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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (10.12.2014)

10.12.2014

Kälbertransporte - Tobis Reise vom Weinviertel nach Andorra

Seine Geburt war zwar nicht leicht, auf diesem Milchbetrieb bei Ernstbrunn im niederösterreichischen Weinviertel, doch letztlich gelang es den Menschen, ihn an Kopf und Beinen mit einer Geburtskette aus seiner Mutter heraus zu ziehen. Die Hochleistungsrassen haben eben oft Komplikationen bei der Geburt, dafür geben sie 10 Mal so viel Milch, wie ein Kalb bräuchte. Verwundert betrachtete Tobi seine Umgebung, war bald schon auf den Beinen und roch an seiner Mutter. Diese war aber über die gesamte Geburt hinweg mit einer Kette um den Hals angebunden und konnte sich so nicht um ihn kümmern, bis man Tobi zu ihr hin gezogen hatte.

Doch die Mutter-Kind Idylle sollte nicht lange anhalten. Schon am ersten Lebenstag wurde Tobi von seiner Mutter getrennt. Dadurch sei der Trennungsschmerz geringer, wird argumentiert, und die Mutter würde früher wieder Milch für den Handel liefern, anstelle der Kolostralmilch, die für ihr Kind direkt nach der Geburt gedacht ist. So wurde die Mutter weggeführt und Tobi blieb alleine in seiner Bucht zurück.

Ein Horrortrip beginnt

Gerade einmal 18 Tage später, Tobis Nabelschnur war erst vor Kurzem abgefallen, fuhr in dunkler Nacht ein Lastwagen vor. Geschrei von Menschen, grelles Licht. Tobi wird aus seinem Kobel getrieben und an den Ohren zu anderen Kälbern auf der Ladefläche gezerrt. Er will sich nicht bewegen, hat Angst, ist verunsichert. Nun geht die Reise los, die ganze Nacht hindurch, von einem Betrieb zum anderen. Immer wieder Geschrei, immer wieder grelles Licht, immer wieder neue Kälber und der Platz auf der Ladefläche wird immer enger.

Tobi ist so müde, doch das ständige Einladen weiterer Kälber will kein Ende nehmen, bis schon der Morgen graut und selbst dann nicht. Schließlich, nach langen langen Stunden in dem Gedränge und Chaos unter lauter fremden Tieren, nimmt der LKW Fahrt auf und rast ohne anzuhalten dahin. Den Fahrtwind bekommt Tobi kaum zu spüren, steht er doch mitten im Laderaum zwischen anderen Kälbern eingeklemmt. Sehen kann er allerdings auch nichts.

Endlich, nach schier ewiger Zeit, bleibt der LKW wieder stehen und die Laderampe wird geöffnet. Eine ganze Reihe von Menschen steht da, und sie schreien laut und haben lange Gummischläuche in den Händen. Damit schlagen sie auf die Kälber ein, sodass Panik ausbricht. Ein jedes Tier versucht den Schlägen zu entkommen, weiß aber nicht wohin, drängt gegen die anderen. Tobi ist zunächst durch andere Leiber abgeschirmt, doch bald schon kommt ein Mann dicht an ihn heran und schlägt auch auf ihn ein. Der scharfe Schmerz war ihm bisher völlig unbekannt, laut schreit er und springt auf den Rücken eines anderen Tieres. Schließlich greift ihm eine derbe Hand auf den Schwanz und verdreht diesen schmerzhaft. Andere Hände packen ihn an den Ohren und zerren ihn ins Freie. Er weiß nicht wohin, weiß nicht wie ihm geschieht, spürt nur wie weh das tut.

