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Masthühner: Wirtschaftliche Argumente

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (03.03.2017)

03.03.2017

Der SPÖ-Tierschutzminister Alois Stöger will die Besatzdichte der Masthühner von 30 kg/m² auf 38 kg/m² erhöhen, weil sich dadurch eine billigere Produktion von Hühnerfleisch erzielen ließe.

Im Report der EU-Kommission (http://ec.europa.eu/food/fs/sc/scah/out39_en.pdf) vom März 2000 zur Frage der Mastgeflügelhaltung wurde errechnet, dass eine Erhöhung der Besatzdichte von 30 kg/m² auf 38 kg/m² lediglich eine Kostenersparnis von 4-5 % (je nach gewählter Zuchtrasse der Hühner) bedeutet.

Graphik: Die Auswirkungen der Besatzdichte auf die Produktionskosten

Diese Verringerung der Produktionskosten kommt hauptsächlich dadurch zustande, dass sich die Hühner in der größeren Enge weniger bewegen können, und daher weniger Nahrung für den gleichen Massezuwachs des Körpers benötigt wird. Mangels Bewegung gibt es eben – vom Standpunkt des Produzenten – keine „Verluste“ durch Bewegungsenergie der Hühner.

Mortalitätsrate

Dieser geringen Kostenersparnis steht eine enorm gesteigerte Mortalitätsrate gegenüber. Bei der jetzigen Besatzdichte von 30 kg/m² liegt die vorzeitige Sterberate der Hühner bereits bei 4,13 % in den wenigen Wochen vom Einstallen bis zur Schlachtung. Setzt man diese Besatzdichte nun auf 38 kg/m² hinauf, steigt die Mortalitätsrate noch einmal um 44 %, wie in demselben Report der EU-Kommission angegeben:

Da in Österreich jährlich etwa 62 Millionen Hühner gemästet werden, würden hier 4-5 % Kostenersparnis 1,1 Millionen zusätzlich an den verschlechterten Haltungsbedingungen verstorbene Hühner gegenüberstehen!

Rechnet man die durch den höheren Besatz gesteigerte Produktion mit ein, ergibt sich, dass, wenn es nach dem Willen Verordnungsentwurf geht, insgesamt zusätzliche 2,1 Millionen Hühner allein durch die Verschlechterung der Masthuhnverordnung an den brutaleren Haltungsbedingungen noch vor ihrer Schlachtung im Alter von etwa 5 Wochen sterben würden.

Die SPÖ wollte also 4-5% Produktionskostenersparnis auf dem Rücken von 2,1 Millionen zusätzlich vor der Schlachtung an den Haltungsbedingungen sterbende Hühner pro Jahr erkaufen!

Masthühnerproduktion in Österreich

Aus den Daten der Statistik Austria lässt sich die Entwicklung der Hühnerfleischproduktion in Österreich in den letzten Jahrzehnten ablesen. Der Masthuhnbestand ist in Österreich nach dem EU-Beitritt 1995 auf etwa 80% Selbstversorgungsgrad gesunken, die Entstehung des Bundestierschutzgesetzes hatte allerdings auf den Bestand keinerlei Auswirkungen, was auch sehr einleuchtend ist, da hier ja schon die schlechteste Länderverordnung zur Masthuhnbesatzdichte zum Bundesniveau erhoben wurde. Der Bestand ist seit dem Jahr 2000 etwa gleich bleibend. In den letzten Jahren gab es sogar wieder einen Anstieg, wurden im Jahr 2005 an einem Stichtag noch 2840 Betriebe mit 5,6 Millionen Masthühnern gezählt, waren es 2007 sogar 6,85 Millionen Masthühner in 1367 Betrieben.

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