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Weltmilchtag: Das versteckte Leid der Mastkälber

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (31.05.2021)

Wien, 31.05.2021

Die Kalbfleisch-Produktion steht in untrennbarer Verbindung zur Milchindustrie. Doch die Probleme der Kälbermast bleiben für viele Menschen ungesehen. Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN klärt mit neuem Bildmaterial auf.

Die Kinder der Milchkühe

Damit Kühe Milch produzieren, müssen sie geschwängert werden und ein Kalb gebären. Mutter und Kind werden in der Regel sofort nach der Geburt getrennt. Die Landwirtschaft argumentiert, dass sich so keine Beziehung zwischen den beiden aufbaut – doch Studien zeigen, dass der Trennungsschmerz für viele Tiere traumatisch ist.1 Um die Milchleistung möglichst hoch zu halten, müssen die Kühe im Schnitt jedes Jahr ein Kalb auf die Welt bringen. Weibliche Kälber werden oft selbst in der Milchproduktion weiterverwendet. Doch männliche Kälber der Milchleistungsrassen sind für die profitorientierte Tierprodukt-Industrie nicht besonders rentabel – sie produzieren keine Milch und eignen sich kaum für die Rindfleisch-Produktion, wo Fleischleistungsrassen verwendet werden.

Der Überschuss an männlichen Milchkälbern wird entweder exportiert oder landet in der Kälbermast in Österreich.

Die Haltung von Kälbern

Neugeborene Kälber müssen bis zu einem Alter von zwei Wochen eine eingestreute Liegefläche zur Verfügung haben. Meistens werden die Kälber in diesem Alter in Einzelboxen oder sogenannten Kälber-Iglus gehalten. Kontakt zur Mutter gibt es für sie nicht. In den Iglus sind die Kälber oft den Witterungen ausgesetzt, besonders feucht-kaltes Wetter und extreme Hitze machen den kleinen Tieren zu schaffen. Später werden die Kälber in Masthallen untergebracht – dort findet sich auch oft Vollspaltenboden. Beschäftigungsmaterial oder Platz zum ausgelassenen Spielen gibt es meistens nicht.

Spaltenboden statt weicher Liegefläche

In vielen Kälbermasten müssen die Jungtiere auf Vollspaltenboden leben. Das bedeutet, dass die gesamte Bodenfläche mit Spalten durchzogen ist, durch die Fäkalien in ein darunterliegendes Güllebecken fließen. Der Boden besteht aus harten Materialien wie Beton – manchmal gibt es Gummiauflagen mit Spalten. Diese sind aber teilweise rutschig und viel härter als eine eingestreute Liegefläche. Stroh oder andere Einstreu-Materialien gibt es in der Vollspaltenbodenhaltung nicht. Die Jungtiere müssen auf dem unbequemen Boden stehen, liegen, schlafen und wiederkäuen. Das ist nicht artgerecht.

Eingriffe und Krankheiten

Rinder entwickeln in den ersten Lebensmonaten ihre Hörner. Vielen Kälbern werden diese jedoch in den ersten Lebenswochen ausgebrannt oder der Hornansatz verätzt. Obwohl der Eingriff nur mehr mit Betäubung und Schmerzmittel durchgeführt werden darf, leiden die Tiere im späteren Leben oft weiterhin an den Folgen des Eingriffes.2 Die Körperstellen bleiben empfindlich.

Bildmaterial aus österreichischen Kälbermasten zeigt zudem starke Probleme mit Krankheiten. In mehreren Betrieben wurden Kälber mit Hautkrankheiten entdeckt (vermutlich Pilzinfektionen). Oft leiden die Kälber auch an Durchfall. Das Zusammenbringen von Kälbern aus vielen verschiedenen Milchbetrieben schafft ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Der Stress und die Umstellung belasten das Immunsystem der Jungtiere.

Artwidrige Ernährung

Normalerweise trinken Kälber die Muttermilch aus den Eutern ihrer Mamas – doch diese Milch soll für den menschlichen Konsum verwendet werden. Deshalb werden Kuh und Kalb getrennt gehalten und die Kälber bekommen meistens Mischungen, die als Milchaustauscher bezeichnet werden. Dieser Austauscher besteht meistens aus Wasser, Emulgatoren und verschiedenen Fetten und Pulvern. Trinken müssen sie diese Flüssigkeiten aus Nuckeltränken und Maschinen.

Natürlicherweise beginnen Kälber auch rasch Raufutter zusätzlich zur Muttermilch aufzunehmen. Gesetzlich ist in Österreich auch vorgeschrieben, dass Kälber ab der zweiten Lebenswoche Raufutter bekommen müssen. Das ist sehr wichtig für die Verdauung und die Entwicklung der Kälber. In einigen Kälbermasten bekommen die Tiere jedoch Schrot-Stroh-Mischungen, die eher Kraftfutter als natürlichem Raufutter ähneln.

Getötet für den Konsum

Mit weniger als sechs Monaten werden die Milchkälber getötet. Ihre Körper werden zerteilt und als Kalbfleisch verkauft. Die meisten Kälber durften nie Gras berühren oder mit ihren Müttern kuscheln. Sie wurden in Hallen und Buchten gehalten.

Selbst wenn die Nachfrage nach dem Fleisch von Kälbern sinkt, werden weiterhin genauso viele Milchkälber anfallen, die in der Milchproduktion nicht gebraucht werden. Deshalb muss auch der Konsum von Kuhmilch und Kuhmilchprodukten hinterfragt werden, wenn das Leid der Kälber reduziert werden soll!


Am 1. Juni ist Weltmilchtag. Tierschutz bedeutet auch das Hinterfragen von eigenen Konsumentscheidungen. Uns ist es wichtig, Einblicke in die Systeme der Tiernutzung zu liefern, damit die Menschen wissen, was hinter den Kulissen passiert, sagt VGT-Aktivistin Lena Remich. Die Trennung von Mutter und Kind, Eingriffe und Krankheiten, die häufige Haltung auf Spaltboden, der Tod mit nur wenigen Monaten Lebensalter - all das ist die Realität in der Kälbermast. So etwas kann ein tierlieber Mensch nicht unterstützen!


 

1 Wagner, Kathrin et al.: Effects of mother versus artificial rearing during the first 12 weeks of life on challenge responses of dairy cows, in: Applied Animal Behavior Science Vol. 164, März 2015

2 D. Casoni et al.: Can disbudding of calves (one versus four weeks of age) induce chronic pain?, in: Physiology and Behaviour, Vol. 199, Februar 2019, S. 47-55


Pressefotos frei zum Abdruck (Copyright: VGT.at)

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