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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (12.12.2007)

Pelz-Kaninchen Report

Ergebnisse einer 2-jährigen Recherche der Haltung von Kaninchen für die Pelzproduktion in der EU

Viele Menschen, aber auch Kaufhäuser, lehnen zwar den klassischen Pelz der in Pelztierfarmen gezüchteten Tiere wie Nerz, Fuchs, Chinchilla oder Waschbär ab, sie sehen aber im Kaninchenpelz kein Problem. Der Pelz von Kaninchen, so wurde vermutet, sei einfach ein Abfallprodukt der Fleischproduktion, wie das Leder von Rind und Schwein. Diese Annahme ist aber falsch. Die Haltung von Kaninchen zur Pelzproduktion unterscheidet sich total von der Haltung von Kaninchen zur Fleischproduktion, sowohl in der verwendeten Rasse als auch in der Haltungsart und –dauer. Die Kaninchenhaltung zur Pelzproduktion ist, im übrigen, in Österreich seit 1998 (!) bereits verboten. Die Kaninchenhaltung zur Fleischproduktion wird ab 2012 nicht mehr in den gängigen Kaninchenkäfigbatterien möglich sein.

Zwischen 2005 und 2007 unternahm die Coalition to Abolish the Fur Trade CAFT eine Recherche von Kaninchenfarmen in Europa.

Wieviele Kaninchen werden „produziert“?

Erstaunlicherweise gibt es dazu keine verlässlichen Zahlen. Die European Food Safety Authority gab im Jahr 2003 an, dass weltweit 857 Millionen Kaninchen geschlachtet worden wären, allerdings ohne Rex-Kaninchen für die Pelzproduktion. Etwa die Hälfte der Kaninchen würde in China getötet. Die Hauptproduktionsländer für Kaninchen in der EU sind Spanien, Frankreich und Italien. Insgesamt dürften momentan etwa 400 Millionen Kaninchen in der EU und 1 Milliarde Kaninchen weltweit jährlich geschlachtet werden.

Spanien
In Spanien werden rund 90 Millionen Kaninchen jährlich getötet. Ein Drittel dieser Farmen liegt in Katalonien, 14,5% in Aragon, 13,8% in Galizien und 9,2% in Valenzia.

Italien
Noch in den 1970er Jahren war die Kaninchenhaltung in Italien an der Selbstversorgung einzelner Bauernhöfe orientiert. Heute werden rund 150 Millionen Tiere jährlich „produziert“. Die größten Farmen gibt’s in Norditalien (Venedig, Lombardei, Piemont und Emilia-Romagna), mit 500-1000 Zuchthäsinnen. Auch im restlichen Italien gibt’s aber eine große Zahl von mittleren und kleineren Farmen mit 100-500 Zuchthäsinnen.

Frankreich
In Frankreich war die Kaninchenindustrie in den 1970er Jahren noch doppelt so groß wie heute: etwa 60 Millionen werden jährlich getötet. Etwa 2 Drittel davon stammen aus großen kommerziellen Farmen, der Rest aus Kaninchenställen zur Selbstversorgung.


Kaninchenrassen und wie sie gehalten werden

Es gibt im wesentlichen 2 Kaninchenrassen für die kommerzielle Nutzung: das Rex Kaninchen und das Weiße Kaninchen (Neuseeländer oder Kalifornier, beide fallen unter den Begriff „Weiße Kaninchen“). Das Rex Kaninchen wurde speziell zur Pelzproduktion gezüchtet und hat einen dickeren und kürzeren Pelz als das Weiße Kaninchen. Letztere hält man für die Fleischproduktion. Besonders billige Kaninchenpelze, vor allem aus China, können auch vom Weißen Kaninchen stammen.

