Teilen:

Spiridon II-Exporteur Klinger einer der Hauptakteure auf österreichischen Rinder-Versteigerungen

Jagenbach, 25.03.2026

Waldviertler Firma exportiert regelmäßig Kalbinnen in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten wie Algerien

In Österreich finden circa wöchentlich Versteigerungen statt, auf denen Milchbetriebe Rinder und Kälber verkaufen. Marktberichte zeigen, dass auch die Firma Klinger aus dem Waldviertel regelmäßig Exportankäufe schwangerer Kalbinnen für Langstreckentransporte auf Versteigerungen, vorwiegend in Nieder- und Oberösterreich, tätigt. Das Ziel dieser Langstreckentransporte sind auch Tierschutz-Hochrisikostaaten wie Algerien. Wie vorgestern Abend vom ORF berichtet wurde, soll die Exportfirma für die Tragödie, die sich im November auf dem Tiertransportschiff Spiridon II ereignet hat, verantwortlich sein.(1)

Klinger gehört zu den Firmen, die die meisten „trächtigen Kalbinnen“ von österreichischen Milchbetrieben ankaufen. „Kalbin“ ist der Fachbegriff für ein weibliches Rind, das noch kein Kalb zur Welt gebracht hat. Sie werden schwanger verkauft, damit möglichst bald nach der Ankunft ihre Kälber geboren werden und die Milchproduktion beginnt. Die männlichen Kälber werden meist gemästet und getötet, die weiblichen werden später meist auch zur Milchkuh und letztendlich auch getötet. In sogenannten „Tierschutz-Hochrisiko-Staaten“ erfolgt die Tötung ohne Betäubung.

Marktberichte von Rinderzuchtverbänden aus Nieder- und Oberösterreich verdeutlichen die Rolle Klingers im Handel mit österreichischen Rindern: So steht im Versteigerungsbericht vom 10.3.2026 in Ried: „Bei der Versteigerung der trächtigen Kalbinnen wechselten 202 Tiere den Besitzer. Die Exportquote betrug fast 100 Prozent. Von den Firmen Klinger und Schalk wurden Kalbinnen für den Export nach Algerien angekauft.“(2) Die NÖ Genetik schreibt über die Versteigerung am 4.3.2026 in Bergland: “Bei den Kalbinnen sorgten die Firmen Klinger, Schalk und Landvieh mit Exportankäufen für Algerien und Italien für einen ansprechenden Absatz(3). Und der aktuellste Marktbericht(4) aus Regau vom 16.3.2026 zeigt, dass Versteigerungen extra verschoben werden , “um die aktuell gute Vermarktungssituation für trächtige Kalbinnen bestmöglich auszunutzen.“ „Speziell die trächtigen Fleckviehkalbinnen waren wieder sehr stark von den Exportfirmen Schalk und Klinger nachgefragt. Die klein- bis mittelträchtigen Kalbinnen, welche für den Export angekauft wurden, erzielten einen Durchschnittspreis von € 2.993,-.“ Auch die Versteigerung im Februar in der Berglandhalle wurde „Aufgrund eingeschränkter Absatzmöglichkeiten bei den trächtigen Kalbinnen“(5) extra um 2 Wochen verschoben.

Einer der Hauptkritikpunkte an Exporten in Tierschutz-Hochrisikostaaten wie Algerien oder der Türkei – neben der langen Transportdauer – ist, dass Schlachtungen ohne Betäubung dort üblich sind. Erst letztes Jahr hat der VGT schockierende Aufnahmen vom türkischen Opferfest Kurban Bayrami veröffentlicht. Bis zum Auftreten der Blauzungenkrankheit im September 2024 war die Türkei das wichtigste außereuropäische Exportland für österreichische Kalbinnen. Danach wurde Algerien zur neuen Top-Destination außerhalb der EU. Letztes Jahr wurden 8.860 Rinder per LKW und Schiff nach Algerien exportiert.(6)

