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Missstände in Schweinefabrik mit Vollspaltenboden

Bezirk Mistelbach, 25.09.2024

Nach Meldung besonders tierquälerischer Zustände betraten 8 Tierschützer:innen, darunter VGT-Obperson DDr. Balluch, heute früh spontan den Betrieb und riefen die Polizei

Die Schweine haben große Beulen, abgebissene Schwänze, schwere Verletzungen. Der Vollspaltenboden hat wieder einmal zu großem Tierleid geführt. Weil Gefahr im Verzug, betrat daraufhin VGT-Obperson DDr. Martin Balluch mit 7 anderen Tierschützer:innen unter strengsten Hygienestandards heute früh den Betrieb, überzeugte sich davon, dass die Information richtig war und rief die Polizei.

Die Zustände sind dramatisch. Die Amtstierärztin muss den Betrieb sofort kontrollieren und den Tieren helfen.

- Martin Balluch, vor Ort in der Tierfabrik

Momentan harren die Tierschützer:innen in der Schweinemast aus und warten auf die Behörden. Vor dem Betrieb hat sich eine spontane Kundgebung des VGT gegen den Vollspaltenboden gebildet.

Martin Balluch kommentiert aus dem Betrieb: "Vollspaltenboden ohne Stroheinstreu! Das sind die Zustände, die die ÖVP bis 2040 und in Wahrheit für immer unverändert zulassen will! Die Schweine haben diese Zeit nicht. Sie brauchen eine weiche Stroheinstreu, um angenehm zu liegen und zu wühlen. Uns hat die Meldung von den Missständen hier gestern Abend erreicht und so habe ich spontan beschlossen, mit ein paar Kolleg:innen hierherzukommen und mich selbst von den Zuständen zu überzeugen. Tatsächlich ist es unerträglich. Deshalb habe ich die Polizei gerufen. Hier ist Gefahr im Verzug, die Behörde muss einschreiten, um diese Tierquälerei zu beenden!"

Zur 1. Presseaussendung

Update 25.9.2024

1000er-Vollspaltenboden-Schweinefabrik in Mistelbach: Tierschützer:innen immer noch drinnen

Seit 6:30 Uhr befinden sich 8 Tierschützer:innen, darunter VGT-Obperson DDr. Martin Balluch, in einer Vollspaltenboden-Schweinefabrik in Mistelbach. Mittlerweile demonstrieren 45 Tierschützer:innen des VGT auch noch vor der Türe. Die von Balluch gerufene Polizei ist ebenfalls vor Ort. Die Tierschützer:innen in der Schweinefabrik bestehen darauf, in der Halle mit 1.000 Mastschweinen auf die Amtstierärztin, die von der Polizei gerufen wurde, zu warten. Sie lässt sich aber offenbar bitten, bei Anruf des VGT legt sie auf. Das tote Schwein vor der Türe sollte von der Tierkörperverwertung abgeholt werden, doch man fürchtet die Kameras der Tierschützer:innen.

An einigen Stellen in den Schweinebuchten dringt der Kot unten durch die Spalten nach oben, die Tiere sind völlig verdreckt. Einige Schweine haben einen Nabelbruch und große Beulen an der Kehle, vielen Tieren wurde der Schwanz abgebissen, etwa 90 % der Tiere humpeln wegen geschwollener Gelenke, manche können sich kaum aufrichten. Wir bestehen auf eine amtstierärztliche Kontrolle.

Martin Balluch, VGT-Obperson

Der Betriebsleiter und sein Sohn, die daneben auch noch einen Zuchtbetrieb mit 600 Schweinen führen, haben die Zustände mit den Tierschützer:innen ausführlich diskutiert. Einig ist man sich, dass der Vollspaltenboden problematisch ist. Die Verletzungen der Tiere werden aber verschieden bewertet. Der Betriebsleiter zeigte sich jedoch grundsätzlich bereit, für alle Schweine einen Auslauf zu bauen. Platz genug wäre vorhanden.

Martin Balluch: "Die Politik – und da in erster Linie die ÖVP – hat versagt, ein echtes Ende des Vollspaltenbodens festzuschreiben. Eine weiche Stroheinstreu ist unabdingbar, wie man hier vor Ort sieht. Wir hoffen, dass bei der anstehenden Nationalratswahl jene Parteien gewinnen, die sich öffentlich zum echten Ende des Vollspaltenbodens bekannt haben. Die ÖVP und die FPÖ sind da jedenfalls nicht darunter."

Zur 2. Presseaussendung

Update 25.9.2024

Nach Zusage der BH, dass es eine amtstierärztliche Kontrolle gibt, wenn die 8 Tierschützer:innen aus dem Betrieb gehen, findet diese jetzt statt

Heute früh um 6:30 Uhr betraten 8 Tierschützer:innen, darunter VGT-Obperson DDr. Martin Balluch, nach einem Hinweis aus der Bevölkerung vom Vorabend eine Vollspaltenboden-Schweinefabrik im Bezirk Mistelbach und riefen die Polizei. Spontan bildete sich eine zuletzt 50 Personen umfassende Demo vor dem Betrieb. Zunächst sah es nach einem längeren Konflikt aus, weil die Amtstierärztin nicht kommen wollte. Doch dann handelte die Polizei einen Kompromiss aus: wenn die Tierschützer:innen den Betrieb verlassen, wird sie doch kommen und eine Kontrolle durchführen. Das geschah auch und bis zur Ankunft des Kontrollorgans durfte der Betriebsleiter nicht in die Schweinefabrik, um an den Zuständen nichts zu ändern. Die Tierschützer:innen konnten im Gegenzug unbehelligt nach Hause gehen. Die Kontrolle der Schweinefabrik dauert momentan noch an.

Zur 3. Presseaussendung

Die Polizei hat sich erfreulicher Weise sehr korrekt verhalten und war tatsächlich um eine friedliche Lösung bemüht. Aber auch der Betriebsleiter war durchaus freundlich und gesprächsbereit. Zwar werden wir nicht in allen Dingen überein stimmen, aber ihm war klar, dass der Vollspaltenboden ein Ablaufdatum hat, und er war grundsätzlich bereit, für die Schweine einen Auslauf zu errichten. Immerhin ist seinen Angaben nach der momentane Besatz inklusive Zucht 1.600 Tiere, der Betrieb ist also nicht sehr klein. Unverständlich bleibt mir das Verhalten der Amtstierärztin. Kommt sie ihrem Job nur nach, wenn ihre politischen Forderungen erfüllt werden?

VGT-Obperson Martin Balluch

Die Haltung von Schweinen, aber auch von Rindern, auf Vollspaltenboden ist jetzt das zentrale Thema im Tierschutz, sowohl zur anstehenden Nationalratswahl, als auch danach. Die neue Regierung wird so bald wie möglich ein echtes Verbot des Vollspaltenbodens beschließen müssen, allein schon, um die Frist des Verfassungsgerichtshofs bis Juli 2025 einzuhalten. Aber eines muss allen Beteiligten klar sein und wird auch durch die heutige Aktion bestätigt: Schweine brauchen Stroh, sowohl um darin angenehm zu liegen, als auch um darin zu wühlen. Ohne diese Mindestbedingung ist nicht einmal ein Minimum an Lebensqualität für die Tiere möglich.

VGT-Obperson Martin Balluch