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Rinder-Versteigerungen und Tiertransporte

Österreich, 31.03.2026

VGT-Aufdeckung zeigt groben Umgang auf Verkaufsveranstaltungen und Zusammenhang mit Hochrisiko-Exporten in Drittländer

Fast wöchentlich finden in Österreich Versteigerungen von lebenden Rindern statt. An 13 Standorten in allen Bundesländern, außer dem Burgenland und Wien, werden solche Verkaufsveranstaltungen von verschiedenen Rinderzuchtverbänden ausgetragen. Milchbetriebe verkaufen dort Kälber und ausgewachsene Rinder. Für diese ist ihre unfreiwillige Teilnahme an Versteigerungen oft mit enormem Stress verbunden. Die ungewohnte Umgebung, ein hoher Lärmpegel, das Zusammentreffen mit vielen unbekannten Tieren und Menschen sowie der teils grobe oder gar brutale Umgang von beteiligten Personen mit den Rindern können schnell zu Reizüberflutung und Tierleid führen.

Nach der Versteigerung folgt für viele ein weiteres Martyrium: Vor allem aus Versteigerungshallen in Nieder- und Oberösterreich werden schwangere Kalbinnen in sogenannte "Tierschutz-Hochrisikostaaten" außerhalb der EU exportiert. Kalbinnen sind weibliche Rinder, die noch nie ein Kalb geboren haben. Sie werden schwanger transportiert, damit möglichst bald nach ihrer Ankunft ihr Kalb zur Welt kommt. Auf tage- bis wochenlangen Tiertransporten per LKW und Schiff werden sie in Länder wie Algerien, Aserbaidschan oder die Türkei verfrachtet. Praktiken wie die Schlachtung ohne Betäubung sind in diesen Staaten üblich. Diese ist mit erheblichen Schmerzen und Leiden verbunden. Auch die Anforderungen an die Haltung und den Transport von Tieren liegen weit unter dem europäischen Standard1,2.

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Ablauf der Versteigerungen

Anlieferung

Vor der Veranstaltung werden die Rinder in PKW-Anhängern von ihren Ursprungsbetrieben angeliefert und ausgeladen. Viele der Tiere stammen von Milchbetrieben. Anschließend werden sie in einen Stall gebracht und mit einer Nummer versehen. Dort werden sie an einem ihnen zugewiesenen Stand häufig mit Ketten angebunden. Die Anlieferung erfolgt zum Teil schon am Tag vor der Versteigerung.

Versteigerung

Am Anfang werden meist Kälber versteigert, dann Stiere und zum Schluss weibliche Rinder, die den zahlenmäßig größten Teil ausmachen. Die Tiere werden in einem Ring vorgeführt, um sie potenziellen Käufer:innen zu präsentieren. Meist sind das Handels- bzw. Exportfirmen, Milch- oder Mastbetriebe. Der Ausrufpreis wird über Lautsprecher durchgesagt und Interessent:innen bieten durch ein Signal mit dem Winker mit. Es folgen laufend Durchsagen des aktuellen Höchstgebotes. Sobald kein Angebot mehr erfolgt, wird der Kaufpreis und die Zuschlagsnummer durchgesagt und das nächste Rind vorgeführt.

Verladung auf Tiertransporter

Nach der Versteigerung werden manche Tiere gleich auf Tiertransporter verladen, manche bleiben noch eine Zeit lang im Stall der Versteigerungshalle, bis sie abgeholt werden. Je nachdem, wie viele Tiere von einer Person oder Firma gekauft werden, erfolgt die Verladung entweder auf PKW-Anhänger mit Kapazität für wenige Tiere oder große Tiertransport-LKWs, die für Kurz- oder für Langstrecken zugelassen sind.

Tierschutz-Probleme

Versteigerungen sind in der Regel mit viel Stress für Rinder und Kälber verbunden. Sie werden aus ihrer gewohnten Routine und Umgebung herausgerissen und in mehr oder weniger engen Transport-Anhängern zur Versteigerungshalle gebracht, teilweise über weite Strecken. Das Zusammentreffen mit vielen fremden Tieren und Menschen, ein hoher Lärmpegel, das lange Anstehen und die anschließende Präsentation im Ring können zur Reizüberflutung führen und eine hohe Belastung für die sensiblen Lebewesen darstellen.

Gewalt

Einige Personen gehen bei der Präsentation der Rinder sehr grob mit den Tieren um. Auf den veröffentlichten Aufnahmen sind illegale Praktiken wie Schlagen mit einem Stock oder Schwanzverdrehen, was zu erheblichen Schmerzen führen kann, zu sehen. Stiere werden üblicherweise an einem Nasenring durch den Ring gezogen.

Belastung für junge Kälber

Auch junge Kälber werden auf Versteigerungen verkauft. Diese wehren sich oft besonders vehement gegen die Vorführung im Ring. Auf manchen Versteigerungen müssen Kälber teils stundenlang angebunden ohne Zugang zu Wasser und Futter auf ihre Verladung warten. Einige sind dabei so kurz angebunden, dass sie sich entweder gar nicht oder nur mit erhobenem und ausgestrecktem Kopf hinlegen können.

