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Viel Tierleid im Fischstäbchen

Fischstäbchen enthalten das Fleisch vom Pazifischen Polardorsch. Beim Fang haben die Fische gelitten.

Der Fisch im Fischstäbchen ist nicht erkennbar. Keine toten Fischaugen starren die Fischstäbchenesser:innen an, kein lebloser Fischkörper liegt am Teller, keine lästigen Gräten stecken im Fischfleisch. Vermutlich begeistern sich genau deshalb viele Kinder und Erwachsene für die panierten Fischfleischstücke. Aus der Sicht des Tierschutzes sind Fischstäbchen ein Nahrungsmittel, in dem viel Tierleid steckt.

Im September 1955 wurden in England die ersten Fischstäbchen verkauft. In Österreich kamen sie in den frühen 1960er Jahren auf den Markt1. Hierzulande gehören Fischstäbchen und der Name "Iglo" für viele Menschen irgendwie zusammen. Aber österreichisch war Iglo nie. Von den 1960er Jahren bis 2006 war Iglo eine zum Konzern Unilever gehörende Tiefkühlmarke2. Seit 2015 gehört Iglo zur amerikanischen Investorengruppe Nomad Foods3.

Pazifischer Polardorsch

Das Fleisch in Fischstäbchen stammt vorwiegend vom Pazifischen Pollack (Gadus chalcogrammus oder Theragra chalcogramma)4. Diese Fische leben in großen Schwärmen zusammen, hauptsächlich im nördlichen Pazifik. Sie halten sich im Freiwasserbereich5 und in Bodennähe auf, in Wassertiefen zwischen 100 und 300 Metern. Täglich wandern sie ihrer Nahrung folgend von der Bodennähe zur Wasseroberfläche. In ihrem Lebensraum werden sie von Fischerbooten gejagt, die sie mit Schleppnetzen - meistens werden pelagische Scherbrettnetze6 verwendet - fangen und aus dem Meer fischen.

Tierquälerische Schleppnetzfischerei

Aus dem Meer fischen, das klingt harmlos, ist aber eine menschliche Tätigkeit, die unvorstellbare Qualen und enormes Leid für die betroffenen Fische bedeutet. Einen kleinen Einblick, was bei der Schleppnetzfischerei passiert, liefert Alison Mood in ihrem Bericht "Auf See geht es schlimmer zu: Leid und Wohl gefangener Wildfische", der von der Schweizer NGO Fair Fish als deutsche Fassung im Jahr 2010 veröffentlicht wurde7:

Die grossen, taschenförmigen Schleppnetze werden durch das Wasser gezogen und hetzen die Fische bis zu deren Erschöpfung. Einmal erschöpft, überrennt und verschluckt das Netz die Fische und befördert sie in seinen viel engeren, kegelförmigen Teil, wo sie eingeengt in Panik geraten. Während sie bei dem Versuch zu fliehen wild mit ihren Schwänzen schlagen, erleiden sie Schuppenverletzungen durch Kollisionen mit dem Netz und untereinander. Allmählich landen sie am engsten Ende des Netzes, am Steert. Mit zunehmender Anzahl der Fische im Steert unterliegen die Tiere dem Druck im Gedränge. Manche von ihnen können daher ihre Kiemen nicht mehr bewegen, was zum Ersticken führt. Die Blockierung der Kiemen kann auch die Blutversorgung unterbrechen, was zum Tod durch Kreislaufversagen führt. Das Schleppen kann viele Stunden dauern. Längere Schleppzeiträume erhöhen den Anteil von Fischen, die beim Anlanden tot sind. Bei Arten mit geschlossener Schwimmblase verursacht das schnelle Heraufholen aus der Tiefe einen plötzlichen Druckabfall. Das kann dazu führen, dass Teile der Gedärme aus Mund und Anus quellen, die Augen aus ihren Höhlen treten oder die Schwimmblase platzt. Diejenigen, die den Fang und das Anlanden überleben, sterben gewöhnlich durch Ersticken oder im Lauf der Verarbeitung.

Zirka 55 Fischstäbchenprodukte

Eine vom VGT durchgeführte Produktrecherche im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel im Jänner 2026 hat ergeben, dass mehr als 55 unterschiedliche Produkte angeboten wurden, die aus paniertem Fischfleisch vom Pazifischen Polardorsch bestehen. Nicht alle haben die Form von Fischstäbchen, aber alle sind tiefgekühlt. Das Fleisch in all diesen Produkten stammt von Pazifischen Polardorschen, die entweder im Nordost- oder Nordwestpazifik gelebt haben. Sie alle wurden mit tierquälerischen Schleppnetzen gefangen.

Mehr als 765.000 getötete Pazifische Polardorsche

Die Menge an unterschiedlichen Fischstäbchenprodukten verdeutlicht die Beliebtheit dieses Lebensmittels in Österreich. Die Importmengen von paniertem und gefrorenem Fleisch von Pazifischen Polardorschen bestätigen das ebenfalls. Im Jahr 2024 wurden 3.060.539 kg davon nach Österreich importiert8. Das sind umgerechnet 765.134 Pazifische Polardorsche mit einem Durchschnittsgewicht von 4 kg. Noch lieber sind den österreichischen Fischesser:innen lediglich Lachs- und Thunfischfleisch. 

Es ist ein wichtiger Aspekt der Arbeit des VGT, im Zuge der Kampagne "Tierschutz und Wassertiere" 9 die Öffentlichkeit über Hintergründe der Produktion von Nahrungsmitteln aus Fischfleisch zu informieren. Mag. Erich Schacherl, VGT-Campaigner: "In jedem Fischstäbchen steckt viel Fischleid. Vermutlich wissen nur wenige Konsument:innen über das unermessliche Leid der Fische bei der Schleppnetzfischerei Bescheid. Wir vom VGT ändern das, indem wir solche Informationen zur Verfügung stellen."

Eine Fischart mit unterschiedlichen Namen

Für Verwirrung können die unterschiedlichen Namen von Gadus chalcogrammus sorgen. In Österreich wird vorwiegend der Name "Pazifischer Polardorsch" verwendet. Auf einigen Fischstäbchenprodukten ist allerdings die Bezeichnung "Alaska Seelachs" zu finden. Das ist der bevorzugte Handelsname in Deutschland. Dann gibt es noch den Namen "Pazifischer Pollack" oder auch "Alaska-Pollack". 

Egal welcher Name verwendet wird, sicher ist, diese Fische sind fühlende und empfindsame Wassertiere. Wir Menschen sollten respektvoller mit ihnen umgehen und sie nicht zu Tode quälen, wie das bei der kommerziellen Fischerei der Fall ist.

Mag. Erich Schacherl