Verein gegen Tierfabriken
Verein gegen Tierfabriken
Wien, 28.01.2026
Der VGT Lachs-Tierschutzbericht
Der VGT Lachs-Tierschutzbericht "Tierleid im Lachsfleisch" handelt vom Geschäft mit dem Fleisch von Lachsen in Österreich aus der Perspektive des Tierschutzes. Die Produktion und der Handel mit aus Lachsfleisch hergestellten Nahrungsmitteln für Menschen und die damit in Zusammenhang stehenden tierquälerischen Praktiken beim Umgang mit den Fischen sind das zentrale Thema. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Thema Lachsfleischprodukte und Konsumverhalten.
Das Ziel des Berichts ist, über die Praktiken bei der industriellen Lachsfischerei und der kommerziellen Lachszucht zu informieren und das dabei verursachte Leiden der Lachse sichtbar zu machen.
Lachse sind empfindungsfähige Lebewesen.
Sie spüren Schmerzen und leiden, wenn ihnen Schmerzen, Stress und Angst zugefügt werden.
Kommerzielle Lachszucht ist Tierquälerei
Aus Sicht des VGT ist die kommerzielle Lachszucht tierquälerische Intensiv- oder Massenhaltung. Die Tierschutzprobleme bei der kommerziellen Lachszucht sind vielfältig:
Lachsfischerei ist Tierquälerei
Für den VGT sind alle üblichen Fangmethoden, mit denen Wildlachse aus den Meeren gefischt werden, tierquälerisch und verursachen Leid bei den betroffenen Fischen. Lachse werden hauptsächlich mit Kiemennetzen, Umschließungsnetzen sowie Haken und Langleinen aus dem Meer gefischt. Lachse leiden bei der kommerziellen Meeresfischerei während des gesamten Prozesses des Fischens auf unterschiedliche Weise. Zuerst beim Fang durch die Fangmethoden und Fanggeräte, dann beim anschließenden Anlanden – wenn die Fische aus dem Wasser gezogen und an Bord der Fischerboote befördert werden – und schließlich auch beim Sterben.
Lachsprodukte im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel
Für den vorliegenden Bericht wurden Lachsprodukte bei Billa und Billa plus, Spar, Hofer und Lidl recherchiert. 135 unterschiedliche Lachsprodukte wurden bei der Produktrecherche gefunden. 97 Lachsprodukte enthielten das Fleisch von Zuchtlachsen aus Lachsfarmen. 38 Lachsprodukte enthielten das Fleisch von Wildlachsen aus dem Meer.
Lachsfleisch wird geräuchert oder gebeizt, tiefgekühlt, frisch bzw. roh und in der Dose im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel angeboten. Während der Recherche wurden 15 Produkte gefunden, die als Bio-Lachs gekennzeichnet waren. In Österreich wird vorwiegend das Fleisch von Atlantischem Lachs (Salmo salar) konsumiert. Bei der Produktrecherche hat sich gezeigt, dass Ursprungsland und Herstellungsland bei Lachsprodukten meistens unterschiedlich sind.
Der in Österreich konsumierte und verarbeitete Lachs wird zu 100 Prozent aus anderen Ländern importiert. Die Hauptexportländer sind Norwegen, Deutschland, Polen, Niederlande, Dänemark, Litauen und Irland. Außerhalb von Europa sind es China, die USA und Chile.
In Österreich gibt es vier unterschiedliche Gütesiegel für Lachsprodukte, die im Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden. Es handelt sich um das EU-Bio-Zertifikat für Aquakultur mit dem dazugehörigen EU-Bio-Logo, das GGN-Gütesiegel für Zuchtlachse in Lachsfarmen, das ASC-Gütesiegel für Zuchtlachse in Lachsfarmen sowie das MSC-Gütesiegel für Fischereiunternehmen, die Wildlachse nachhaltig fangen.
Von den insgesamt 135 unterschiedlichen Lachsprodukten, die bei der VGT-Recherche erfasst worden sind, sind 118 Produkte mit jeweils einem der vier erwähnten Gütesiegel zertifiziert.
VGT-Tierschutzkriterien für Zuchtlachse
Für die Beurteilung der drei Gütesiegel für Zuchtlachse wurden die „VGT-Tierwohlkriterien für Zuchtlachse“ erarbeitet. Es handelt sich um Prinzipien, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und die für den VGT die notwendige Voraussetzung für "tierschutzgerechte" Lachszucht sind.
Die Kriterien sind:
Keines der vier Gütesiegel für Lachsprodukte in Österreich entspricht den VGT-Tierwohlkriterien.
Negative Auswirkungen der Lachsindustrie
Die Lachsindustrie hat einige negative Auswirkungen. Beispielsweise können Zuchtlachse Krankheiten und Parasiten auf Wildlachse übertragen. Wenn sich aus Lachsfarmen entkommene Zuchtlachse und Wildlachse paaren, kann es zu einer genetischen Schwächung der Wildlachse kommen.
Die kommerzielle Lachszucht in Netzkäfigen produziert gefährlichen Abfall. Die Fäkalien der lebenden Zuchtlachse, Futterreste, giftige Rückstände und während der Zucht verstorbene Zuchtlachse sinken auf den Meeresboden. Dort verfault die Masse und verschlechtert die Wasserqualität. Der Einsatz von chemischen Mitteln ist üblich.
Das vermutlich größte durch die kommerzielle Lachsfischerei verursachte Problem ist der sogenannte "Beifang". Dazu zählen andere Fische, Delfine, Wale, Robben, Meeresschildkröten, Haie, Rochen und Seevögel. Diese Tiere werden verletzt, sterbend oder tot nach dem Fang wieder ins Meer zurückgeworfen. Sie erleiden ähnliche Qualen wie die Fische, nach denen gefischt wurde.
Der CO₂-Fußabdruck von Zuchtlachs liegt zwischen 2,5 kg bis zu mehr als 6,5 kg CO₂-Äquivalente pro 1 kg Lachsfleisch (siehe VGT Lachs-Bericht, Seite 37).
Überlegungen zum Konsum von Lachsfleisch
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist der Konsum von Lachsfleisch nicht notwendig. Die Nährstoffe im Lachsfleisch sind auch in anderen Nahrungsmitteln enthalten. Die aktuellen Ernährungsempfehlungen für Österreich sehen den Konsum von Lachsfleisch nicht notwendigerweise vor.
Lachsfleisch kann Chemikalien wie beispielsweise Ethoxyquin, Dioxine und dioxinähnliche Verbindungen enthalten.
Für Konsument:innen, die Wild- oder Zuchtlachs nicht mehr essen wollen, aber auf den Geschmack von Meer und Lachs nicht verzichten wollen, können vegane Lachsersatzprodukte eine kulinarische Alternative sein.
Der VGT empfiehlt, vor dem Kauf von Lachsfleisch ausführliche Informationen über die Herstellung des Produktes einzuholen.