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Käfighaltung von Kaninchen

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (02.03.2017)

02.03.2017

Kommerziell hat sich in Österreich die Käfighaltung etabliert, wenn auch nicht im großen Stil. Im Moment gibt es 3 größere Käfighaltungsbetriebe, die jeweils einige tausend Mastkaninchen halten. Die Haltungsform orientiert sich an den Minimalanforderungen des Gesetzes.

Für die Zucht werden die weiblichen Tiere in Einzelkäfigen gehalten, ohne Einstreu und mit Drahtgitterböden. Zusätzlich ist an jeden Käfig eine Nestbox angeschlossen, die eingestreut ist und in der die Häsinnen ihre Kinder gebären. Allerdings haben die Käfige ansonsten keinerlei Struktur und auch keine Etagen, sodass sich die Mutter den zudringlichen Kindern nicht entziehen kann.

In der Masthaltung werden ebenfalls Käfige mit Drahtgitterboden verwendet. Eine Gruppe gleichaltriger Jungkaninchen wird in jeweils einen Gitterkäfig gegeben, der keinerlei Einstreu oder Struktur enthält. Die Räume sind allerdings beheizbar, wie es das Gesetz vorschreibt.

Kaninchen haben eine Reihe von grundsätzlichen Bedürfnissen, die in der Käfighaltung auf Drahtgitterboden nicht befriedigt werden:

  1. Rückzugsmöglichkeit
    In der freien Wildbahn leben Kaninchen in Kolonien, die Wächter abstellen, die bei Gefahr mit den Hinterbeinen trommeln. Die Tiere flüchten dann in Erdhöhlen oder andere Verstecke. Entsprechend ist das Bedürfnis jederzeit in ein Versteck flüchten zu können, oder sich auch vorübergehend dort aufzuhalten, sehr groß. Ohne Strukturen und Rückzugsmöglichkeiten im Käfig, können die Tiere dieses Bedürfnis nicht ausleben.
  2. Pfoten verletzlich
    Die Pfoten der Kaninchen sind leicht verletzbar. Sind die Tiere, wie in der Käfigbatterie, gezwungen, ununterbrochen auf einem Drahtgitterboden zu stehen, so verletzen sie sich häufig, wie bereits aus der Pelztierfarmhaltung bekannt.
  3. Bewegung: Hoppeln, Aufrichten
    Kaninchen sind sehr bewegungsaktiv. Zu den arttypischen Bewegungen gehören hoppeln, rennen, rutschen, wenden, Haken schlagen, springen, springlaufen, Kapriolen schlagen, scharrgraben, schaufeln und sich aufrichten. Im Käfig ist durch den eklatant eingeengten Platz keine Möglichkeit für die Tiere gegeben, ihr Bewegungsbedürfnis auszuleben. Für das Aufrichten wäre eine entsprechende Gehegehöhe notwendig. Durch den Bewegungsmangel ergeben sich eine Reihe gesundheitlicher Probleme wie Wirbelsäulenverkrümmungen und Knochenveränderungen, aber auch psychische Störungen, die sich in Stereotypien äußern.
  4. Sozialleben
    Wildkaninchen leben in Kolonien von 1-3 Männern und 1-6 Frauen und deren Nachwuchs. Die Tiere kennen sich persönlich und entwickeln enge Beziehungen. Der Kolonie ist ein gewisser Geruch eigen, der erhöhte Freundlichkeit und verminderte Aggression hervorruft. In den Käfigen, vor allem in der Einzelhaltung der Häsinnen in der Zucht, können die Tiere keine ihnen so wichtigen Sozialkontakte pflegen. In den Mastkäfigen befinden sich nur Jungtiere ohne soziale Struktur. Die Käfighaltung macht ein Sozialleben unmöglich.
  5. Mutter möchte sich vor Kindern zurückziehen
    Die Neugeborenen kommen zwar unbehaart, blind und zur Vorwärtsbewegung nicht fähig zur Welt, aber im Vergleich zu anderen Säugetieren ist die Mutter-Kind Bindung sehr locker. Die Mutter sucht das Nest nur 1-2 Mal pro Tag zum Säugen auf, ansonsten zieht sie sich von ihren Kindern zurück und möchte ihre Ruhe. Im Käfig ist das ab einem Alter, ab dem die Kinder die Nestboxen verlassen können, nicht mehr möglich. Die Unmöglichkeit sich zurückzuziehen setzt die Mutter einem starken Stress aus.
  6. Graben und wühlen
    In der freien Wildbahn graben sich Kaninchen Wohnhöhlen. Graben und Wühlen ist ihnen daher ein wichtiges angeborenes Bedürfnis. Im Käfig ohne Einstreu mit Drahtgitterboden kann dieses Bedürfnis nicht befriedigt werden.
  7. Problemlösen, Beschäftigungsmöglichkeit
    Als hochgradig intelligentes Säugetier haben auch Kaninchen das Bedürfnis, ihre geistigen Kapazitäten einzusetzen. Die Reizarmut und der Mangel an Beschäftigung in den Käfigen, lässt sie aber diesbezüglich verkümmern. Sie zeigen Stereotypien und Unruhe.
  8. Möglichkeit vor aggressiven Individuen zu flüchten
    Innerhalb der sozialen Kaninchengruppe kommt es natürlich auch zu Rangkämpfen und innerartlicher Aggression. Auch in den Jungtiergruppen in den Käfigen der Kaninchenmast brechen derartige Kämpfe aus. Ohne genügend Platz, um sich aus dem Weg zu gehen, können untergeordnete Tiere unter sehr starkem Stress leiden.

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