Schulterschluss im Tierschutz: Bündnis „Fair Ferkel“ will Verbot von Ferkelkastration ohne Betäubung - vgt

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Schulterschluss im Tierschutz: Bündnis „Fair Ferkel“ will Verbot von Ferkelkastration ohne Betäubung

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (30.07.2016)

Wien, 30.07.2016

2,7 Millionen österreichische Ferkel jedes Jahr bei vollem Bewusstsein kastriert

VIER PFOTEN, der Verein gegen Tierfabriken (VGT), UNITED CREATURES und die Tierschutzombudsstelle Wien und der Verband pro-tier haben sich zu der Initiative „Fair Ferkel – Bündnis für mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung“ zusammengeschlossen. Ziel ist es, per 1.1.2019 ein Verbot der in Österreich legalen Kastration von Ferkeln ohne Betäubung zu erwirken. 2,7 Millionen österreichische Ferkel werden jedes Jahr bei vollem Bewusstsein kastriert – ein Zustand, den das Bündnis durch Verhandlungen mit VertreterInnen aus Politik, Landwirtschaft, Handel, Wissenschaft sowie der Tierärztekammer ändern möchte.

Die Bündnis-PartnerInnen wollen ihre Ressourcen gemeinsam und damit effizienter einsetzen, um die jeweiligen EntscheidungsträgerInnen zu einem Ausstieg aus dieser grausamen Praxis zu bewegen. „Es geht uns auch darum, die Öffentlichkeit für diese Thematik zu sensibilisieren“, erklärt Indra Kley, Leiterin des Österreich-Büros von VIER PFOTEN. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es in Österreich völlig legal möglich ist, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Ein bisschen Empathie reicht aus, um sich vorzustellen, dass die Tiere entsetzliche Schmerzen leiden müssen.“

„Egal, welches Schweinefleisch die Menschen in Österreich gerade kaufen, sie unterstützen diesen tierquälerischen Eingriff der blutigen Schmerzkastration. Und zwar bei Bio-Fleisch genauso wie bei konventionellem“, erklärt Michael Hartl, der bei UNITED CREATURES seit drei Jahren intensiv an dem Thema arbeitet. „Obwohl es Alternativen gibt, die gar keinen chirurgischen Eingriff mehr erfordern.“

Bei der Kastration werden die Hoden mit einer Quetsch-Zange oder einem Skalpell entfernt. Begründet wird der Eingriff damit, dass der Hoden der Schweine ab der Geschlechtsreife Hormone bildet, die bei 1 bis 5 Prozent der Tiere zu einer Beeinträchtigung von Geruch und Geschmack des Fleisches führen können.

Andere Länder zeigen: Es geht auch anders

Die österreichische Landwirtschaft und der Handel haben bislang stets argumentiert, dass Alternativen zur betäubungslosen Kastration zu teuer wären. Dass es auch anders geht, zeigen Länder wie die Schweiz, Norwegen oder Australien: Dort ist die betäubungslose Kastration verboten, ohne negative Folgen für den Markt. In Deutschland tritt das Verbot 2019 in Kraft. Große Handelsunternehmen wie die REWE Group und ALDI Nord haben angekündigt, bereits ab Jänner 2017 kein Fleisch mehr von betäubungslos kastrierten Schweinen für den Verkauf zuzulassen. Bereits 2010 haben auf europäischer Ebene Vertreter von Landwirtschaft, Industrie, Forschung sowie NGOs die Brüsseler Deklaration unterschrieben, nach der ab. 1 Jänner 2018 die Kastration von Ferkeln komplett eingestellt werden soll.

Prinzipiell gibt es bei den Alternativen zwei Richtungen: entweder chirurgische Eingriffe mit Betäubung oder die Aufzucht unkastrierter Ferkel, die sowohl als Ebermast als auch mit Immunokastration möglich ist. Die in “Fair Ferkel“ zusammengeschlossenen Organisationen bewerten Eingriffe an Nutztieren, die nicht medizinisch notwendig sind, sehr kritisch; daher begrüßen sie generell Alternativen ohne chirurgische Entfernung von Körperteilen. Gemeinsam ist allen genannten Alternativen, dass sie nicht ohne Kosten umzusetzen sind, was sich in einer Erhöhung des Preises für Schweinefleisch um einige wenige Cent pro Kilo niederschlagen würde.

Das Bündnis „Fair Ferkel“ sieht in diesem Zusammenhang besonders den Lebensmitteleinzelhandel gefordert, diese Kosten über seine Preispolitik abzufedern. Denn mit Fleisch darf kein Preis-Dumping gemacht und der Kampf um Marktanteile nicht auf dem Rücken der LandwirtInnen und Nutztiere ausgetragen werden.

Informationen zu den Organisationen des „Fair Ferkel“ Bündnisses:

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