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Glückliche Tiere, glückliche NachbarInnen?

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (21.03.2017)

Wien, 21.03.2017

Die Österreichische Jungbauernschaft veröffentlichte ein Video, in dem Massentierhaltung beschönigt wird. Wir treten den Gegenbeweis an.

Mitte Jänner diesen Jahres veröffentlichte die Österreichische Jungbauernschaft ein kurzes Video, mit dem der Allgemeinheit und ganz besonders den NachbarInnen von Tierställen anscheinend ihre Ängste genommen werden sollen. Es wird erzählt, wie gut es Tieren in der Landwirtschaft angeblich gehe und wie einfach man doch beim Landwirten oder der Landwirtin nebenan alle Fragen beantwortet bekomme. Massentierhaltung komme in Österreich überhaupt nicht vor, so der Sprecher im Video.

Wir haben uns einige Fakten genauer angeschaut. Während die Gesamtbestände der gehaltenen Tiere im Original-Video noch stimmen, sind bereits die Druchschnittszahlen der Tiere pro Betrieb höchst irreführend. Anscheinend wurde einfach die Gesamtzahl durch die Anzahl der Betriebe geteilt - ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass etliche HalterInnen nur sehr wenige Tiere halten und andere dafür umso mehr Tiere in Ställen haben. Die Agrarstrukturerhebung (letzmalig aus dem Jahr 2013, Statistik Austria, statistik.at) zeigt, dass:

  • rund 44% aller Schweine in Betrieben mit mehr als 600 Tieren leben und nur rund 6% in Betrieben unter 100 Tieren;
  • fast 50% aller Legehennen in Betrieben mit mehr als 10.000 Tieren untergebracht sind;
  • mehr als 80% aller Masthühner und Masthähne in Betrieben mit mehr als 10.000 Tieren hausen müssen.

Was nun "Massentierhaltung" bedeutet und ob die oben genannten Zahlen dem entsprechen, muss wohl jedeR selbst entscheiden.

Der VGT hat nun ein eigenes Video produziert, das die Behauptungen der Jungbauernschaft ins Licht der Wahrheit rückt:

Neben der Menge an untergebrachten Tieren sind natürlich ganz besonders die eigentlichen Lebensbedingungen der Tiere relevant. Bei den Mastschweinen sind Vollspaltenböden, also Betonböden mit Schlitzen auf der gesamten den Tieren zur Verfügung stehenden Fläche, und Enge, Branchenstandard. Auslauf gibt es in der konventionellen Haltung nicht. Die Tiere sind in Gruppen in so genannten "Buchten" untergebracht - das Gesetz schreibt hier eine Fläche von 0,7m² pro 100kg-schwerem Schwein vor (1. Tierhaltungsverordnung). Mehr wird diesen sozialen und intelligenten Tieren nicht gegönnt.

Die Besatzdichten sind besonders bei Hühnern und Puten extrem hoch. Bis zu 9 erwachsene Tiere pro m² sind bei den Legehennen erlaubt. Sogar sogenannte "ausgestaltete Käfige" und bestimmte Bodenhaltungsformen mit bis zu vier Gitterebenen übereinander sind weiterhin erlaubt.

Diese Haltungsformen können kein "glückliches Leben" ermöglichen. Doch alt werden die Tiere in der Landwirtschaft ohnehin nicht. Fast alle werden nach wenigen Wochen (Masthühner und -hähne, Kälber) oder wenigen Monaten (Schweine, Puten) getötet, obwohl sie alle eine natürliche Lebenserwartung von über zehn Jahren hätten. So kommt es, dass in Österreich im Jahr 2013 rund 5,4 Millionen Schweine, 700.000 Rinder und 74 Millionen Hühner und Hähne getötet wurden. Im Jahr 2016 waren es sogar über 80 Millionen Hühner und Hähne (Statistik Austria, statistik.at).

Abgesehen von immensem Tierleid sind große bzw. besonders viele Tierställe in der Umgebung auch für AnrainerInnen oft ein schwerwiegendes Problem. Neben Lärmbelästigungen z.B. durch das ständige Surren von Lüftungsanlagen und Geruchsproblemen, die sogar Gesundheitsgefährundungen auslösen können, sorgen auch verstärkte Insektenplagen und belastete Trinkwasservorräte für Unmut bei NachbarInnen. Umweltverträglichkeitsprüfungen und andere Genehmigungsverfahren werden oft erst auf Drängen von verzweifelten AnwohnerInnen durchgeführt. In der Steiermark wird geschätzt, dass in manchen Regionen bis zu 60% der vor allem landwirtschaftlichen Bauten nicht vollständig genehmigt sind (Kleine Zeitung Steiermark, 18.12.16, S. 22). Die Situation ist für viele so schwerwiegend, dass sie Unterstützung bei Gruppen wie der Initiative SteirerInnen gegen Tierfabriken (IST) anfordern. Gemeinsam werden dort Prüfungsverfahren bearbeitet und Behördengänge vorbereitet.

Wer sich tatsächlich für die Tierhaltung in der Landwirtschaft interessiert, dem sei geraten, kritisch zu bleiben. Schlechte Haltungsbedingungen und hohe Besatzdichten können nicht einfach wegdiskutiert oder schöngeredet werden.

Wer sich als NachbarIn eines landwirtschaftlichen Betriebes belästigt fühlt, der soll sich an Initiativen wie die IST oder die Behörden selbst wenden. Niemand soll untragbare Belastungen durch Megaställe einfach so hinnehmen müssen.

Letztendlich entscheidet aber auch der Konsument und die Konsumentin, wie Tiere in Österreich gehalten werden. Wer Tierleid nicht unterstützen und finanzieren will, der sollte Tierprodukte meiden.

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