Schließlich wirft man ihn in eine Bucht, wo er, dicht gedrängt mit anderen Leidensgenossen, zur Ruhe kommt. Durst hat er, doch kommt er kaum zu den Tränkeautomaten hin. Zunächst ist er nur erschöpft und will seine Ruhe. Doch die soll er nicht bekommen. Schon nach kurzer Zeit erneut Geschrei, eine Frau beginnt die Kälber umzugruppieren, zerrt das eine dort- und das andere dahin. „Du dreckige Fotze!“, kreischt sie, und tritt Tobi ins Gesicht, weil er nicht weiß was sie von ihm will und nicht gleich reagiert. Wieder kommen Männer mit Gummischläuchen, wieder wird geschlagen und gezerrt, und werden die Schwänze verdreht. Im dichten Gedränge landet Tobi im gewaltigen Bauch eines riesigen Tiertransporters. Kaum ist seine Etage gefüllt, wird der Boden hydraulisch angehoben und die nächste Ladeetage gefüllt. Tobi steht nun wiederum in der Fahrzeugmitte, dicht an dicht mit anderen Tieren, kein Platz zum Hinlegen. Der Boden ist nur ganz dünn mit Stroh ausgelegt. Es wird nicht lange dauern und der Kot und Urin seiner Leidensgenossen ist über die gesamte Fläche verschmiert.

Kein Ende in Sicht

Nach ewigem Warten, von ständigem Geschrei und dem schrecklichen Klatschen der Gummischläuche begleitet, wird der Motor gestartet. Der gesamte Wagen vibriert und setzt sich in Bewegung. Es ist Sommer und furchtbar heiß hier mitten im Laderaum ohne Frischluft. Durch die Fahrt wird es aufgrund der Schlitze in der Außenwand etwas erträglicher. Doch zu früh gefreut, Stunden um Stunden fährt der LKW dahin, bei jeder Kurve werden die Tiere aneinander geschleudert, die Angst und Unsicherheit lässt alle Kälber ständig schreien. Auch Tobi ist verzweifelt und weiß nicht, wie ihm geschieht.

Mittlerweile ist es schon wieder dunkel geworden. Der LKW quält sich eine ewig lange Bergstraße hinauf, bei jeder Serpentine bleibt Tobi die Luft weg, weil er zwischen den anderen Kälbern eingekeilt ist. Schließlich bleibt das Fahrzeug stehen und der Motor verstummt. Was wird nun geschehen? Die Kälber schreien und schreien, die ganze Nacht hindurch. Doch draußen bleibt alles ruhig. Aber wie soll man schlafen, wenn man nur stehen kann und keinen Schritt gehen, ohne an andere anzustoßen?

Aber auch diese Nacht geht einmal vorbei und die Sonne geht auf. Nicht aber für Tobi, der noch immer zwischen den Kälbern im Inneren des Laderaums eingequetscht ist. Er sieht nicht nach draußen und bekommt kaum Luft. Der Boden ist mittlerweile durch die Fäkalien sehr rutschig geworden. Ein Tier ist nun schon an Entkräftung zusammengebrochen und rührt sich nicht mehr.

Schließlich setzt sich der LKW wieder in Bewegung. Es war höchste Zeit, weil die Sonne mittlerweile schon so auf das Fahrzeug gebrannt hat, dass die Hitze unerträglich wurde. Nun geht es die Bergstraße wieder hinunter. Tobi hat keine Kraft mehr, sich gegen den Druck zu stemmen, der in den scharfen Kurven entsteht. Er lässt sich nur noch durch die Leiber der anderen Tiere hin und her beuteln.

Stundenlang fährt der LKW nun weiter, ohne jede Pause. Irgendwann bleibt er zwar kurz stehen, aber das verschlimmert lediglich die Situation, jetzt gibt es überhaupt keine frische Luft mehr und die Hitze breitet sich aus. Dann geht die Sonne ein weiteres Mal unter, doch der LKW hält noch immer nicht an. Die ganze Nacht durch wird gefahren. Tobi kann nicht mehr unterscheiden, ob es Nacht oder Tag ist, ob er steht oder liegt. Er ist am Ende seiner Kräfte.

Und wieder geht die Sonne auf. Der LKW ist noch immer unterwegs, die Luft wird bald trotz des schwachen Fahrtwinds, der ins Innere des Laderaums dringt, unerträglich heiß. Schließlich bleibt der LKW stehen. Die Tiere sind verzweifelt, schreien und schreien. Tobi kann sich nicht einmal dazu mehr durchringen, er ist total erschöpft. Jetzt, beim Stillstand, nimmt ihm die Hitze die Luft. Tobi röchelt nur noch, kann fast nicht mehr atmen. Sein Mund ist trocken, er hat quälenden Durst.

