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Wespen: wunderbare Wesen

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (31.08.2022)

Wien, 31.08.2022

Zu Unrecht gejagt, verfolgt und getötet: ein Plädoyer für mehr Wespenschutz

Im Sommer werden die Gartensessel ausgepackt, die Mahlzeiten ins Freie verlegt und verlockende Köstlichkeiten ziehen auch diverse Insekten an. Darunter natürlich auch Wespen, die besonders bei Allergiker:innen in Verruf sind. Ein Stich könnte eine ungewünschte Reaktion auslösen, doch für viele ist schon die bloße Anwesenheit der gelbschwarz gestreiften Tiere angstauslösend. Viele wissen sich dann nur noch mit Todesfallen oder „Fliegenklatschen“ zu helfen. Doch das ist illegal, weiß VGT Campaignerin Heidi Lacroix: Ich habe Verständnis, dass Allergiker:innen die Anwesenheit von Stechinsekten stresst. Kein Verständnis habe ich aber, wenn die Tiere in grausamen Fallen umgebracht werden, denn das haben sie nicht verdient. Und es verstößt gegen das Tierschutzgesetz, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen.

Zu Unrecht unbeliebt

Wespen sind auch keine „gemeinen Killer"– im Gegenteil. Es sind sehr soziale Tiere, die unsere gedeckten Tische hauptsächlich aufsuchen, um Nahrung für ihre Brut zu beschaffen. Während Bienen aufgrund zahlreicher Kampagnen einen viel höheren Beliebtheitsstatus in der Allgemeinbevölkerung genießen, werden Wespen oft sehr negativ dargestellt. Verstärkt wird das durch die reißerische Berichterstattung in Gratis-Medien („Killer-Wespen, „Wespen-Jahr“ und Attribute wie aggressiv, gefährlich etc. verstärken das zu Unrecht schlechte Image.

Was können Wespen

Dabei sind Wespen nicht nur sehr faszinierende, sondern auch sehr nützliche Tiere. Zum Beispiel als Jäger:innen von in der Landwirtschaft unbeliebten Insektenarten. Oder auch als Bestäuber:innen von Kulturpflanzen. Wie groß ihre Rolle als Bestäuber:innen ist, ist bis dato aber wenig erforscht. Prof. Seirian Summer schreibt in ihrem Aufsatz „Wasps: why I love them, and why you should, too“, dass es über hundert Pflanzen gibt, die ausschließlich von Wespen bestäubt werden können, darunter z.B. einige Orchideenarten. Die antimikrobielle Wirkung ihrer Körperflüssigkeiten ist für die medizinische Forschung von Bedeutung und Mastoparan, das im Stachelgift enthalten ist, hat eine tödliche Wirkung auf Krebszellen, was den Menschen schon bald von großem Nutzen sein könnte. Auch hier steht die Forschung noch am Anfang. Und wie jedes andere Tier auch ist die Wespe ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems. Sie sind wichtige Umweltanzeiger, zersetzen Abfälle und sind sekundäre Samenverbreiter!

Schutz-Maßnahmen für die Tiere

Wie den meisten anderen Tieren macht auch der Wespe der Klimawandel sehr zu schaffen. In heißen Sommern sinkt das Nahrungsangebot an Blüten und die Wespen sind oft auf Ausflüge in unsere Gärten angewiesen, um zu überleben. Du kannst ihnen helfen, indem du Trinkwasserschalen bereitstellst, auf Chemie im Garten verzichtest und auf möglichst naturnahe Gartenbepflanzung setzt. Regentonnen gehören grundsätzlich abgedeckt, sie sind eine Todesfalle für viele Tierarten.

Wespen vertreiben

Um Wespen davon abzuhalten, ein Nest an unerwünschten Orten zu bauen, kann Nest-Attrappen anbringen. Wer die Angst vor den Wespen nicht überwinden kann, kann durch verschiedene Maßnahmen ihre Aktivität am gedeckten Tisch einschränken. Im Internet finden sich zahlreiche natürliche Abwehrmethoden wie brennendes Kaffeepulver, ätherische Öle oder Nelken. Manche schwören darauf, andere bestreiten die Wirkung. Was auch helfen könnte sind Ersatzfutterstellen. Weitab vom Menschenessplatz eine Futterquelle installieren, die regelmäßig befüllt wird. So bleiben die Wespen am ihnen zugeteilten Platz und stören nicht beim Essen.

Wer ein für ihn unliebsames Wespennest im Garten hat, ist angehalten, Kontakt mit einem örtlichen Natur-/Tierschutzverein aufzunehmen. Nester müssen nicht zerstört werden, oft gelingt eine Umsiedelung. Meist ist aber eine friedliche Koexistenz ohne irgendwelche Probleme möglich! Wenn die Nächte im Herbst kälter werden, sterben Arbeiterinnen und Drohnen, das Nest wird im nächsten Jahr nicht wiederbesiedelt. 


Ryan E. Brock et al.: Ecosystem services provided by aculeate wasps, in: Biological Reviews Vol 96, Issue 4

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