Rex Kaninchen
Es gibt 2 verschiedene Rex Kaninchen Rassen, den Castor Rex (braune Farbe) und den Chin Rex (graue Chinchilla-Farbe am Rücken, weiß am Bauch). In Dänemark gibt es auch eine weiße Rex Kaninchen Züchtung, die allerdings nur den halben Preis der Castor Rex Pelze erzielt.
Wie praktisch alle Kaninchen werden auch die Rex in Käfigbatterien gehalten. Die ersten 4-5 Wochen ihres Lebens bleiben sie bei ihrer Mutter, dann kommen sie mit Gleichaltrigen in einen Gruppenkäfig bis sie 7-8 Wochen alt sind. Ab dann müssen sie allein in einem Einzelkäfig leben, bis sie im Alter von 8-9 Monaten ihren Winterpelz bekommen und sie deshalb getötet werden. Die Einzelhaltung soll verhindern, dass sich die Tiere bei Konflikten untereinander im Käfig nicht den Pelz beschädigen.
Das Fleisch der Rex Kaninchen wird i.a. nicht verwendet, in Dänemark ist das sogar illegal. Die Zuchttiere hält man 2-3 Jahre und die Mütter werden 1-3 Wochen nach der Geburt wieder geschwängert. Rex Kaninchen werden auch als Haustiere verwendet.

Weißes Kaninchen
Das Weiße Neuseeland Kaninchen sowie das Weiße Kalifornische Kaninchen werden beide traditionell für die Fleischproduktion verwendet. Diese Tiere müssen zwar auch in Käfigbatterien leben und werden die ersten 4-5 Wochen bei der Mutter gehalten. Allerdings bleiben sie dann mit ihren Geschwistern in Mastkäfigen bis sie 10-12 Wochen alt sind. Dann werden sie mit einem Gewicht von etwa 2 kg geschlachtet. Die Gruppenhaltung in Käfigen ist möglich, weil die Tiere bereits in einem so jungen Alter getötet werden, dass sie noch nicht die Pubertät erreicht haben.
Zuchthäsinnen des Weißen Kaninchens gebären bis zu 11 Mal pro Jahr Kinder. Die Mutter wird bereits 1 Woche nachdem sie geboren hat, wieder geschwängert, und ist oft schon nach 1 Jahr so erschöpft, dass ihre „Gebärleistung“ zurückgeht und sie deshalb getötet wird.

Orylag Kaninchen
INRA ist eine staatliche Organisation in Frankreich, die im Jahr 1985 mit dem Orylag-Zuchtprogramm begonnen hat. Das Orylag Kaninchen wird für die Pelz- und für die Fleischproduktion verwendet, i.a. kommt 60% des Profits vom Pelz und 40% vom Fleisch.
Es gibt 20 Zuchtstationen von Orylag-Kaninchen im Rahmen einer Kooperative in Frankreich. Der Pelz dieser Tiere ist unter dem Namen „Orylag“ patentiert, das Fleisch heißt „Rex du Poitu“. Der Umsatz dieser Kooperative beträgt jährlich € 3 Millionen und sie beliefert große Designernamen wie Fendi, Dior, Channel, Hermes, D&G und andere.
Die Kooperative übernimmt auch die Schlachtung der Tiere. Nach dem Tod werden Chips in die Ohren der Tiere gesteckt, auf denen elektronisch die Daten der Ursprungsfarm gespeichert sind.
Eine Orylag Zuchthäsin hat 5-12 Jungtiere pro Wurf, i.a. sind es 7. In nur 3-7 Tagen nach dem Gebären wird sie wieder geschwängert. Die Jungtiere bleiben die ersten 4 Wochen bei der Mutter, kommen dann in Geschwistergruppen bis zum Alter von 7 Wochen und werden dann bis zum Schlachtalter von 20 Wochen in Einzelkäfigen gehalten.


Die Käfighaltung

Alle Farmen, die vom Rechercheteam besucht wurden, hielten die Kaninchen in Käfigbatterien – egal ob für die Pelz- oder für die Fleischproduktion. Nur in Dänemark gab es 2 Farmen, die die Kaninchen in hölzernen Kaninchenställen hielten.

Kaninchen für die Pelzproduktion (Rex und Orylag) werden ab dem Jugendalter in Einzelkäfigen gehalten. Die typischen Käfigmaße betragen 60 cm x 40 cm Bodenfläche und 30 cm Höhe. Das ist etwa die Größe zweier Schuhschachteln.

