieser Zustand der relativen Indifferenz gegenüber der Umwelt führt zur teilnahmslosen Gleichgültigkeit mit reduzierter Schmerzempfindung, so dass Manipulationen an dem und mit dem Tier mühelos möglich sind.“ (Quelle: Arzneimittelcodex) Eine andere Methode, um Fiakerpferde ruhig zu halten, ist Wasserentzug. Wenn Tiere keine Flüssigkeit aufnehmen können, wird ihr Körper schlaffer und müder, wodurch sie ruhiger werden.

  • Unfälle: Die regelmäßig auftretenden Unfällen beweisen, dass die Fiakerpferde dem Stress nicht gewachsen sind. Kleinste nicht vorhersehbare Zwischenfälle können diese Fluchttiere in Panik versetzen, so dass es für die KutscherInnen nicht mehr möglich ist, diese Tiere unter Kontrolle zu halten.

  • Fehlendes Heu: Pferde bekommen an den Standplätzen kein Heu.

b. In der „Freizeit“ 

  • Kein freier Auslauf auf Koppeln: Da es bei den meisten Betrieben keine Möglichkeit eines freien Auslaufes gibt, können die Pferde nie Sozialkontakte pflegen oder sich auf natürliche Weise auf weichem Untergrund bewegen.

  • Zu wenig Licht: Einige Ställe befinden sich in Kellern mitten in der Stadt oder sind aus anderen Gründen dunkel. Die Pferde leben dann in absoluter Dunkelheit. Wie auch beim Menschen gibt es bei Pferden eine sogenannte Winterdepression, die sie bekommen, wenn sie zu wenig Sonnenlicht sehen. Aufgrund der Dunkelhaltung können die Fiakerpferde in Wien auch im Herbst und im Frühjahr diese Depression bekommen.

  • Fehlende Tränksysteme: Eine Reihe von Betrieben hat keine Tränkanlage, um die Pferde regelmäßig mit Wasser zu versorgen.

  • Fehlende oder zu spärliche Einstreu: Den Pferden wird in den Ständen oder Boxen oft kein oder zuwenig Einstreu als Liegefläche zur Verfügung gestellt. Das Liegen auf hartem Untergrund ist unangenehm und schadet der Gesundheit der Pferde.

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