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Am Weltversuchstiertag Diskussion zu Tierversuchen mit VGT-Beteiligung in Deutschland

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (30.04.2013)

Wien, 30.04.2013

Das "smvkepi" in Tübingen lud TierexperimentatorInnen, das ZEBET, die Tierschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg und den VGT-Obmann zum Gespräch zum Thema "Tierversuche - unnötiges Leid oder wissenschaftliche Erkenntnis"

Wer im Raum kurzsichtig sei, fragte Dr. Thier von der kognitiven Neurologie gleich zu Beginn seines Impulsvortrags zur Podiumsdiskussion die ZuhörerInnen, weil in seinen Augen alle diese Menschen von Tierversuchen profitieren würden. Und er selbst hätte gar nicht an der Diskussion teilnehmen können, gebe es keine Medikamente gegen Allergie, weil er momentan so starke Anfälle habe. Letztlich zeigte sich, dass zumindest 3 der 5 PodiumsteilnehmerInnen in Tierversuchen die Lösung aller medizinischen Probleme sahen. Die ebenfalls beteiligte Tierschutzbeauftragte lobte - wie könnte sie anders, als Beamtin - die Gesetzgebung und warnte davor, zu streng Tierversuchsanträge abzulehnen, weil sonst Gerichte bei Berufungsverfahren den AntragstellerInnen recht geben könnten und die Tierversuche erlauben. Auf die kritische Frage des VGT-Obmanns, wie viele Anträge für Tierversuche denn tatsächlich in Deutschland von den Kommissionen abgelehnt würden, herrschte schweigen. Niemand konnte oder wollte diese Frage beantworten, möglicherweise weil in Wahrheit, wie in Österreich, praktisch kein Tierversuch im Genehmigungsverfahren scheitert.

DDr. Balluch wies in seinem Impulsreferat auf jene Seite von Tierversuchen hin, die hinter den verschlossenen Labortüren verborgen bleibt: das unermessliche Tierleid. Anhand der neuesten Ausgabe der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "New Scientist", in der die Ergebnisse von 11 Tierversuchsprojekten mit besonders wertvollen Ergebnissen dargestellt waren, zeigte sich, dass selbst die "Creme de la Creme" der Tierversuche die Normalbevölkerung schockieren. Da war die Rede von Makaken, die man eine längere Zeit stark unter Stress setzte, um zu schauen ob dadurch ihre körpereigene Immunabwehr leidet, da wurden Mäuse gentechnisch verändert, um weniger stressanfällig zu werden, da gab es gentechnisch veränderte Vogelgrippeviren, mit denen Hühner und Frettchen künstlich infiziert wurden oder Ratten wurden Elektroden ins Gehirn operiert, die mit einem Computer verbunden waren, sodass die ExperimentatorInnen per Tastendruck den Schwanz der Ratte bewegen konnten. Alles Tierversuche, so DDr. Balluch, die zu den besten gehören, aber dennoch in den Augen der Öffentlichkeit abzulehnen sind. Jede Volksbefragung, ob solche Tierversuche zulässig sein sollten, würde klar dagegen ausgehen. Ja, in Österreich ergab die letzte IFES-Umfrage zu dem Thema eine 2 Drittel Mehrheit für die Abschaffung aller Tierversuche an Affen, Katzen und Hunden. Solange wir in einer Demokratie leben, schloss DDr. Balluch, müsse doch die Mehrheit entscheiden dürfen. Warum also gibt es noch immer solche Tierversuche?

Die Antwort blieben die anwesenden ApologetInnen für Tierversuche schuldig. Stattdessen meinte Dr. Thier, der VGT-Obmann sei ein Fundamentalist. Und Dr. Schönfelder vom ZEBET lamentierte, dass von Tierschutzseite immer nur die grausamsten Tierversuche angeführt würden, nicht aber die vielen harmlosen und sinnvollen. Dabei ignorierte er völlig, dass DDr. Balluch diese Tierversuche der Zeitschrift "New Scientist" nicht als besonders grausame und schlechte Beispiele angeführt hatte, sondern als jene, die die wissenschaftliche Community selbst für besonders sinnvoll und gut hält. Die Spitze des Eisbergs, sozusagen. Trotzdem die Tierversuchsseite für diesen Event mobilisiert hatte und ihre AnhängerInnen als ZuschauerInnen anwesend waren, gewannen die Tierschutzargumente die größten Sympathien im Saal. Zweifellos wird die Schere zwischen der Tierversuchspraxis und der Einstellung der Gesellschaft zu Tierversuchen immer größer. Die Verantwortlichen sind also aufgerufen, die Gesetzgebung an die zunehmende Sensibilisierung der Menschen Tierleid gegenüber anzupassen. Ein Schritt in diese Richtung wäre, würde das Parlament noch vor der Sommerpause das Tierversuchsgesetz nachbessern und wenigsten jene Tierversuche grundsätzlich verbieten, die für die Tiere schweres Leid bedeuten, das lange anhält und nicht gemildert werden kann.

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