Wien, 27.01.2026
Das 42. Mal seit 1983 nutzten Tierschützer:innen den Ball trotz illegaler „Platzhalterdemo“ mit viel Energie, um die zahlreichen Missstände bei der Jagd zu kritisieren
Wo fängt man damit an, die Kritikpunkte an der Jagd aufzuzählen? Zügellose Abschüsse von Haustieren, sogar wenn die Betreuer:innen direkt daneben stehen, die grausame Fallenjagd, Treibjagden auf Feldhasen trotz Myxomatose, völlig sinnlose Massaker an Füchsen – auch bei der Baujagd, und natürlich das Aussetzen in Massentierhaltung gezüchteter Fasane und Enten, sowie die Gatterjagd, um nur einige Themen zu nennen, zeichnen die Jagd in Österreich aus. Wölfe werden angefüttert und abgeknallt, auch Fischotter und Biber werden gnadenlos verfolgt, dazu ballert man als gäbe es kein Morgen auf aussterbende Tierarten wie Auerhahn und Birkhahn und Vieles mehr. Dagegen richtete sich gestern spätabends die Wut aller tierschutzaffinen Personen, die jetzt schon seit 1983 jedes Jahr den Jägerball in der Wiener Hofburg zum Anlass nehmen, diese auszudrücken. Ja ja, nicht alle Ballgäste sind Jäger:innen, aber wann denn schon versammelt sich die bundesweite Jägerschaft an einem Ort, um mit ihrem Fehlverhalten konfrontiert werden zu können?
„Hände weg, Hände weg von Tieren!“ und „Blut, Blut, Blut an euren Händen!“ waren die lauten Sprechchöre von 100 Teilnehmer:innen der Demo gegen die Jagd am Heldenplatz vor dem Ballsaal. Dabei konnten die Tierschützer:innen erst ab 21:30 Uhr an den Platz neben dem Eingang zur Hofburg vorrücken, wo sie ihre Kundgebung eigentlich angemeldet hatten, weil die Jägerschaft in verfassungs- und gesetzwidriger Weise dort eine Platzhalterdemo angemeldet hatte und auf eine Sperrzone pochte. Diese „Demo“ bestand aus 3 gelangweilten Personen, die dort offensichtlich gegen Geld herumstanden und definitiv keine Versammlung nach dem Versammlungsrecht abhielten. Eine Pseudodemo ausschließlich deshalb anzumelden, um echte Kritik zu verhindern, haben die Landesverwaltungsgerichte in der Steiermark, sowie in NÖ und OÖ bereits für rechtswidrig erklärt. Das konnte die laute Gruppe von Tierschützer:innen aber nicht davon abhalten, eben in 50 m Entfernung ihre Kundgebung zu beginnen und erst, nachdem die drei Alibidemonstrant:innen weg waren, zum Eingang in die Hofburg vorzugehen.
VGT-Obperson DDr. Martin Balluch war bei der Demo dabei: „Es gibt so viele Missstände bei der Jagd in Österreich, dass es abendfüllend ist, sie alle aufzuzählen. Die Jagd hierzulande zeichnet auch noch aus, dass sie die politischen Fäden zieht. Bis in die höchsten Kreise fraternisiert man sich beim gemeinsamen Abknallen empfindungsfähiger Lebewesen. Das macht Österreich im internationalen Vergleich zum Skandal: bei uns gibt es kein politisches Vorwärtskommen, ohne dieser tierquälerischen Gilde anzugehören. Und entsprechend schwierig ist es, auch nur den kleinsten Fortschritt bei den 9 Landesjagdgesetzen zu erzielen. Warum müssen z.B. Schnepfen geschossen werden! Soll der Spaß am Abschuss dieser harmlosen kleinen Tiere wirklich eine ausreichende Begründung sein, diesen Wesen das Leben zu nehmen? Das Tierschutzgesetz ist eindeutig: kein Tier darf ohne guten Grund getötet werden. Nur hat sich die mächtige Jägerschaft bereits 2005, bei der Einführung des Bundestierschutzgesetzes, die Ausnahme eingeräumt, dass der Tierschutz für die Ausübung der Jagd nicht gilt. Deshalb wäre ein Bundesjagdgesetz notwendig, das voll dem Gedanken des Tierschutzes Rechnung trägt und endlich mit allen Missständen aufräumt, die in einem Land mit Tierschutz als Staatsziel im Verfassungsrang längst in den Mistkübel der Geschichte gehören!“
Pressefotos (Copyright: VGT.at)