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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (01.03.2007)

Tierheime 2007: Fakten

 


Tierheime in Österreich - gesetzliche Rahmenbedingungen

Wurde früher auch juristisch zwischen Gnadenhöfen, Tierasylen und Tierheimen unterschieden, sind mit dem Bundestierschutzgesetz alle diese Einrichtungen unter dem Begriff „Tierheim“ zusammengefasst worden. TSchG §4 (9) definiert:
„Tierheim: eine nicht auf Gewinn gerichtete Einrichtung, einschließlich Tierasyl oder Gnadenhof, die die Verwahrung herrenloser oder fremder Tiere anbietet“

Eine Einrichtung gilt also unabhängig von der Anzahl der untergebrachten Tiere und unabhängig davon, ob darauf abgezielt wird, die Tiere zu vermitteln oder sie bis zu ihrem Tod zu versorgen (Gnadenhof), juristisch als Tierheim. Einzige Bedingung ist der nicht auf Gewinn gerichtete Betrieb.

Tierheime unterliegen grundsätzlich einer Bewilligungspflicht. Diese ist im Wesentlichen davon abhängig, dass „mindestens eine Person mit einschlägiger Fachausbildung ständig bei der Leitung des Tierheimes mitarbeitet“ und dass „die regelmäßige veterinärmedizinische Betreuung der Tiere sichergestellt ist“. Außerdem sind Aufzeichnungen über die Tiere zu führen und es sind Mindestanforderungen bei der Tierhaltung einzuhalten, die in einer eigenen Verordnung definiert wurden („Tierheim-Verordnung“).

 


Untersuchung zu Tierheimen - SCHLAGER 2003

Im Jahr 2003 führte die Diplom Tierärztin Angelika Schlager im Rahmen ihrer augural-Dissertation eine Untersuchung in Tierheimen durch („Erhebungen über den Status von Tierheimen, Tierasylen und Gandenhöfen in Österreich“).

Verarbeitet wurden die Angaben von 134 Tierheimen, insgesamt wurden 165 Tierheime kontaktiert.

Insgesamt waren 19.639 Tiere in den 134 Tierheimen untergebracht, also durchschnittlich 146 Tiere pro Tierheim.

 

Welche Tiere sind in Tierheimen?

Überraschend ist das Ergebnis der Aufschlüsselung der in Tierheimen untergebrachten Tiere nach Tierarten:



Exoten:
Affen, Elefanten, Strauße, Nandus, Nasenbären, Skunks, Waschbären, Raubkatzen, Zwergflugbeutler, Reptilien und Amphibien.
Andere Tiere: Greifvögel, Störche, Tauben, Raben, Krähen, Pfaue, Graureiher, Grünfinken, Schwäne, Amseln, Igel, Rehe, Eichhörnchen, Füchse, Esel, Maultiere und Frettchen.

 

Ein Drittel aller Tiere in den untersuchten Tierheimen waren Katzen (34%). Überraschend an zweiter Stelle die hohe Zahl an „Exoten“, also im wesentlichen Reptilien und Amphibien (21%) und an dritter Stelle die Gruppe „Andere“, im wesentlichen Krähen, Tauben, Greifvögel, Störche, Igel, Frettchen, etc. (11%). Hunde stellen 11% der Tierheimtiere.

Erwartungsgemäß ist die Anzahl der großen Nutztiere, wie Rinder, Schweine, Schafe, Pferde, Ziegen sehr gering (3%).

 

 

Wie kommen die Tiere ins Tierheim?

54,5% der Tiere werden von den BesitzerInnen im Tierheim abgegeben, 38,1% werden herrenlos gefunden und dann ins Tierheim gebracht, 7,4% werden von den Besitzern als Pensionstiere ins Tierheim gebracht, die aber in weiterer Folge die finanzielle Unterstützung beenden und die Tiere auch nicht mehr abholen.

