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Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (12.04.2010)

Wien, am 12.04.2010

Offener Brief an Umweltminister Nikolaus Berlakovich

Klare Position zum Artenschutz statt klammheimliche Aufweichung des Elfenbeinhandelsverbots

 

Sehr geehrter Herr Umweltminister,

Glaubwürdigkeit und Aufrichtigkeit zählen für die allermeisten Menschen zu den wichtigsten Eigenschaften eines Politikers – speziell, wenn er sich in Regierungsverantwortung befindet.

Mit großer Verwunderung, Enttäuschung und Betroffenheit mussten BürgerInnen sowie Tier- und Umweltschutzorganisationen zur Kenntnis nehmen, dass Sie in Fragen des Artenschutzes offenbar ein doppeltes und falsches Spiel spielen.

Während Sie in ihrer öffentlichen Selbstdarstellung sich als entschiedener Artenschützer geben, der aus gegebenem Anlass etwa auch die Interessen der seltenen afrikanischen Elefanten vertreten hätte, spricht die Weise Ihres Agierens bzw. das der Vertreter Ihres Ministeriums auf der CITES Artenschutzkonferenz in Doha, Katar, im März 2010 eine ganz andere Sprache.

Insbesondere Ihre Aussage in einer Pressemitteilung vom 25.März, Sie hätten sich dafür eingesetzt, dass die Schutzstufe für Elefanten nicht aufgeweicht werde, verdient besondere Aufmerksamkeit und Hinterfragung, da diese so ziemlich das genaue Gegenteil dessen zu suggerieren versucht, was Ihre tatsächliche Schlagseite und Linie in den Verhandlungen war.

Hatte Österreich in früheren derartigen Konferenzen traditionell eine starke und fortschrittliche Position im Artenschutz eingenommen, ist in den letzten Jahren und insbesondere auch unter Ihrer Ägide eine besorgniserregende Kehrtwendung dieser Linie zu beobachten.

Während Sie sich rühmen, sich im Sinne des Artenschutzes eingesetzt zu haben, hat sich Ihr Vertreter bei der Artenschutzkonferenz, der österreichische CITES-Delegierte Dr. Max Abensberg-Traun, in Wahrheit massiv um eine Konterkarierung des Elefantenschutzes in den afrikanischen Staaten Tansania und Sambia bemüht.

Im Oktober 2009 reichten die beiden Länder Anträge ein, um auf der Artenschutzkonferenz 2010 ihre Elefantenbestände von einem kategorischen Handelsverbot (CITES Anhang 1) in „kontrollierten Handel“ (CITES Anhang 2) herunter zu stufen, um den Export von Elfenbein möglich zu machen, und das, obwohl bereits Ende 2009 alle vorhandenen Informationen nahe legten, dass keiner der beiden Staaten über einen annähernd adäquaten Artenschutz(vollzug) verfügt. Genau das wäre aber die unabdingbare Voraussetzung der CITES-Konvention des Washingtoner Artenschutzabkommens für besagte Herabstufungen und Aufweichungen im Handel mit Elfenbeinprodukten.

Neben zahllosen Natur- und Artenschutzorganisationen sprachen sich auch namhafte WissenschaftlerInnen sowohl im Rahmen der Konferenz als auch in zahlreichen Publikationen gegen eine Liberalisierung der Handelsverbote aus, darunter eine Veröffentlichung von 27 Elefanten-ExpertInnen im renommierten Wissenschaftsmagazin „Science“: http://www.sciencemag.org/cgi/content/short/327/5971/1331

Wieso setzen Sie sich – noch dazu in dieser doppelbödigen Weise - über die Meinung dieser Fachleute hinweg?

Etwa mit der vom „Lebensministerium“ am 18. Dezember 2009 veröffentlichten „Österreichischen Position für Verhandlungen [zum Artenschutz]“, welche die Anträge Tansanias und Sambias positiv bewertete (O-Zitat daraus: „Grundsätzlich
betrachten wir die Kriterien für eine Herunterlistung als erfüllt […]“)

Ihr Vertreter bei der Artenschutzkonferenz war im Zuge verschiedener EU-Sitzungen vor und während der Artenschutzkonferenz eifrigst bemüht, eine Zustimmung der Europäischen Union zu einer Lockerung des Elefantenschutzes zu erreichen.

Auch die kurz vor der Konferenz veröffentlichten Sachverständigengutachten konnten Sie nicht beeindrucken, obwohl Sie deren Berücksichtigung am 18.Dezember noch vollmundig angekündigt hatten. Diese neuen erschütternden Berichte bestätigten einmal mehr die massiven Missstände und alarmierenden Entwicklungen – insbesondere im Hinblick auf den Vollzug des Artenschutzes - in beiden Ländern. So wurde in Tansania in nur drei Jahren der Elefantenbestand um 34.000 Tiere dezimiert, in Sambia existieren heute nur noch etwa 26.000 Elefanten, dies sind nur 16 % (!) des Bestandes von 1981. Von einer Überpopulation kann also absolut keine Rede sein, die Fakten sprechen vielmehr und eindeutig für das Fortbestehen des grundsätzlichen Elfenbein-Handelsverbots.

In einer Zeit, wo weltweit zigtausende Tierarten akut vom Aussterben bedroht sind, ist eine Aufweichung im Artenschutz bei einem Symboltier für den Naturschutz wie dem Elefanten ein denkbar unangebrachtes, anachronistisches Signal.

„Wir müssen die Wunder der Schöpfung für unsere Kinder bewahren“, haben Sie selbst Ihre Teilnahme an österreichischen Artenschutzprojekten kommentiert. Es ist schön, dass Sie in Österreich Projekte zum Schutz von Tier- und Pflanzenarten unterstützen.

Umso unverständlicher ist es aber, dass Sie ein einzigartiges Tier wie den Elefanten zum Abschuss freigeben wollen.

Bitte überdenken Sie im Interesse der betroffenen Tiere und zukünftiger Generationen von menschlichen ErdenbürgerInnen, welche die majestätischen Tiere nicht ausschließlich aus (Natur)geschichtsbüchern kennen lernen wollen, Ihre bisherige Position.

Und falls Sie sich dazu wirklich nicht imstande sehen sollten, dann stehen Sie bitte offen dazu, dass Sie die seltenen Tiere zur Jagd freigeben und damit dem Aussterben einer so wundervollen Tierart aktiv Vorschub leisten wollen.

Nicht nur TierfreundInnen, Natur- und Artenschutz-NGOs, sondern auch die österreichischen WählerInnen wären Ihnen für diese Geradlinigkeit und Ehrlichkeit überaus dankbar.

Ralph Chaloupek
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN]

 

 

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