Weiße Kaninchen kommen in Gruppenkäfige mit einer Bodenfläche von 100 cm x 60 cm und wiederum einer Höhe von 30 cm.

Die Käfige sind vollkommen strukturlos und viel zu klein. Im Gruppenkäfig sind die Tiere derartig dicht aneinander gepresst, dass jedes natürliche Verhalten unterbunden wird. Dabei ist das Hoppeln für Kaninchen sehr wichtig, weil die Tiere ansonsten Wirbelsäulenverkrümmungen erleiden. Das Männchen-Machen ist in den Käfigen auch nicht möglich, weil sie zu niedrig sind. Auf dem Drahtgitterboden können die Tiere ihr Bedürfnis zu graben und zu wühlen nicht ausleben.

Da Kaninchen sehr sozial lebende Tiere sind, leiden sie im Einzelkäfig besonders an der Isolierung. Man erkennt die daraus entstehende psychische Störung am stereotypen Verhalten wie z.B. dem Knabbern am Käfiggitter und exzessiver Fellpflege, die bis zur Selbstzerfleischung führen kann.

Allerdings sind die Gruppenkäfige um nichts besser. Die hohe Besatzdichte führt zu Aggressionen und gegenseitigen Verletzungen. Die Tiere reißen sich selbst und ihren KäfiggenossInnen den Pelz aus oder beißen sich und anderen in die Ohren.

Auch die mangelnde Beschäftigungsmöglichkeit in den nackten Käfigen führt zu stereotypem Verhalten. Keine einzige der besuchten Farmen hatte auch nur die geringste Struktur oder Beschäftigungsmaterial in den Käfigen. Jede Einstreu im Käfig wird von den ProduzentInnen als ein potentieller Herd von Krankheitskeimen abgelehnt.

Der Drahtgitterboden der Käfige verletzt die Tiere an den weichen Pfoten. Etwa 15% der Zuchthäsinnen hatte blutige Pfoten, 40% hatte Pfotenverletzungen, die ausreichen, um dem Tier unangenehm zu sein.

Unter den Käfigen bilden sich Haufen von Kot, der durch den Käfiggitterboden gefallen ist. Dieser Kot wird nur ein- bis zweimal pro Jahr weggeräumt. Der Gestank und die Ammoniakausdünstungen vom uringetränkten Boden entzünden die Augen der Tiere und führen zu schmerzhaften Infektionen.

Die allermeisten Kaninchenfarmen haben künstliches Licht 16 Stunden am Tag aufgedreht. Das soll die Reproduktionsleistung der Tiere erhöhen. Die Kaninchen aus diesen Farmen kommen niemals an die frische Luft oder ans Tageslicht und in die Sonne!


Züchtung

Es ist bereits übliche Praxis die weiblichen Zuchttiere nur noch künstlich zu befruchten. Dazu wird das Tier aus dem Käfig genommen, auf den Rücken gelegt und mit einem Samenspender penetriert. Diese Prozedur erzeugt nicht nur hohen Stress für die betroffenen Tiere, sie kann auch zu Vaginalverletzungen und genitalen bakteriellen Infektionen führen.

In den meisten Farmen werden die Mütter von den Kindern getrennt gehalten und nur 1 Mal am Tag zum Säugen zu den Kindern gebracht. Für die ersten 4 Lebenswochen haben die Kinder eine Nestbox zur Verfügung.

Eine spanische Farm, die im Rahmen dieser Recherche besucht wurde, hat sich auf die Zucht verbesserter Pelz- und Fleischrassen spezialisiert. Es wird eine geschlossene Population von Weißen und Rex Kaninchen gehalten und zur Züchtung verwendet.


Mortalitätsraten

Die Todesrate für Weiße und für Rex Kaninchen in den Pelzfarmen ist üblicherweise 10-15%. Das ist die höchste Ausfallsrate aller Nutztiere. Auf einer spanischen Farm gab es sogar Ausfallsraten in der Höhe von 25%. Die Orylag Kaninchen haben die höchste Todesrate aller Kaninchen von 25-30%.

