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Wann ist Klebstoff nicht vegan?

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (06.12.2023)

06.12.2023

Leim wird oft auf Basis von Glutin oder Kasein hergestellt. Glutin entsteht durch das Auskochen von tierlichen Produkten, Kasein ist ein Bestandteil von Milch.

Klebstoffe kommen in fast allen Lebensbereichen vor und enthalten oft tierliche Bestandteile. Sogenannter Glutinleim wird zum Beispiel aus tierlichen Abfällen durch Auskochen gewonnen. Kaseinkleber wird aus Bestandteilen der Kuhmilch gewonnen.

Arten von unveganen Klebern

Glutinleim (Knochenleim und Hautleim): Als Glutinleim bezeichnet man einen natürlichen Klebstoff, der durch das Auskochen von tierlichen Produkten wie Häuten oder Knochen gewonnen wird. Er wird zum Beispiel in der Malerei als Bindemittel, in der Buchbinderei oder bei Restaurierungen verwendet. Als vorteilhaft wird dabei seine Reversibilität angesehen. Glutinleim ist wasserlöslich und Verleimungen können jederzeit wieder aufgelöst werden. Spezielle Arten des Glutinleims sind Knochenleim und Hautleim1. Für Knochenleim werden üblicherweise entfettete und gebleichte Rinderknochen ausgekocht2. Hautleim wird aus dem Bindegewebe tierlicher Häute, wie Hautabschnitten und Spalthäuten, hergestellt. Er wird vor allem für Gummierungen, im Buchbinderhandwerk und Instrumentenbau verwendet3.

Fischleim: Fischleim wird aus der Haut und den Gräten von Fischen durch Auskochen hergestellt. Dieser Leim wird wegen seiner Reversibilität oft bei Restaurierungen verwendet. Fischleim soll außerdem eine gute Haftung auf Holz, Keramik und Metall haben, weil er eine hohe Elastizität hat4.

Kaseinkleber: Kasein ist ein Bestandteil von Kuhmilch. Unvegane Kleber auf Basis von Kasein werden zum Beispiel bei Etiketten auf Flaschen und Gläsern eingesetzt5. Kaseinkleber kommt außerdem bei der Herstellung von Möbeln und anderen Holzprodukten zum Einsatz und wird auch im Baugewerbe eingesetzt. Er ist zum Beispiel Bestandteil von Kitt oder Emaille6.

Kennzeichnung / Siegel

Produkte, die als „vegan“ gekennzeichnet sind, sind nicht automatisch frei von tierlichen Klebstoffen. Selbst das offizielle V-Label (Vegan-Siegel, das von der Veganen Gesellschaft vergeben wird) und die Veganblume (offizielles Vegan-Siegel, das von der britischen Vegan Society vergeben wird) schließen tierliche Bestandteile in der Verpackung nicht aus. Erklärt wird das mit dem Fehlen „prüftechnischer Voraussetzungen“. Also können auch vegan gelabelte Produkte eine Verpackung oder Etiketten mit tierlichen Klebstoffen haben7. Informationen darüber, welche Produkte vegane Klebstoffe für ihre Verpackungen und Etiketten bekommen, sind daher leider eher schwierig zu bekommen. Auf der Seite Etikettenwissen.de findet sich eine Übersicht über Hersteller, die garantieren, dass ihre Produkte keinen unveganen Etikettenkleber beinhalten (Stand 2018). Bekannte Marken in der Liste sind zum Beispiel Club-Mate, Frosch, granini, hohes C, Rapunzel, oder Zwergenwiese8.

Alternativen

Bei Holzarbeiten kann oft gänzlich auf Kleber verzichtet werden, indem einfach Nägel oder Schrauben verwendet werden. In diesem Abschnitt soll allerdings konkret auf vegane Klebstoffe eingegangen werden.

UHU: Verschiedenen Quellen zufolge sind die Produkte des bekannten Bastelkleber-Herstellers UHU vegan.

Etikettenleim auf Stärkebasis: Inzwischen gibt es eine Reihe von veganen Herstellern, die anstelle von synthetischen Leimen einen veganen Kleber auf Stärkebasis verwenden. Früher konnten bei der Verwendung von kaseinfreiem Kleber verschiedene Störungen bei der Reinigung von Mehrwegflaschen auftreten, bei neu entwickelten kaseinfreien Klebern sind diese Probleme allerdings behoben. In Test schneiden die veganen Kleber sogar teilweise besser ab, als der herkömmliche Kaseinkleber9.

Kleister: Eine pflanzliche Alternative zu Klebern mit tierlichen Inhaltsstoffen ist Kleister. Dieser besteht aus Pflanzenstärke und wurde 1888 für das Maler- und Taperzierhandwerk erfunden, wo bis dahin Knochenleim zum Tapezieren verwendet wurde. Der große Vorteil des Kleisters war, dass er nur mit heißem Wasser angerührt werden musste. In den 1950er Jahren kam ein neuer Tapetenkleister auf den Markt, der aus reiner Methylzellulose bestand. Die Anwendungsbereiche von Kleister sind allerdings beschränkt und können Leim nicht vollständig ersetzen10.

Weißleim: Weißleim ist ein synthetischer, formaldehydfreier Dispersionsleim, der aus dem Bindemittel Polyvinylacetat besteht. Dieser Kleber wird häufig beim Heimwerken eingesetzt und ist in allen Beanspruchungsgruppen erhältlich. Bei Holzarbeiten wird der Weißleim auch von Profis gerne eingesetzt11.

Weitere synthetische Leime: Formaldehydharzleime enthalten das umstrittene Lösungsmittel Formaldehyd. Diese Kleber werden vor allem industriell eingesetzt, zum Beispiel bei der Herstellung von Spanplatten oder im Bootsbau. Polyurethanleime sind wasserfest und kleben viele Materialien. Da sie gesundheitlich nicht unbedenklich sind, werden diese Kleber nur an gewerbliche Anwender:innen verkauft12. Aufgrund der unökologischen Inhaltsstoffe, eignen sich diese Leime nicht als gute Alternative zu anderen Klebstoffen.

Stärke: Eine Alternative zu unveganen Klebern ist pflanzliche Stärke. Ein natürlicher Klebstoff auf der Basis von Speisestärke wurde bereits vor über 100 Jahren in der Buchbinderei eingesetzt. Diesen veganen Leim kann man auch mit einfachsten Mitteln selbst herstellen. Dafür benötigt man nur Speisestärke, die man dünn auf einem Backblech verteilt und anschließend etwa 60 Minuten lang bei 180 bis 200 Grad im Ofen röstet. Nach einer Stunde ist aus der Stärke das beigefarbene Dextrin entstanden, aus dem man unter Zugabe von Wasser Klebstoff herstellen kann. Dafür einfach 30 g Dextrin mit 50 bis 60 Milliliter Wasser vermischen und in einem Wasserbad erwärmen, aber nicht kochen. Die Masse dickt dabei ein und verändert ihr Aussehen zu einer ähnlichen Farbe wie Honig. Je zäher die Masse dabei wird, desto besser klebt der Klebstoff13.

Quellen

1 Glutinleim

2 Knochenleim

3 Hautleim

4 Fischleim

5 Versteckte Inhaltstoffe: Klebstoff

6 Kaseinkleber: Zusammensetzung, Eigenschaften, Anwendung und Herstellung selbst

7 Klebstoffe – wann sind sie eigentlich vegan?

8 Vegane Etiketten

9 Kleister

10 Holzleime – die Unterschiede in der Übersicht

11 Natürlicher selbstgemachter Kleber für Papier, Pappe und Holz

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