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Jagd in Österreich - Das Leiden einer Gams

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (27.08.2013)

Wien, 27.08.2013

Ein Tourist hat zufällig eine Gamsjagd am Tiroler Scharnitzjoch bei Leutasch mitgefilmt und widerlegt die Mär vom "Blattschuss" und dem Jäger als Tierschützer: Eine angeschossene, Gams wird schreiend und sich wehrend von einem Weidmann an den Hinterläufen über Stock und Stein gezerrt.

Die Jagd in Österreich findet immer unter Ausschluss der tierfreundlichen Öffentlichkeit statt: Jagdgebiete werden amtlich gesperrt, umzäunte Jagdgatter sind ohnehin nicht für die Öffentlichkeit zugänglich und viele Jagden finden von einsamen Hochsitzen oder im Dunkel der Dämmerung statt, sodass es selten möglich ist die Abgabe der mörderischen Schüsse und ihre Folgen zu beobachten.

Ausnahmsweise ist dies aber einem niederländischen Wanderer – auf Besuch in den Tiroler Bergen – gelungen: Jos van de Sande filmt oft und gerne die Natur auf seinen Ausflügen, doch das, was er vor wenigen Tagen in Tirol vor die Linse bekommen hat, war für ihn nach eigenen Worten tief erschütternd:

Auf dem acht Minuten dauernden Videoclip mit dem vordergründig beschwichtigenden Titel Die lustige Jagd wird minutiös der Ablauf einer Gamsjagd am Tiroler Scharnitzjoch bei Leutasch dokumentiert: Nachdem sich eine Gruppe von Jägern anbirschen und hinter Felsen einen Schuss abgeben, sieht man die angeschossene Gams in einem Geröllfeld liegen. Ein Jäger klettert den steinigen Hang hinauf, greift das leidende Tier an den Beinen und zerrt es ohne dem geringsten Anschein von Mitgefühl brutal über blutverschmierte Felsen und Steine in Richtung Tal. Die Gams schreit und versucht sich verzwiefelt zu wehren, aber aufgrund der Schussverletzungen und dem offensichtlichen Blutverlust hat sie keine Chance.

Nach Minuten Todesangst und höllischer Qualen stolpert noch ein zweiter Jäger in die Szene, zückt sein Messer und sticht dem Tier mehrmals in den Hals.

Nachdem dieses Video über youtube erstmals veröffentlicht wurde, überschlug sich die Tiroler Politik und Jägerschaft mit scharfen Distanzierungen.
Der Verein gegen Tierfabriken und unsere AktivistInnen observieren allerdings schon seit über 20 Jahren Jagden in Deutschland und Österreich und muss nüchtern feststellen, dass es nur selten zum sog. Blattschuss kommt, bei dem das Tier angeblich völlig angst- und schmerzfrei an Ort und Stelle umfallen soll.

Obwohl sich Jäger gerne als Natur- und Tierschützer gerieren, beweisen sie selbst oft genug das Gegenteil, so auch der oberste Tiroler Landesjägermeister, der offenbar noch nie in seinem Leben das österreichische Bundestierschutzgesetz gesehen hat: Im STANDARD wird Anton Larcher mit den Worten zitiert, dass es sich bei dem Vorfall auch um einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz handelte. Dabei haben es die österreichsichen JägerInnen ja seit jeher verstanden, die Jagd(und die Fischerei) explizit aus dem Tierschutzgesetz ausnehmen zu lassen (§ 3 TSchG).

Der Verein gegen Tierfabriken fordert ein Ende dieser irrationalen Ausnahme: Auch Tiere müssen vor dem Gesetz gleichgestellt sein: Auch die Jagd muss endlich vom Tierschutzgesetz erfasst werden, damit tierquälende Jäger auch rechtlich zur Verantwortung gezogen werden können und nicht mehr tun und lassen können, wie es ihnen gefällt.

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