Auch der Transport zum Schlachthof verzeichnet sehr hohe Ausfallsraten von 7-8%. Das wird hauptsächlich auf die Besatzdichte in den engen Transportboxen zurückgeführt. Gebrochene Knochen und offene Wunden bei den überlebenden Tieren sind der Normalfall.


Schlachtung

Für Kaninchen gibt es spezielle Schlachthöfe, die z.T. schon sehr lange in Betrieb sind. Andererseits wird auch noch häufig auf den Farmen geschlachtet.

Rex Kaninchen
Da die Rex Kaninchen für ihren Pelz geschlachtet werden, wird das vor allem nach Bildung des neuen Winterpelzes (am Winteranfang) aber auch des Sommerpelzes (am Winterende) durchgeführt. Den Kaninchen wird der Hals aufgeschnitten und sie verbluten. Zur Betäubung bekommen sie entweder einen festen Schlag auf den Kopf mit einem Stock (auf kleineren Farmen), oder einen Elektroschock (auf größeren Farmen oder den Schlachthöfen). Die weitere Verarbeitung ist ähnlich zu der bei anderen Pelztieren wie Nerz oder Fuchs. Die Haut wird abgezogen und entfettet, dann wird sie aufgespannt und getrocknet. Die Rex Kaninchen sind bei der Schlachtung etwa 4 kg schwer.

Weißes Kaninchen
Weiße Kaninchen werden normalerweise in Schlachthöfe transportiert, wo sie betäubt und an den Beinen aufgehängt werden und den Hals aufgeschlitzt bekommen. Ein Förderband transportiert sie dabei zur weiteren Verarbeitung. Die Haut wird entfernt, die Innereien heraus genommen und der Körper als Fleisch verpackt.
Die angelieferten Tiere müssen oft in den Transportkisten bleiben, die übereinander gestapelt direkt am Ort der Schlachtung stehen. Diese Tiere müssen also, während sie auf ihren Tod warten, die Tötung der anderen Kaninchen mit ansehen, riechen und hören. Die meisten Kaninchen waren dabei voll vom Kot und Urin der Tiere in den Transportkisten über ihnen.
Die Kaninchen werden am Schlachthof meistens elektrisch betäubt. Dabei wachen viele allerdings wieder auf, während sie schon am Förderband hängen und den Hals aufgeschlitzt bekommen. Kaninchen sind Tiere, die sonst eher sehr leise sind. Die Schreie der Kaninchen am Förderband im Schlachthof beweisen, dass viele der Tiere unbetäubt sind und schweren Stress erleiden.
In einem Fall wurde ein unbetäubtes Kaninchen während einer Arbeitspause 10 Minuten lang an den Hinterbeinen aufgehängt hängen gelassen.


Pelzpreise

In Italien werden die billigen Pelze der Weißen Kaninchen für 10-15 Cent pro Pelz gehandelt. Bearbeitete Rohpelze können das Doppelte erreichen. In Spanien liegt der Preis zwischen 50 Cent und € 1. Wenn der Rohpelz gefärbt wurde, steigt der Preis auf € 3.

Der Pelz des Rex Kaninchens ist wesentlich teurer, pro Tier um die € 30. Sie werden durch die üblichen Auktionshäuser wie das Kopenhagen Fur Centre und Finnish Fur Sales gehandelt.

Die Orylag Kooperative verkauft ihre Pelze ausschließlich direkt.


Chinesische Kaninchenpelzindustrie

Die Pelzindustrie – und mit ihr die Kaninchenpelzindustrie – wächst in China explosionsartig an. Chinesischer Kaninchenpelz ist wesentlich billiger, vor allem weil China geringere bzw. keine Umweltauflagen und keinen Arbeitsschutz kennt. Oft werden deshalb sogar europäische Rohpelze nach China gebracht, um sie dort chemisch zu bearbeiten. Dann kommen die bearbeiteten Pelze wieder nach Europa zurück.