Wien, 22.10.2026
Internationale Entwicklungen zeigen : Wien darf nicht zum Schlusslicht im Pferdeschutz werden
Heute übergab eine Delegation des VGT dem Wiener Tierschutzstadtradtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) insgesamt 90.244 Stimmen, die Hitzefrei für Wiens Fiakerpferde fordern. Allein in diesem Extrem-Hitzesommer wurde die Petition 30.000 Mal unterschrieben.
Schon im Jahr 2021 wollte Stadtrat Czernohorszky Wiens Fiakerpferden Hitzefrei ab 30 Grad geben. Statt des Verbots wurde von Bund und Stadt Wien eine Studie in Auftrag gegeben, die insgesamt 217.000 Euro kostet. Bei dieser Studie werden allerdings nur 8 Pferde eines einzigen Betriebs untersucht, 4 weitere Pferde sind während der Erhebungen aus der Studie ausgeschieden(1). Laut einer Presseaussendung der Stadt Wien begannen die Messungen ab 11. August 2025. Mitte Juni 2026 endeten die Messungen bereits wieder (1). Danach gab es im Sommer 2026 noch über 40 Tage, an denen es über 30 Grad erreichte, an 17 davon sogar über 35. Diese extreme Hitzewelle ist also in der Studie nicht abgebildet. Nach Erscheinen der Studie Ende 2026 will die Stadt weitere Schritte prüfen. Schon jetzt ist allerdings klar: Die jetzigen Bedingungen sind für die Tiere nicht mehr tragbar. Laut einer Studie aus Kanada, die bereits 2010 veröffentlicht wurde, überhitzen Pferde bis zu zehnmal schneller als Menschen und sind deutlich anfälliger für die negativen Auswirkungen von Hitzestress.(2)
Momentan sind Betriebszeiten zwischen 10:00 bis 23:00 möglich, die durch bestellte Fahrten sogar noch ausgeweitet werden können. Die derzeitige Hitzefrei-Regel tritt erst in Kraft, wenn 35 Grad bereits überschritten werden, danach droht den Pferden noch eine lange Heimfahrt durch die größte Hitze. Gemessen wird allerdings in 2 Metern Höhe im Schatten, und nicht direkt am Standplatz, während die Pferde am Asphalt in der Sonne stehen, der sich auf bis zu 50 Grad aufheizt, wie der VGT nun schon seit vielen Jahren aufzeigt.
In einer repräsentativen Umfrage sprachen sich 76 Prozent der Befragten für ein Hitzefrei für Fiakerpferde aus. International gibt es momentan viel Bewegung: Heute, am 22. Oktober, stimmt der Stadtrat von New York City über ein vollständiges Verbot von Pferdekutschen ab, eine Mehrheit und die Zustimmung des Bürgermeisters Mamdani sind bereits fix. In Belgien wurde der vollständige Umstieg zu E-Fiakern beschlossen, In Rom gibt es strengere Hitze-Regeln und allen verbleibenden Kutscher:innen wird der Umstieg auf Taxis angeboten.
VGT-Fiaker-Campaigner Georg Prinz war bei der Übergabe der Petition dabei: „Heute haben wir dem zuständigen Stadtrat ein starkes Zeichen für Tierschutz überreicht. Dieses muss auf jeden Fall in die zukünftige Entscheidung, wie es in Wien mit den Fiakern weitergeht, einfließen. Die Beispiele aus New York, Brüssel und Rom zeigen: So wie Wien momentan mit seinen Pferden umgeht, kann es nicht weitergehen!“
Bei der Übergabe wurde dem VGT die Teilnahme an einem Runden Tisch mit allen an der Studie beteiligten Dienststellen sowie den Autor:innen zugesagt. Dieser soll Anfang nächsten Jahres stattfinden.
Pressefotos (Copyright: VGT.at)
(1) vgl. Beauskunftung eines Informationsbegehrens auf FragdenStaat.at
(2) Lindinger, Michael: "When the Rider is Hot, the Horse is Hotter". University of Guelph, 2010 [22.10.2026]