Tiere als Ware

Rinder werden gezielt auf bestimmte Eigenschaften gezüchtet, allen voran enorm hohe Milchleistung bei Kühen. Das Hauptziel der Zucht ist Profitmaximierung. Im Marktbericht einer Versteigerung vom Februar ist zu lesen, dass „robotertaugliche Kühe“ sehr gefragt waren3. Gemeint sind Kühe, die mit einem Melkroboter gemolken werden können.

„Milchkühe“ werden in verschiedene Leistungsklassen unterteilt, die von der erwarteten durchschnittlichen Milchleistung pro Tag abhängen: Bei Fleckvieh-Kühen der Leistungsklasse 1a (in Niederösterreich) hat der Verkäufer zum Beispiel zu garantieren, dass die Kuh durchschnittlich mindestens 25 kg Milch täglich produziert. Bei solchen der Leistungsklassen 3b sind es hingegen 15 kg. Dazwischen gibt es Abstufungen. Die Kategorisierungen verschiedener Rinderzuchtverbände weichen zum Teil voneinander ab. 

Darüber hinaus werden weibliche Rinder nach Schwangerschaftsstadium bzw. nach Zeitpunkt der letzten „Abkalbung“ kategorisiert.

Kälber werden nach ihrem Nutzungszweck in „Nutz-“ und „Zuchtkälber“ unterteilt. „Nutzkälber“ werden gemästet und weibliche „Zuchtkälber“ werden später zur „Milchkuh“. Anhand der angebotenen Preise merkt man deutlich, wie unterschiedlich sie bewertet werden. Während der Zuschlagspreis für „Nutzkälber“ oft im einstelligen Bereich liegt, werden „Zuchtkälber“ um hunderte Euro verkauft.

Hochrisiko-Exporte in Drittstaaten

Viele der Rinder werden in Drittländer mit niedrigem Tierschutzniveau verkauft. Betroffen sind vor allem schwangere „Kalbinnen“, also weibliche Rinder, die noch nie ein Kalb zur Welt gebracht haben. Die Top-Exportländer außerhalb Europas der letzten Jahre sind Algerien, Aserbaidschan und die Türkei. Seit dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit im September 2024 hat Algerien die Türkei als größten Importeur abgelöst4. Zahlreiche Expert:innen aus der Veterinärmedizin haben 2025 einen wissenschaftlichen Aufsatz veröffentlicht5, der darlegt, warum Tiertransporte in die Türkei und andere Tierschutz-Hochrisikostaaten nicht genehmigungsfähig und damit illegal sind. Einer der Hauptkritikpunkte ist die Schlachtung ohne Betäubung, die zu erheblichen Schmerzen und Leiden bei den betroffenen Tieren führt. Auch niedrige Tierschutz-Standards bei der Haltung und dem Weitertransport im Drittland werden angeprangert.

Schiffstransporte

Der Export nach Algerien erfolgt per LKW und Schiff. Welch enorme Risiken insbesondere Tiertransporte per Schiff mit sich bringen können, wurde zuletzt im Herbst publik, als unzählige Kalbinnen aus Uruguay und deren neugeborene Kälber auf dem Tiertransportschiff Spiridon II wochenlang leiden mussten und zum Teil qualvoll zu Tode gekommen sind. Sie hätten eigentlich in die Türkei exportiert werden sollen, konnten aber am Zielhafen nicht abgeladen werden. Die Firma Klinger aus dem Waldviertel soll für diese Tragödie verantwortlich sein6.

Auch auf Versteigerungen in Österreich, vorwiegend in Nieder- und Oberösterreich, ist Klinger sehr präsent und kauft einen erheblichen Teil der schwangeren Kalbinnen, um sie unter anderem in Drittländer zu exportieren, wo kaum Tierschutz-Standards herrschen. Obwohl heimischen Milchbetrieben bekannt ist, wer die Käufer:innen sind und wohin sie die Kalbinnen verkaufen, gibt es auf Versteigerungen kaum Rinderzüchter:innen, die Exportankäufe ausschlagen. 

Der VGT veranstaltet am Mittwoch, 01.04.2026 von 9:00 bis 11:00 eine Demonstration gegen Drittlandexporte vor der Berglandhalle, wo gleichzeitig eine Versteigerung stattfinden wird.

„Die Szenen, die sich auf solchen Versteigerungen zum Teil abspielen, sind für empathische Menschen nur schwer zu ertragen. In einer Versteigerungshalle hängt sogar der Kopf und die Haut einer Kuh an der Wand. Dass ein ehemals fühlendes Lebewesen auf diese Weise präsentiert wird, während im Ring seine Artgenoss:innen herumgezerrt werden, zeugt von enormer Respektlosigkeit gegenüber Tieren.“

"Grober Umgang mit Rindern auf Versteigerungen"

Zur Presseaussendung zur Aufdeckung

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