VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
Verfasst von DDr. Martin Balluch.
Helmut Kaplan studierte nach seiner Dissertation in Psychologie noch Philosophie an der Uni Salzburg und schrieb eine Diplomarbeit, die sich mit Peter Singer und dessen Gleichheitsprinzip beschäftigte und 1988 als Buch erschien. Er nannte es „Philosophie des Vegetarismus“. 1991 wurde derselbe Inhalt unter dem Titel „Sind wir Kannibalen? – Fleischessen im Lichte des Gleichheitsprinzips“ veröffentlicht. Ein Buch, das bis heute allen an Tierrechten interessierten Personen ans Herz gelegt werden kann. Das erste Tierrechtsbuch, das in Österreich erschienen ist. Und zwar erstmals 1988!
Kaplan begann dann im Stakkato Tierrechtsbücher zu veröffentlichen. Kulmination war sein Standardwerk „Tierrechte – Die Philosophie einer Befreiungsbewegung“, das im Jahr 2000 im tierrechtlerischen Echo Verlag erschienen ist. Es fasst nüchtern rational alle wesentlichen Argumente (auf 160 Seiten!) zusammen und liefert dabei auch noch emotionale Anknüpfungspunkte, wie z.B. in einem Zitat von einem reuigen Jäger, der eine Rehmutter erschießt und dann mitansehen muss, dass das Kind dieser Mutter völlig verzweifelt an ihrem Leichnam steht und sie zum Aufstehen zu motivieren versucht.
Es folgte noch eine große Zahl weiterer Tierrechtsbücher, vermutlich insgesamt 30. Tierrechte und deren Philosophie waren Kaplans Lebenswerk. Dabei war er zwar zunächst ein Schüler von Peter Singer, emanzipierte sich aber bald von dessen Utilitarismus. Die grundsätzliche Gleichbehandlung gleicher Interessen, egal von welchem Lebewesen, übernahm er von Singer, wollte aber diese Interessen nichtmenschlicher Tiere durch Rechte abgesichert sehen, im Gegensatz zu Singer. Dennoch war Peter Singer von Kaplan so begeistert, dass er ihm eine Stelle als Universitätsassistent in Kalifornien, USA, beschaffte. Kaplans damalige Ehefrau war bereit, mit ihm dorthin zu ziehen. Doch letztlich wollte er Salzburg nicht verlassen – und tat das sein ganzes Leben lang nicht mehr. Aus Sicht der Tierrechtsbewegung ein Fehler. Aber sogar an der Uni Salzburg hätte er im Bereich der Philosophie beruflich andocken können. Wie wichtig wäre das gewesen, um damals bereits Tierrechte in der akademischen Welt zu etablieren. Doch auch dazu konnte er sich nicht durchringen.
In den 2000er Jahren war Kaplan DAS Sprachrohr der deutschsprachigen Tierrechtsbewegung. In unzähligen Talkshows und Podiumsdiskussionen trat er auf. Alle wollten von ihm, dass er den Standpunkt der Tierrechte vertritt. Und er tat das mit Bravour, mit seiner nüchtern rationalen und überzeugenden Art. Seine Bücher waren damals auch sehr populär, alle Tierrechtsaktiven hatten sie gelesen, viele waren wegen seiner Bücher aktiv geworden.
Doch da kam es zum ersten Bruch mit der Bewegung. Kaplan bestand darauf, Tierfabriken mit Konzentrationslagern des Nationalsozialismus zu vergleichen. Wer ihn kannte, wusste genau, dass er weder antisemitisch noch irgendwie rechtsradikal oder rechtskonservativ war. Er war ein links liberaler Freidenker. Aber er wollte mit diesem Vergleich das Drama der Tierausbeutung verdeutlichen und konnte rational nicht anerkennen, dass das eine fatale Wirkung hatte. Breite Kreise der Bewegung gingen auf Distanz, er bekam den Ruf „ein Rechter“ zu sein, was er, wie gesagt, in keinster Weise war.
Kaplan begann dann, sich mehr und mehr zurückzuziehen. Zuletzt trat er 2014 am Tierrechtskongress des VGT auf. Zwar schrieb er weiterhin Bücher, aber mit immer düstererem Inhalt. In seinem Buch von 2017 „Tierrechte – Das Ende einer Illusion?“ klang das schon an, obwohl er da offenbar noch Hoffnung hatte, das Ruder herumreißen zu können. Die Tierrechtsbewegung ging in seinen Augen in die falsche Richtung und werde immer irrelevanter. Es dürfe keine Reformen geben, man müsse alle Tiernutzung grundsätzlich ablehnen.
Schließlich, im Jahr 2022, kulminierte diese Sicht in seinem vermutlich letzten Buch „Die Tierrechtsidee und ihre Feinde“. Darin sah er praktisch alle Errungenschaften der Tierrechtsbewegung zerstört und kaum ein Licht am Ende des Tunnels. Prof. Rudolf Winkelmayer schlug ihm 2025 noch ein gemeinsames Buchprojekt vor, dem er freudig zustimmte. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Am 18. Mai 2026 starb Helmut F. Kaplan im 74. Lebensjahr. Der echte Pionier der österreichischen Tierrechtsbewegung ist von uns gegangen. Ruhe in Frieden.