05.08.2026, Wien
Tierschutzprobleme bei Fischzucht in Kreislaufanlagen (RAS) - Teil 1
Die Kritik an Wassertierfabriken nimmt zu. Aktuelle Veröffentlichungen beweisen die Tierschutzprobleme von RAS.
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
Wien, 05.08.2026
Die Kritik an Wassertierfabriken nimmt zu. Aktuelle Veröffentlichungen beweisen die Tierschutzprobleme von RAS.
Der weltweit zu beobachtende Trend zum Bau von Fischzuchtbetrieben mit RAS-Technologie hat auch vor Österreich nicht Halt gemacht. 32 Betriebe sind in der Liste über geschlossene Aquakulturanlagen (= Betriebe mit RAS) in Österreich erwähnt.1
RAS steht für "Rezirkulierendes Aquakultursystem". Ein gebräuchliches Wort dafür ist auch „Kreislaufanlage". Dabei handelt es sich um "eine Aquakulturanlage, bei welcher das Wasser im Kreislauf geführt (mehrfach verwendet) wird und die tägliche Frischwasserzufuhr nicht größer ist als 20% des für die Aquakultur verwendeten Anlagenvolumens (Beckenvolumens) ist".2 Verständlicher ausgedrückt werden in Kreislaufanlagen Wassertiere in künstlichen Becken unter kontrollierten Bedingungen gezüchtet und gemästet. Das benötigte Wasser wird immer wieder gefiltert, aufbereitet und kann so mehrfach verwendet werden. RAS-Technologie wird meistens indoor angewendet. Auch Algen werden mit RAS-Technologie produziert.
Für den VGT handelt es sich bei der RAS-Technologie um Massen- oder Intensivtierhaltung von Wassertieren. Im Webartikel "Massentierhaltung von Fischen in Österreich - Teil 1" vom Oktober 2022 wurde die Massen- oder Intensivtierhaltung von Wassertieren erstmals ausführlich erörtert.3 Die meisten RAS-Betriebe in Österreich halten und züchten Afrikanische Welse. Der Webartikel "Kein Tierschutz für den Afrikanischen Wels?" vom Mai 2026 informiert darüber.4 Die geplante Lachsfabrik in Gmünd im Waldviertel soll ebenfalls die RAS-Technologie für die Zucht und Mast von Atlantischen Zuchtlachsen nutzen.5
Aktuelle Veröffentlichungen belegen anhand wissenschaftlicher Beweise die vielfältigen Probleme der RAS-Wassertierfabriken. Wir haben uns zwei Berichte genau angeschaut. Eine Anmerkung dazu: Die erwähnten Berichte sind in Englisch verfasst. Der Verständlichkeit halber werden Zitate aus den Berichten in Deutsch geschrieben. Die Übersetzung erfolgte mit dem "Google Übersetzer".
Die Eurogroup for Animals hat im Jänner 2026 ein Positionspapier veröffentlicht, in dem erörtert wird, welche Probleme es in RAS-Betrieben geben kann.6 Dort heißt es auf Seite 2: "Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen gravierende und chronische Auswirkungen auf das Wohlbefinden der in diesen Systemen gezüchteten Fische, neben unbewiesenen und mitunter übertriebenen Umweltvorteilen". Auf Seite 3 wird fortgesetzt: "In ihrer jetzigen Form stellen Kreislaufanlagen ein weiteres Modell intensiver Aquakultur dar, das weder angemessenes Tierwohl noch wirksame Verbesserungen der Nachhaltigkeit gewährleistet."
Die unterschiedlichen Probleme von RAS im Hinblick auf Tierschutz und Tierwohl werden in dem Dokument beschrieben und mit wissenschaftlichen Studien belegt, die in einem ausführlichen Literaturverzeichnis angeführt sind. Folgende Mängel werden erkannt:
Zitat: "Hohe Besatzdichten schränken den natürlichen Bewegungsraum stark ein, was zu lebenslangem Stress und häufig aggressivem Verhalten führt. Die beengten Verhältnisse können zudem das Risiko der Krankheitsausbreitung erhöhen."
Zitat: "Aufgrund des beschleunigten Wachstums in der frühen Lebensphase zeigen Studien, dass in Kreislaufanlagen aufgezogene Fische unterentwickelt und weniger robust sein können. Dies führt zu physiologischen Schwächen, die ihre Anfälligkeit für Krankheiten und Stress erhöhen."