VGT-Campaignerin Isabell Eckl: „Obwohl den heimischen Landwirt:innen bekannt ist, dass Exporteure wie Klinger schwangere Rinder in Tierschutz-Hochrisiko-Staaten exportieren, werden auf Versteigerungen kaum Exportankäufe ausgeschlagen. Dass die Tiere auf Schiffen oder bei der Schlachtung ohne Betäubung leiden müssen, ist offenbar nebensächlich, solange der Erlös stimmt. Die mutmaßliche Verantwortlichkeit von Klinger für den Tod unzähliger Rinder und Kälber auf der Spiridon II lässt jedenfalls auch für österreichische Tiere nichts Gutes erahnen. Die Exportfirma muss für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden. Eine Tragödie, wie sie sich im November auf dem inzwischen weltbekannten Tiertransportschiff zugetragen hat, darf nicht noch einmal passieren.“

Der VGT fordert in einer Petition unter anderem eine maximale Transportdauer von acht Stunden für ausgewachsene Rinder, was das Ende der Exporte in Tierschutz-Hochrisikostaaten bedeuten würde.

Pressefotos (Copyright: VGT.at)

 

Quellen:

1 ORF.at: Österreicher hinter tödlichem Tiertransport [25.3.2026] 

2 https://www.fih.at/vermarktung/marktberichte/26_03_10_preisspitze-ueberschritten!-15827.html

3 https://www.noegenetik.at/news/artikel/marktbericht-versteigerung-bergland-1

4 https://www.rzo.at/aktuelles/news/283-regau-zuchtvieh-16032026-kalbinnen-weiterhin-stark-nachgefragt

5 https://www.noegenetik.at/news/verschiebung-der-jaenner-versteigerung-in-bergland

6 https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/dam/jcr:6614de80-92fd-4848-aa2e-2e677e8c54fb/2025_TRACES_AUT.pdf

08.07.2026, Wien/EU

VGT begrüßt neue EU-Strategie zu „Nutztieren“, mahnt aber Umsetzung ein

EU will die Tötung von Kücken und die Käfighaltung von Hühnern verbieten, sowie Tierwohl-indikatoren für Masthühner und ein Verbot von Kastenständen für Mutterschweine einführen

08.07.2026, Wien

Demozug gegen Tiertransporte am 29. August 2026

Gemeinsam für ein Ende des Tierleids auf der Straße und auf hoher See!

07.07.2026, Wien

„End the Cage Age“ – Ende des Käfigzeitalters gefordert

Heuer nähert sich bereits der 5. Jahrestag des Versprechens der EU-Kommission, die Käfighaltung zu beenden. Der VGT und VIER PFOTEN fordern keine weiteren Verzögerungen.

07.07.2026, Wien

Wolfstötungen in Österreich: offizielle Beschwerde bei EU-Kommission aus Italien

Tötungen zweier nachweislich harmloser Wölfe mit GPS-Halsband aus Italien in Kärnten (Feb 2026) und jetzt in Tirol – Beschwerde 25 internationaler Natur- und Tierschutzorganisationen.

26.06.2026, Wien

VGT fordert anlässlich Hitzewelle: Keine Fiakerfahrten in Wien

Die momenanten Regelungen reichen nicht aus, um Pferde vor der Hitze zu schützen.

24.06.2026, Wien

Es sieht nicht gut aus für Wassertiere

Die Welternährungsorganisation hat einen Fischereibericht veröffentlicht. Tierschutz kommt darin nicht vor.

23.06.2026, Wien

EU: Tierschutz-NGOs fordern Ende des Käfigzeitalters

VGT und VIER PFOTEN erinnern die EU-Kommission an ihr Versprechen für ein Ende der Käfighaltung. Es beginnt ein 100-tägiger Countdown zur erwarteten Vorlage der Gesetzesentwürfe

22.06.2026, Wien

15. Tierschutzlauf

Passend zum Welttierschutztag findet am 4. Oktober 2026 der Wiener Tierschutzlauf der Veganen Gesellschaft Österreich auf der Prater Hauptallee in Wien statt.