 

Abgabegründe

Die von den Tierheimen am häufigsten erwähnten Abgabegründe waren in absteigender Reihenfolge: Allergie, „Tod, Dummheit, Überdruss“, Kostengründe, Urlaub, „Scheidung, Kinder, Umzug“, „Tiere entsprechen nicht“.

 

Durchlauf: Wieviele Tiere können vermittelt werden?

In Summe wurden im Jahr 2002 von den 134 untersuchten Tierheimen 38.402 Tiere an neue BesitzerInnen abgegeben, sind verstorben oder wurden euthanasiert. Das ist fast das doppelte der Bestandszahl zum Zeitpunkt der Untersuchung.

In Wien, Niederösterreich und Oberösterreich ist der jährliche Durchlauf im Durchschnitt mit jeweils über 5000 Tieren am höchsten.

Zitat Schlager:
"Die durchschnittliche Verweildauer betrug für Katzen etwa 3 Monate, für Hunde etwa 6 Monate. Jungtiere und kleine Rassen finden in der Regel schneller einen Neubesitzer."

 

Auslastung

Die Untersuchung ergab, dass alle Tierheime voll, also zu 100%, ausgelastet waren. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Bedarf an solchen Einrichtung nicht gedeckt ist, bzw. dass überschüssige Tiere – insbesondere wenn Aufnahmestopps in den Tierheimen herrschen – offenbar auf andere Weisen „verschwinden“. Denkbar sind hier illegale Einschläferungen durch Tierärzte, Erschießen durch Jäger, oder wohl insbesondere bei Kleintieren das Töten durch die Halter selbst.

Zitat Schlager:
"In der Regel werden in allen Bundesländern mehr Tiere aufgenommen, als Plätze vorhanden sind, ehe Hilfe verweigert wird, Institutionen im Osten sind deutlich überlastet. Die Bedarfsdeckung ist hier nicht gegeben."

 

Euthanasiegründe

Die meisten Tierheime schläfern Tiere nur wegen Krankheit ein. Keines der Tierheime gab an, Tiere wegen Platzmangel oder langer Aufenthaltsdauer einzuschläfern. Ein Tierheim schläferte routinemäßig Neugeborene Katzen ein, ein anderes Tierheim schläferte Hunde auch aufgrund psychischer Störungen ein. Die Hunde wurden aber vor dieser Entscheidung drei Monate lang geführt, trainiert und beobachtet.

Routinemäßige Kastrationen

In 88,6% der Tierheime die Katzen betreuen, werden die Katzen routinemäßig kastriert. Nur in 65,3% der Tierheime die Hunde betreuen, werden die Hunde routinemäßig kastriert. Zu beachten ist aber auch, dass manche Tierheime, die Kastrationen aufgrund der erheblichen damit verbundenen Kosten mittels Vertrag den zukünftigen Besitzern überantworten.

Zitat Schlager:
"Die tierärztliche Betreuung ist prinzipiell gewährleistet, doch Kastrationen von Hunden und Katzen müssten in weit größerem Ausmaß durchgeführt werden, um die Population stabil zu halten."

 

Kosten - Tiererhaltungskosten, Tierarzt, Personal und Betriebskosten

Tiererhaltungskosten

Diese Kosten betreffen im wesentlichen die Aufbringung der Futterkosten.

Extrapoliert auf alle in der Untersuchung erfassten Tiere ergibt sich folgendes Bild:

Das entspricht Gesamtjahreskosten von 7,736 Mio Euro.

Tierarztkosten

Dr. Schlager ermittelt in ihrer Untersuchung durchschnittliche Tierarztkosten pro Tier und Jahr von € 106,93. Auffallend dabei sind allerdings die großen Abweichungen je Tierheim. Es gab mindestens ein Tierheim das angab, dass überhaupt keine Tierarztkosten auftreten würden, die maximalen Tierarztkosten in einem anderen Tierheim betrugen € 931 pro Tier.