Die extrem hohen Besatzdichten können diese Systeme überfordern. Zitat: "Infolgedessen sammeln sich schnell Abfallstoffe an, und die Wasserqualität wird schwer zu kontrollieren, was ernsthafte Gefahren für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere mit sich bringt."
Zitat: "Den meisten Anlagen mangelt es an jeglicher Form der Beschäftigung oder an Umweltkomplexität, wodurch den Fischen natürliche Beschäftigungsmöglichkeiten genommen und ihr psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt wird. Darüber hinaus werden Fische in RAS typischerweise unter hochstandardisierten, künstlichen Bedingungen ohne natürliche Umweltreize wie wechselndes Licht oder Wetterverhältnisse gehalten, was ihre Fähigkeit, eine dynamische Umgebung zu erleben und darauf zu reagieren, weiter einschränkt."
Zitat: "Fische sind oft 24 Stunden am Tag künstlichem Licht, ständiger Wasserströmung und kontinuierlicher Fütterung ausgesetzt. Die fehlende Ruhe unter solchen Bedingungen kann zu chronischem Stress, hormonellen Störungen und einem geschwächten Immunsystem führen."
Zitat: "Pumpen, Filter und Belüfter erzeugen kontinuierlich niederfrequente Geräusche und Vibrationen, die das Gehör schädigen, Stress verursachen und natürliche Verhaltensweisen stören können."
Zitat: "Fische werden oft über längere Zeiträume (1–2 Wochen im Vergleich zu den üblichen 24–72 Stunden) in kargen Becken gehungert, um unerwünschte Geschmacksstoffe vor der Schlachtung zu entfernen. Dies kann den physiologischen und psychischen Stress zusätzlich verstärken."
Zitat: "Komplexe RAS-Anlagen ermöglichen es einigen Fischen, aus den Becken zu entkommen und unbemerkt in Rohren, Filtern oder Bioreaktoren zu überleben. Diese „Rohrfische“ werden weder überwacht noch gefüttert oder behandelt, wodurch sie über längere Zeiträume Beeinträchtigungen ihres Wohlbefindens ausgesetzt sind und gleichzeitig Krankheitserreger für nachfolgende Produktionszyklen sein können."
Zitat: "Eine Kombination aus Bedienungsfehlern (z. B. unzureichende Schulung des Personals, Überwachungsausfälle) und mechanischen Störungen (z. B. Stromausfall, Alarmausfall) in Verbindung mit unzureichender Notfallplanung hat weltweit zu zahlreichen dokumentierten Massensterben geführt."
Im zweiten Teil der Artikelserie über Tierschutzprobleme bei der Wassertierzucht in RAS informieren wir über einen ausführlichen Bericht der Tierschutzorganisation Compassion in World Farming (CIWF) vom Oktober 2025 mit dem Titel "Probleme von intensiven RAS".
(1) Bundesministerium Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft: Liste über geschlossene Aquakulturanlagen in Österreich nach Artikel 2 (7) der Verordnung (EG) Nr. 708/2007 Alien Species.
(2) Handbuch Nutzfische, Seite 52
(3) VGT Webseite: "Massentierhaltung von Fischen in Österreich - Teil 1", 27.10.2022
(4) VGT Webseite: Kein Tierschutz für den Afrikanischen Wels?, 26.05.2026
05.08.2026, Wien
Die Kritik an Wassertierfabriken nimmt zu. Aktuelle Veröffentlichungen beweisen die Tierschutzprobleme von RAS.
24.07.2026, Wien
Der VGT veröffentlicht die Erklärung der Rechte der Wassertiere.
17.07.2026, Wien
Es ist üblich, Zuchtfische vor der Tötung hungern zu lassen. Tierfreundlich ist das nicht.
24.06.2026, Wien
Die Welternährungsorganisation hat einen Fischereibericht veröffentlicht. Tierschutz kommt darin nicht vor.
16.06.2026, Wien
Fischstäbchen enthalten das Fleisch vom Pazifischen Polardorsch. Beim Fang haben die Fische gelitten.
26.05.2026, Wien
Immer mehr Aquakulturbetriebe in Österreich züchten Afrikanische Welse. Unzureichende Gesetze machen Tierschutzprobleme wahrscheinlich.
04.05.2026, Wien
Neuer Bericht bestätigt: Massive Tierschutzprobleme beim Thunfischfang
29.04.2026, Wien
VGT-Recherchen deuten darauf hin, dass in Österreich ein lukrativer Handel mit Zierfischen stattfindet.