Teilen:

Kinovorführung „Future Science – Das Ende der Tierversuche?“

Wien, 08.06.2026

Österreich-Premiere von "Future Science" am Sonntag, dem 7. Juni 2026, im Filmcasino in Wien Margareten.

Danach diskutierten der Regisseur Marc Pierschel, Ärzte gegen Tierversuche aus Deutschland, eine Forscherin zu Alternativen von der Medizinischen Universität Innsbruck und der VGT über den Film.

Etwa 150 Interessierte füllen den Saal, um sich den neuen Film „Future Science – Das Ende der Tierversuche?“ von Marc Pierschel anzusehen. In Tierschutzkreisen ist Pierschel spätestens seit seinen Filmen „The End of Meat“ und „Butenland“ (über einen Lebenshof in Deutschland) bekannt. Der neue Film beginnt mit Pierschels Beteiligung an einer Blockade eines Tierversuchslabors und führt dann rasch in sehr spannende Interviews mit zahlreichen Wissenschafter:innen, die an und mit NAMs (non-animal methods) in der biomedizinischen Forschung arbeiten.

Pierschel will mit seinem Film eine rationale, wissenschaftsbasierte Debatte über den notwendigen Ausstieg aus Tierversuchen auslösen, die nur implizit von Tierleid und ethischen Überlegungen handelt. Deshalb kommt der Film praktisch gänzlich ohne grausliche Aufnahmen von Tierversuchen aus, wobei betont werden muss, dass es aktuelle Aufnahmen dieser Art fast überhaupt nicht gibt. Zu gut hat sich die Tierversuchsindustrie eingeigelt, zu sehr sind die Labors wie Hochsicherheitsgefängnisse abgesperrt. Das kommt auch im Film zum Ausdruck, als Pierschel zu sehen ist, wie er zu einem Tierversuchslabor geht und sofort von der Polizei abgefangen und befragt wird, was er da – auf offener Straße – eigentlich tue. Das Tierversuchslabor, so hört man die Polizei sagen, sei ein gefährdetes Objekt, das man auch von außen nicht filmen dürfe. Die Frage bleibt offen, was genau die Gefahr wäre? Eine Demonstration? Ein terroristischer Anschlag gegen das Tierversuchslabor wird es wohl nicht sein, zumal Derartiges noch nie in Deutschland stattgefunden hat. Entsprechend dieser Taktik von Abriegelung und Intransparenz war auch niemand aus der Tierversuchsindustrie bereit, sich für den Film einem Interview zu stellen. Und selbst einige Forscher:innen an NAMs, die in Labors arbeiten, die auch Tierversuche machen, mussten dann auf Intervention ihrer Chefetage und der PR-Abteilung ihr Interview absagen.

Im Anschluss an die Filmvorführung fand eine Diskussion des Regisseurs Marc Pierschel mit Dr. Melanie Seiler, Primatologin und Geschäftsführerin von „Ärzte gegen Tierversuche“, einer NAMs Forscherin der Med. Uni Innsbruck, der VGT-Obperson DDr. Martin Balluch und dem Publikum statt. Dabei kam deutlich heraus, dass wir vor einem Paradigmenwechsel in der Forschung stehen. Die non-animal Methoden sind eine Idee, deren Zeit gekommen ist, wie NAM-Forscher Thomas Hartung im Film betont. Die Forschungslandschaft in diesem Bereich ist breit gefächert, es gibt rasante Entwicklungen auf allen Ebenen. Spätestens seit 2006 der Durchbruch gelang, aus simplen Haut- oder Blutzellen des Menschen Stammzellen zu gewinnen. Die wesentliche offene Frage scheint nur mehr zu sein, wie diese Methoden auch jene Forscher:innen erreichen, die ihr Leben lang mit Tierversuchen gearbeitet haben. Da ist die größte Hoffnung der altersbedingte Generationenwechsel an der Spitze der vielen Forschungsgruppen.

Martin Balluch stellte in der Diskussion auch den Bezug zu Österreich her. Hierzulande steht laut Regierungsprogramm eine Reform des Tierversuchsgesetzes an. Und da gibt es viele Baustellen, wie z.B.

  • dass es keine ethische Schaden-Nutzen-Abwägung gibt, sondern jeder Tierversuch, der wissenschaftlich Sinn macht, auch genehmigt wird, auch jene, die nur der Effizienzsteigerung der Tierfabriken dienen,

  • dass es keine Strafbestimmungen für Tierquälerei im Tierversuchlabor abseits der Tierversuche gibt. So wurde z.B. eine Tierpflegerin freigesprochen, die 100 Mäuse verhungern hatte lassen, und

  • dass es keine Kontrolle und Einflussmöglichkeit der Tierschutzombudspersonen gibt, weil Tierversuche vom Tierschutzgesetz ausgenommen sind. Anfragen des VGT nach dem Informationsfreiheitsgesetz haben ergeben, dass praktisch nie Anzeigen nach dem Tierversuchsgesetz erstattet werden. Die Kontrollen versagen also offensichtlich total.