Verein gegen Tierfabriken
Verein gegen Tierfabriken
Sorgt dein Vintage-Pelzmantel dafür, dass Tierqual wieder tragbar wird?
Pelz ist out, auch wenn er aus dem Second-Hand-Laden kommt. In den letzten Monaten hat Pelz es geschafft, vor allem bei jungen Menschen wieder in Mode zu kommen – man sieht ihn wieder überall auf der Straße. Nicht nur als Kragen und Bommel, wie es in den letzten Jahren noch üblich war, sondern auch als vollen Pelzmantel. Ein Anblick, der zuvor zurecht schon sehr selten geworden war.
Der Grund dafür ist der Trend zum Second-Hand-Kleidungsstück. Beim Tragen sieht man allerdings nicht, ob es sich um einen Vintage-Mantel oder einen neu gekauften handelt. Second-Hand ist grundsätzlich eine tolle Sache, aber Second-Hand-Pelz führt einzig und allein dazu, dass man wieder überall auf den Straßen Pelzmäntel sieht und diese extreme Tierqual damit normalisiert wird.
Man kann den Pelz vielleicht recyclen, aber nicht das Leben, das Pelztiere bei der Erzeugung verloren haben. Sie hatten nur dieses eine Fell. Bitte trag es nicht.
Pelzfarmen sind wohl der grausamste Verrat an Tieren, den der Mensch jemals hervorgebracht hat. Millionenfach werden Tiere in winzigen strukturlosen Käfigen zusammengepfercht, wo sie monatelang dahinvegetieren und auf ihren grausamen Tod warten. Die Pelzindustrie verwendet Drahtgitterkäfige, bei denen der Kot unten durch fällt. Die Tiere zerschneiden sich ihre empfindlichen Pfoten daran, außerdem sind die Käfige völlig strukturlos und etwa zehn bis zwanzig Millionen Mal kleiner als das natürliche Revier der Tiere.
Die Tiere, die am häufigsten in Pelzfarmen eingesperrt werden, sind Nerze, Füchse und Marderhunde. Alle haben sie gemeinsam, dass sie in Freiheit als Einzelgänger:in oder in kleinen Gruppen leben. In Pelzfarmen sind sie dazu verdammt, in der Nähe einer großen Zahl von Artgenoss:innen zu leben, was zu furchtbarem Stress führt. Deswegen verstümmeln sich die Tiere selbst oder gegenseitig. Die Tötung der Tiere erfolgt durch Ersticken durch Gas oder Genickbruch, bei Füchsen mittels Stromschlag zwischen Afteröffnung und Zunge. Ein Teil der Pelze stammt außerdem aus dem Fallenfang. Dafür werden die Tiere mit Tellereisen oder Abzugeisen gefangen, die so rasch zuschnappen, dass sie nicht entkommen können, aber leicht genug, damit der Pelz nicht beschädigt wird. Den Tieren werden dabei z.B. Beine gebrochen oder sie werden in furchtbarer Lage festgehalten, bis die Fallensteller:innen nach einigen Tagen wieder vorbeikommen. Auch grausame Schlingenfallen, die sich immer enger zuschnüren, sind außerhalb der EU noch erlaubt. 90 % der so gefangenen Tiere gehören gar nicht der Tierart an, die eigentlich gefangen werden sollte.
Wir gehen regelmäßig auf die Straße und machen auf die Missstände in der Pelzindustrie aufmerksam. Es schmerzt uns daher zu sehen, dass Pelzmäntel derzeit ein Comeback feiern, denn wir sehen kein Kleidungsstück, wir sehen das Leid, das dahinter steckt. Pelz darf nicht wieder in Mode kommen. Wenn du noch einen Pelzmantel zu Hause hast, trag ihn bitte nicht weiter auf der Straße. Du kannst bewusst mit ihm umgehen. Mach ihn zum Mahnmal. Beschrifte ihn. Nutze ihn für Aufklärung. Oder beende seine Geschichte konsequent. Bitte leg den Pelz ab und sorge nicht mit deiner Vintage-Kleidung dafür, dass Pelz wieder tragbar wird. Pelz ist nur an Tieren schön.
Der VGT kämpft seit vielen Jahrzehnten gegen Pelz. Unsere intensive Kampagnenarbeit hat es ermöglicht, dass Österreich 1998 das weltweit erste Land ohne Pelzfarmen war. Mit der Einführung des Bundestierschutzgesetzes folgte 2005 auch endgültig ein Verbot. Die abgewanderten Pelzfarmen stehen in ihren neuen Heimatländern regelmäßig erneut vor Verboten, da sich auch andere Länder vermehrt gegen Pelzfarmen entscheiden. Dank unserer internationalen Vernetzung können wir unser Wissen und unsere Strategien mit Tierschutzorganisationen aus anderen Ländern teilen. In Europa gibt es inzwischen 24 Länder mit Pelzfarmverboten oder Auflagen, die die kommerzielle Pelztierhaltung unwirtschaftlich machen. Mit der überaus erfolgreichen Europäischen Bürger:innen-Initiative „Fur Free Europe“, die auch der VGT unterstützt hat, fordert die EU-Bevölkerung ein endgültiges Ende der grausamen Pelzproduktion sowie ein Importverbot des Tierqualproduktes. Denn sobald alle EU-Länder frei von Pelzfarmen sind, wird es auch möglich, die Einfuhr in die EU zu verbieten. Nimm auch du den Pelz aus dem Kleiderschrank und verbanne ihn in die Geschichtsbücher.