Teilen:

PK: Zusammenleben mit dem Wolf – Gratwanderung zwischen Legalität und Rechtsbruch

Klagenfurt, 17.02.2026

In Kärnten wurden in den letzten 4 Jahren doppelt so viele Wölfe geschossen, wie im großen, regional 10 Mal so dicht besiedelten Deutschland – seit 2022 gab es sogar 310 Abschusserlaubnisse der Landesregierung

Wölfe sind im Anhang V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie als geschützte Art gelistet. Der Europäische Gerichtshof hat jüngst betont, dass sämtliche Maßnahmen der Mitgliedstaaten darauf abzielen müssen, einen günstigen Erhaltungszustand der betroffenen Arten zu bewahren oder wiederherzustellen (EuGH 12.6.2025, C-629/23). Ökologisch erbringen Wölfe bedeutende Leistungen. Sie halten Wildbestände gesund und regulieren effizient mittelgroße Prädatoren, wodurch sie Biodiversität und artenreiche Mischwälder fördern. Eine Bejagung wirkt hingegen kontraproduktiv. Wolfsrudel regulieren ihre Bestände weitgehend selbst. Jagd stört diese Sozialstrukturen, begünstigt Zuwanderung und erhöhte Reproduktion und kann sogar zu mehr Konflikten mit Weidetierhaltung führen. Ansässige Rudel kontrollieren zudem Beutegreifer nachhaltiger als menschliche Eingriffe. Maßnahmen, die den günstigen Erhaltungszustand nicht verbessern oder sichern, sind unionsrechtlich unzulässig. Eine auf weitgehende Verdrängung des Wolfs gerichtete Jagdpraxis widerspricht daher sowohl dem europäischen Naturschutzrecht als auch ökologischer Vernunft.

Anfragen nach dem Kärntner Informations- und Statistikgesetz an die Landesregierung zeigen, dass es seit 2022 bereits 310 Abschusserlaubnisse von fast ausschließlich sogenannten Risikowölfen in Österreich gab, 34 Risikowölfe und 1 Schadwolf wurden tatsächlich erschossen. D.h. ginge es nach der Kärntner Landesregierung, hätten bereits 310 Wölfe erschossen werden sollen. Die Wolfsrisikoverordnung erlaubt diesen Ausrottungsfeldzug. Der Abschuss soll dem Schutz von Menschen und Wildtieren vor dem Wolf dienen. Ein Risikowolf ist ein Wolf, der innerhalb von 200 m an einem menschlichen Gehöft, einer Weide oder einer Wildfütterung vorbeigeht. Der Abschuss ist ohne Genehmigung der Landesregierung erlaubt, wenn es zwei optische oder akustische (zB Klatschen) Vergrämungsversuche gegeben hat. Insgesamt kamen die rund 600 Vergrämungsmeldungen von nur 400 verschiedenen Personen. Nach den Vergrämungen werden alle im Mittel 100 Jagdreviere von der Abschusserlaubnis, die 4 Wochen gilt, informiert, die von einem 10 km Radius um die Vergrämung berührt werden. Der Abschuss dürfte großteils durch Anfüttern erfolgen, wie ein Beispiel aus Liesing im Gailtal belegt, wo 2 Wölfe an einem ausgelegten „Nutztier“-Kadaver gesehen wurden. Die Fütterung wurde sogar von einer Wildkamera gefilmt, offensichtlich damit man weiß, wann man zur Fütterung kommen muss, um die Wölfe anzutreffen.

Länder wie Deutschland, Slowenien und die Schweiz praktizieren dagegen Herdenschutz, typischerweise mit Elektrozaun. Auch ein Kompetenzzentrum in Hermagor im Gailtal informiert darüber, wie solche Zäune errichtet werden. Für Weiden im Tal sind diese Zäune möglich und ausreichend. Auf der Alm hat sich die Behirtung von Schafherden zusammen mit Herdenschutzhunden und einem elektrisch eingezäunten Nachtpferch auch in Kärnten bewährt. Das funktioniert auf jeder Alm, wie Pilotalmprojekte in Tirol zeigen. Auffällig ist jedenfalls, dass Österreich deutlich weniger Wölfe als sämtliche Nachbarländer in den Alpen hat und trotzdem hierzulande wesentlich mehr Wölfe legal geschossen werden. Im Vergleich mit allen anderen Bundesländern ist der Umgang mit dem Wolf in Kärnten am schlimmsten. Deutsche Bundesländer mit bis zu zehnfacher menschlicher Besiedlungsdichte wie Kärnten haben wesentlich mehr Wölfe als Kärnten und trotzdem wurden in Kärnten in 4 Jahren doppelt so viel Wölfe legal erschossen, wie in ganz Deutschland in 25 Jahren.

An der heutigen Pressekonferenz im Südquartier Klagenfurt nahmen DDr. Martin Balluch (VGT), Prof. Dr. Kurt Kotrschal (Wolf Science Center) und Paul Ulrich (Verein „Wölfe in Österreich“) teil.

Pressemappe

Pressefotos (Copyright: VGT.at)

 

01.09.2026, Wien

VGT trauert um Legehennen-Pionier Toni Hubmann

Toni Hubmann war Vorreiter in der Legehennenhaltung, auf ihn gehen die strukturierte Weide, das Ende des Schnabelkupierens, das Sandbad, der Wintergarten und die Einstreu-Nester zurück

31.08.2026, Dalsbu, Island

VGT präsentiert aktuelle Fotos von letzter Pelzfarm in Island – fordert Ende

12.000 amerikanische weiße und schwarze Nerze in winzigen Drahtgitterkäfigen – in Österreich kam bereits 1998 das weltweit erste Pelzfarmverbot und löste europaweit Verbote aus

28.08.2026, St. Pölten-Land

400 Menschen versammeln sich gegen Tierquälerei in Traismauer

Überwältigendes Signal in Traismauer, NÖ, aus der Bevölkerung: Tierleid darf nicht länger toleriert werden

28.08.2026, Wien

Einladung zu Demozug gegen qualvolle Tiertransporte am 29. August 2026

VGT demonstiert für ein Ende des Tierleids auf der Straße und auf hoher See

27.08.2026, St. Pölten-Land

VGT lädt zu Demozug Protest vor Mastbetrieb

Desaströse Haltungsbedingungen, gewaltvoller Umgang, hungernde Tiere – der Fall der Horror-Mast im Bez. St. Pölten-Land hat viele Menschen erschüttert. VGT ruft zum Protest auf, um auf den akuten Handlungsbedarf aufmerksam zu machen.

26.08.2026, St. Pölten-Land

Horror-Mast: Tiere verhungern und Kontrollsysteme versagen

VGT konfrontiert Landwirt vor Betrieb und übt Kritik an den Behörden. Den Tieren vor Ort muss umgehend geholfen werden!

25.08.2026, St. Pölten-Land

Trotz Tierhaltungsverbots: Landwirt misshandelt weiter Tiere im Horrorstall

Verhungernde Tiere und Gewalt in St. Pölten-Land: VGT zeigt sich erschüttert über die Wirkungslosigkeit des Kontrollsystems und startet Petition

20.08.2026, OÖ/NÖ/Kärnten/Bgld

VGT bringt weitere 533 Anzeigen gegen Vollspaltenboden-Schweinefabriken ein

Keine Schweinehaltung ohne Einstreu, d.h. ohne physisch angenehmen Liegebereich, der sauber ist und auf dem alle Schweine gleichzeitig liegen können, entspricht dem Gesetz