Pause?

Plötzlich fährt der LKW wieder an, rollt einige hundert Meter, und die Laderampe wird geöffnet. Unter sich hört Tobi wieder die schreienden Männer und die klatschenden Gummischläuche. Schließlich fährt seine Etage nach unten und die Männer drängen sich zwischen die Kälber hinein. Panik bricht aus, alle wollen den Schlägen ausweichen. Die vordersten Reihen werden an ihren schmerzhaft verdrehten Schwänzen ins Freie gezerrt, die anderen Kälber drängen nach. Nur hinaus aus dieser Hölle, nur hinaus!

Tobi wird nun mit anderen Kälbern in eine Bucht gestopft. Dort findet er etwas Stroh, doch die Wasserautomaten funktionieren nicht, so sehr Tobi daran stößt und saugt. Verzweifelt leckt er die Eisenstangen. Wie lange schon hatte er keinen Nippel mehr zwischen den Lippen, an dem er nuckeln konnte?

Hier zwischen den Buchten herrscht ständige Hektik. Immer wieder laufen Menschen herein, öffnen Tore, prügeln schreiend Kälber heraus und neue Tiere wieder herein. Tobi ist alarmiert, er kommt kaum zur Ruhe. Bis endlich die nächste Nacht anbricht. Für einige Stunden kann er jetzt schlafen, obwohl er sehr wenig Platz hat und sich nicht bewegen kann, ohne an andere Leidensgenossen anzustoßen.

Noch einmal

Am Morgen des nächsten Tages beginnt früh schon erneut das Geschrei. Diesmal ist es Tobis Bucht, die geleert werden soll. Wieder prasseln Schläge mit dem Gummischlauch auf ihn ein. Er weiß nicht wohin, versucht sich zu verkriechen. Da packen ihn Hände an Schwanz und Ohr und zerren ihn auf eine Laderampe. In seiner Verzweiflung stolpert er über die Seitenwand und verklemmt sich dort. Grob wird er am Gesicht empor gerissen. Schließlich steht er wieder im dichten Gedränge von Leibern im geschlossenen Laderaum, diesmal allerdings an einem der Schlitze in der Seitenwand. Draußen sieht er die Landschaft vorbeirauschen, der Fahrtwind bietet ein bisschen Kühlung bei der großen Hitze, die hier herrscht. Der Boden unter seinen Füßen ist mit keinem einzigen Strohhalm bedeckt, alles nur rutschiges Metall, mehrmals fällt Tobi bei engen Kurven unter die Füße anderer Kälber, die sich auch kaum halten können und auf ihn trampeln. Nur mit Mühe kann er sich wieder befreien.

Schließlich geht es wieder eine Bergstraße hinauf, wieder enge Kurven, die die Tiere durcheinander wirbeln. Dann bleibt der LKW stehen, die heiße Mittagssonne brennt auf das Fahrzeug, die Luft steht. Ohne Fahrtwind ist die Hitze nicht mehr zu ertragen. Dann wird wieder die Laderampe geöffnet und Tobi stolpert ins Freie. Wieder sind hier zwei Männer, die schreiend ihre Gummischläuche schwingen. Tobi wird in einen engen Verschlag getrieben. Von dort aus verteilt man ihn und die anderen Kälber später auf die verschiedenen Mastbuchten.

Keine Hoffnung

Hier wird Tobi die nächsten 18 Monate verbringen, zwei Winter und zwei Sommer lang. Dabei kommt er aus der engen Bucht nicht mehr heraus, auch wenn er langsam zu einem stattlichen Stier heranwächst. Selten wird sein Platz gereinigt, bald steht er knöcheltief im eigenen Kot – und das die gesamte Zeit hindurch. Die letzte Reise, die Tobi hier von diesem Betrieb in Andorra in den Pyrenäen aus noch antreten wird, ist auf einem Klein-LKW zum Schlachthof.

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