Auf alle in der Untersuchung erfassten Tiere extrapoliert ergibt das Gesamtjahreskosten von 2,1 Mio Euro

Personalkosten

Dr. Schlager konnte ermitteln, dass etwa 73,2% des Personals in Tierheimen Tierpflegeaufgaben übernimmt. Im Durchschnitt hatte jedeR PflegerIn 45,29 Tiere zu betreuen.

Auf alle in der Untersuchung erfassten Tiere extrapoliert ergibt das etwa Gesamtjahreskosten von 13 Mio Euro.

Gesamtkostenabschätzung

In einer groben Abschätzung ergeben sich für alle in der Untersuchung erfassten Tiere auf folgende Gesamtjahreskosten:

Gebäuderhaltungs- und Betriebskosten, ca.
€ 2.000.000
Tiererhaltungskosten
€ 7.736.000
Tierarztkosten
€ 2.100.000
Personalkosten
€ 13.000.000
Gesamt
€ 24.836.000

 

Beurteilung der finanziellen Situation der Tierheime

Bei Interpretation dieser Zahlen muss beachtet werden, dass 61,5% der offiziellen Tierheime, 83,3% der Tierasyle und 82,4% der Gnadenhöfe auf Eigenmittel zurückgreifen mussten. Das heißt, dass die BetreiberInnen nebenbei Geld verdienen und mit diesem zusätzlich den Betrieb des Tierheims finanzieren. Gerade unter jenen mit Eigenmitteln finanzierten Tierheimen sind auch viele, die die eigene Situation als „gut“ oder „ausreichend“ eingestuft haben. Zitat Schlager: "Teilweise beurteilen Betreiber ihre Situation mit gut, obwohl ihre Eigenmittel die Haupteinnahmequelle darstellen. Bedenklich ist, dass mehr als die Hälfte der Tierheime und über 80% der Tierasyle und Gnadenhöfe auf Eigenmittel, also durch persönliches Einkommen oder Rente, finanziert werden müssen."

Ebenfalls berücksichtigt werden muss, dass unverhältnismäßig mehr Tiere von Institution betreut werden, die in der Untersuchung von Schlager in die Kategorie „[offizielles] Tierheim“ eingeordnet wurden. Das verdeutlicht die real noch dramatischere chronische Geldnot von Tierheimen.

Bezogen auf die Tierzahlen ergibt sich folgendes Bild:
Wieviel Prozent der Tiere in Tierheimen sind in welcher finanziellen Situation untergebracht?

Nur 5,9% der im Tierheim-Tiere befinden sich in Tierheimen deren finanzielle Situation von den BetreiberInnen als "gut" eingestuft wurde.

Zitat Schlager:
"Die Betreiber stehen unter enormen Druck, die laufenden Kosten aufzubringen. Die Abgabebeträge decken in den meisten Fällen die Erhaltungskosten nicht ab, in keinem Fall sind die Tierarztkosten gedeckt."

 

Abgabebeträge

Die Abgabebeträge für Hunde und Katzen variieren zwischen den einzelnen Institutionen sehr stark. Bei Hunden lag die Variation von einer gratis Abgabe bis zu € 250 pro abgegebenem Hund. Durchschnittlich waren es für einen Hund € 51,97.

Bei Katzen lag die Variation zwischen € 0 und € 110. Durchschnittlich waren es für eine Katze € 17,53.

 

Auftretende Problematiken

Die TierheimbetreiberInnen wurden nach dem jeweils von ihnen am größten empfundenen Problem gefragt. 46,3% gaben die schlechte finanzielle Situation als größtes Problem an, 27,6% gaben organisatorische Probleme, wie Personalmangel und das finden eines Nachfolgers als größtes Problem an und 14,2% nannten die Probleme mit Nachbarn und Behörden als dringlichstes Problem.

 

Streuner

Die Anzahl verwilderter Katzen werden in der Arbeit von Schlager in Österreich auf mindestens 300.000 geschätzt.

