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Bericht von der 14. Österreichischen Jägertagung

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (03.02.2008)

Wien, 03.02.2008

350 JägerInnen versammelten sich, um erstaunlich offen über die gesellschaftliche Kritik an der Jagd zu diskutieren

350 JägerInnen versammelten sich, um erstaunlich offen über die gesellschaftliche Kritik an der Jagd zu diskutieren

„Für die Jagd ist es 5 vor 12“. Mit diesen Worten wurde die Diskussion auf dieser 14. Österreichischen Jägertagung in Aigen in der Obersteiermark eröffnet. In der Gesellschaft werden Tiere zusehends mehr respektiert, Tierschutz gewinnt an Wert, Tiere sind keine Sachen mehr. Die konservative Jagd mit ihrer überalterten Jägerschaft sieht sich zunehmend mehr berechtigter Kritik gegenüber. Das Töten von Tieren aus Leidenschaft oder für Trophäen ist nicht mehr mit dem neuen Tierschutzverständnis vereinbar. Würde heute eine Abstimmung über die Jagd stattfinden, wäre die Mehrheit für ihre Abschaffung – war die Meinung einiger Vortragender aus den Reihen der Jägerschaft selbst. Deshalb trafen sich rund 350 JägerInnen am 31. Jänner und 1. Februar 2008, um über Möglichkeiten der Neupositionierung zu sprechen. Mit von der Partie war eine Reihe von TierrechtlerInnen, die sich gerade vom Thema der Tagung „Jagd und Jäger im Visier“ angesprochen fühlten.

Mit überraschender Offenheit wurde Kritik an der Jagd zugelassen. Die Vortragenden aus den Fachbereichen „katholische Ethik“, „Tierschutz“ und „Naturschutz“ stellten zwar die Jagd an sich nicht in Frage, geizten aber auch nicht mit konkreter Kritik. Vom christlichen Standpunkt aus sei eine Jagd nur berechtigt, wenn sie nachhaltig betrieben würde und der Nahrungsmittelbeschaffung diene – allein schon diese 2 Bedingungen schließen aber die Mehrheit der Jagdpraktiken aus. Der Tierschutzombudsmann aus Tirol meinte, dass es schwer zu begründen sei, warum die Jagd aus dem Tierschutzgesetz ausgenommen ist. Und die Sprecherin vom Naturschutzbund bekrittelte die Übergriffe von JägerInnen auf gefährdete Arten.

Am radikalsten aber trat eine Waldbesitzerin aus Kärnten gegen die Jagd auf: „Die [durch die Überfütterung seitens der JägerInnen] aus dem Gleichgewicht gebrachte Wildpopulation verändert sich durch Verbiss, Fegen und Schälen selbst ihren eigenen Lebensraum. Ihr massenhaftes Auftreten, ihre Äsungsgewohnheiten und ihr Verhalten führen zur Destabilisierung der Wälder, zu einem Waldsterben von unten, zur selektiven Ausrottung einzelner Mischbaumarten und Sträucher. […] Derart geschädigte Wälder können ihre Funktionen nicht mehr ausüben. Die Kosten für die Sanierung solcher Schutzwälder muss dann die Öffentlichkeit tragen.“ Dazu zeigte sie einige Fotos von Schäden in ihrem Wald und betonte, dass ihre Aussagen für ganz Österreich gelten würden. Unmissverständlich forderte sie die Jägerschaft auf, die Wildpopulationen nicht mehr künstlich hoch zu halten.

Bei vielen JägerInnen gewann man aber den Eindruck, dass sie diese Kritik nicht erreichte. Man wollte am althergebrachten festhalten, und forderte lieber, dass die Jagd Verfassungsschutz bekommen und mehr JägerInnen in die Politik gehen sollten, damit die Jagd nicht durch Gesetze eingeschränkt würde. Zusätzlich müsse die Jagd zu den Kindern an die Schulen getragen werden, der Jägerschaft ginge der Nachwuchs aus. Die österreichische Bundesregierung sei aber international eine Speerspitze des Jagdschutzes und der Innenminister würde schon sicherstellen, dass kein zu scharfes Waffengesetz die Waffenleidenschaft der JägerInnen durch Einschränkung des Zugangs behindere.

In einer Abschlussrunde mit MedienvertreterInnen wollte man eine neue PR-Strategie für Jagdpropaganda entwerfen. Die Jagd solle ein weiblicheres und jüngeres Image bekommen. Da aber von den 350 anwesenden JägerInnen nur rund 10 weiblich waren, der Altersschnitt zwischen 50 und 60 lag, und bestenfalls eine handvoll TeilnehmerInnen unter 25, aber eine große Zahl über 70 Jahre alt war, scheint das aber ein hoffnungsloses Unterfangen. Das ist wohl der augenscheinlichste Unterschied zwischen der Tierrechtsbewegung und der Jägerschaft: die Jugend und die Frauen sind zweifellos auf unserer Seite!

Sehen Sie Jagd & Jäger/innen kritisch? Sind Ihnen Fasanerien, Treibjagden, der Eingriff in die Natur mit dem Schießgewehr ein Dorn im Auge? Verleihen Sie Ihrer Ablehnung Ausdruck und kommen Sie zur
Jägerballdemo:

Freitag, 29. Februar 19:30 – ca. 22:30
Hauptplatz 9, 2700 Wr. Neustadt, vor dem Sparkassensaal


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