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Es sieht nicht gut aus für Wassertiere

Die Welternährungsorganisation hat einen Fischereibericht veröffentlicht. Tierschutz kommt darin nicht vor.

Am 16. Juni hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Welternährungsorganisation oder FAO) den Bericht "The State of World Fisheries and Aquaculture 2026" (Der Zustand der weltweiten Fischerei und Aquakultur 2026) veröffentlicht.1

Die Präsentation der Daten aus dem Jahr 2024 stimmt nachdenklich, denn hinter der nüchternen Auflistung der Millionen von Tonnen an Fischen und anderen Wassertieren, die aus den Meeren und Binnengewässern gefischt oder in Aquakultur gezüchtet wurden, steht immenses Leid von Milliarden von Wassertieren. In dem Bericht wird weder erwähnt, dass die derzeit weltweit üblichen Fischereimethoden tierquälerisch sind, noch, dass es bei den meisten Methoden der Zucht von Wassertieren (Aquakultur) zu massiven Tierschutzproblemen kommt. Da drängt sich die Frage auf: Ist der Schutz von Wassertieren für die FAO kein Thema?

Viel Wassertierleid durch die Fischerei

Einige Zahlen: 92 Millionen Tonnen (t) Wassertiere wurden 2024 weltweit aus Gewässern gefischt. 80 Millionen davon stammten aus Meeren, 12 Millionen aus Binnengewässern (Flüsse, Seen, Teiche). Die fünf Hauptfischarten waren die peruanische Sardelle (Engraulis ringens) mit 5 Millionen t, der Echte Bonito (Katsuwonus pelamis) mit 3,6 Millionen t, der Pazifische Pollack (Gadus chalcogrammus) mit ebenfalls 3,6 Millionen t, der Blaue Wittling (Micromesistius poutassou) mit 1, 8 Millionen t und die Pazifische Sardine (Sardinops sagax) auch mit 1,8 Millionen t. Die fünf größten Fischereiländer waren China, Indonesien, Peru, die Russische Föderation und Indien. 3.900 (!) unterschiedliche Wassertierarten wurden befischt.

 

Dass die tierquälerische Fischerei auch Österreich betrifft, zeigen einige VGT-Webartikel. In „Viel Tierleid im Fischstäbchen“ werden die Importe von Fleisch von Pazifischen Pollacks nach Österreich und die tierquälerische Schleppnetzfischerei, mit der diese Fische hauptsächlich gefangen werden, thematisiert.2 Echter Bonito ist auch der "Lieblingsthunfisch" der Österreicher:innen. Anlässlich des diesjährigen Welt-Thunfischtages informierte der VGT neben den Importmengen von Thunfisch nach Österreich über die tierquälerischen Aspekte der Fischerei auf Thunfische.3

 

Noch mehr Wassertierleid durch die Fischzucht

"Die Aquakultur von Wassertieren erreichte 2024 mit 103 Millionen Tonnen einen neuen Produktionsrekord", ist im FAO-Bericht zu lesen. Das beweist, dass bereits mehr Wassertiere in Aquakultur gezüchtet, als aus den Meeren gefischt werden. China, Indien, Indonesien, Vietnam und Bangladesch "produzierten" die größten Mengen von Wassertieren. Zirka 62 Millionen t stammten aus Binnengewässern. Aquakulturbetriebe im Meer züchteten etwa 38 Millionen t Wassertiere. Unter den Wassertieren wurden vorwiegend Fische gezüchtet (89 Prozent), gefolgt von Krebstieren (9 Prozent), Wasserschildkröten und Fröschen (1 Prozent), Weichtieren (0,3 Prozent) und anderen Wirbellosen (0,1 Prozent). Die fünf Hauptarten in der Zucht waren die Weißfußgarnele (Litopenaeus vannamei), mit 7,7 Millionen t, der Graskarpfen (Ctenopharyngodon idella) mit 6,4 Millionen t, der Nilbuntbarsch (Oreochromis niloticus) mit 5,6 Millionen t, der Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) mit 5,3 Millionen t und die Catlabarbe (Catla catla) mit 4,8 Millionen t.

 

Der Graskarpfen ist der weltweit am häufigsten gezüchtete Fisch in Aquakultur. 6,4 Millionen t waren es im Jahr 2024.

Mehr als 21,38 Millionen Tonnen Fischmehl wurden im Jahr 2024 erzeugt.

Weil Menschen Wassertiere essen

Der Hauptgrund für die immense systematische Wassertierquälerei bei Fischerei und Fischzucht ist die Herstellung von Nahrungsmittel für den menschlichen Verzehr. Etwas mehr als 173 Millionen t (89 Prozent) aller gefangenen und gezüchteten Wassertiere mussten 2024 dafür ihr Leben lassen. Interessant ist außerdem, (Zitat) "die verbleibenden 11 Prozent (Anmerkung: das sind umgerechnet zirka 21, 38 Millionen t) werden hauptsächlich zur Herstellung von Fischmehl und Fischöl verwendet". Die Tierschutzprobleme im Zusammenhang mit der Herstellung von Fischmehl und Fischöl wurden in einem VGT-Webartikel im April 2025 erläutert.4

Die Blaue Transformation

200 Seiten umfasst der Bericht "The State of World Fisheries and Aquaculture 2026". Er ist Teil der Umsetzung der von der FAO initiierten Aktion "Blue Transformation" (= Blaue Transformation). Ein ehrgeiziges Projekt. Zitat: "Die Blaue Transformation skizziert eine Vision zur Erweiterung aquatischer Nahrungssysteme und zur Steigerung ihres Beitrags zu besserer Produktion, besserer Ernährung, einer besseren Umwelt und einem besseren Leben ....".5 Das klingt gut und sinnvoll, aber wieso ist nirgendwo vom besserem Schutz von Wassertieren die Rede? 

Blaue Transformation ohne Leiden und Qualen von Wassertieren

Die FAO lädt ein, die Blaue Transformation gemeinsam zu gestalten: "Indem wir unsere aquatischen Ernährungssysteme neu denken, können wir den Weg für eine bessere Zukunft ebnen, in der unser Handeln den Bedürfnissen heutiger und zukünftiger Generationen entspricht....Schließen Sie sich der Blauen Transformation an und gestalten Sie diese transformative Reise mit". Das macht der VGT. Indem wir die Stimme für die Milliarden Wassertiere erheben, die bei Fischerei und Aquakultur gequält werden. Indem wir uns für den Schutz und die Rechte der Wassertiere einsetzen. Die Blaue Transformation sollte ohne Leiden und Qualen von Milliarden von Wassertieren realisiert werden.

Der Hauptgrund für die immense systematische Wassertierquälerei bei Fischerei und Fischzucht ist die Herstellung von Nahrungsmittel für den menschlichen Verzehr.

Mag. Erich Schacherl, VGT-Campaigner für Fische und andere Wassertiere