 


Markt ums Heimtier - KMU Forschung Austria 2004

Heimtierpopulation

In einer Pressemitteilung des "Allgemeinen Gremiums des Handels der Wirtschaftskammer Wien" von 2004 (http://www.kmuforschung.ac.at/de/Presse/2004/Zoofachhandel.pdf), präsentierte diese Zahlen zur Heimtierpopulation.

Zitat KMU Forschung Austria: "Neben den insgesamt mehr als 1,3 Mio Katzen gibt es in Österreich mehr als 525.000 Hunde, 480.000 Kleinsäuger (z.B. Meerschweinchen, Kaninchen etc.) und 300.000 Ziervögel. Über 146.000 Aquarien und etwa 108.000 Reptilien vervollständigen die heimische Heimtierpopulation."

Nettoumsatz tieraffiner Produkte

Zitat KMU Forschung Austria:
"Im Jahr 2003 belief sich die Nachfrage nach tieraffinen Produkten und Heimtieren im Einzelhandel (nicht berücksichtigt sind hierbei Umsätze z.B. von ZüchterInnen, TiermedizinerInnen, Hundeschulen, die Hundesteuer, etc.) auf rd. € 408 Mio (Nettoumsatz)."

 


Faktor Hund - KOTRSCHAL, BROMUNDT, FÖGER 2004

Hundebestand

Im Buch "Faktor Hund - Eine sozio-ökonomische Bestandsaufnahme der Hundehaltung in Österreich", Czernin Verlag 2004, sprechen die AutorInnen von 589.000 Hunden in Österreich. Am stärksten trägt dabei das Land Niederösterreich mit 170.000 Hunden zur Gesamtanzahl bei.

Die Abschätzung der tatsächlichen Hundezahl sei allerdings sehr schwierig, da es eine große Zahl an nicht gemeldeten Hunden gäbe. Für Wien gelte beispielsweise, dass eine Umfrage des IEMT im Jahr 2003 ergeben habe, dass insgesamt 140.000 Hunde in der Hauptstadt leben. Für die Ermittlung der Hundezahl gingen die AutorInnen allerdings von 86.000 Hunden in Wien aus, wobei sie sich bei dieser Zahl auf eine Schätzung des Veterinäramt Wien berufen.

Die Gesamt-Einnahmen aus der Hundesteuer werden von den AutorInnen mit € 15,906 Mio geschätzt. Die durchschnittliche Höhe der Hundesteuer sei in den einzelnen Bundesländern extrem unterschiedlich, von € 16,93 für den ersten Hund in Kärnten bis zu € 110,18 für den dritten Hund in Tirol.

Umsatz bei Hundeernährung

Zitat "Faktor Hund":
"Der Umsatz an vorgefertigter Hundenahrung erreichte im Jahr 2003 ca. 250 Mio Euro"

Tierheime

Zitat "Faktor Hund"
"In Österreich gibt es rund 100 Tierschutzhäuser, -einrichtungen und -vereine, deren kostenintensivste Sparte die Betreuung und Haltung von Hunden ist. Geschätzte 10.000 Hunde durchlaufen pro Jahr die Betreuung durch ein Tierschutzhaus. "

 


Verbrauchsausgaben 04/05 - Statistik Austria 2006

Haushaltsausgaben für Heimtiere

Laut der Konsumerhebung 2004/05 der Statistik Austria weisen etwa 1,246 Mio österreichischer Haushalte Ausgaben für Heimtiere auf. Im Durchschnitt werden € 40,70 pro Haushalt pro Monat für Heimtiere ausgegeben, wobei die Tiernahrung mit € 31,50 den größten Teil davon ausmacht. Nicht in diese Ausgaben einbezogen sind Aufwendungen für Dienstleistungen (Tierarztbesuch, Hundeausbildung, etc.) für Heimtiere.

Hochgerechnet geben die ÖsterreicherInnen (exkl. Dienstleistungen für Heimtiere, aber inkl. der Anschaffung von Heimtieren) im Jahr etwa 610 Mio Euro für Heimtiere aus.