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Grausames Delfinmassaker beginnt

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (20.10.2008)

Wien, 20.10.2008

Meer von tausenden abgeschlachteten Delfinen blutrot verfärbt

Meer von tausenden abgeschlachteten Delfinen blutrot verfärbt

Jedes Jahr auf´s neue dieselben grauenvollen Szenen, dasselbe, immer wiederkehrende Massaker: Malerische Buchten, die sich nach dem barbarisch-brutalen Abschlachten von Delfinen blutrot färben.

Das Fischerdorf Taiji liegt in einem malerischen Naturpark etwa 700 Kilometer südwestlich von Japans Hauptstadt Tokio. Doch die Idylle auf der Kii-Halbinsel trügt. Denn Anfang Oktober haben dort wieder grausame Massaker an Delfinen begonnen, die noch bis April andauern - mit Erlaubnis der Regierung und der Fischereibehörden und unbemerkt vom Großteil der Bevölkerung. Tier- und Umweltschützer schlagen noch aus einem anderen Grund Alarm: Das Delfinfleisch, das in Supermärkten als Nahrung verkauft wird und auch als Tierfutter und Dünger dient, ist hochgradig mit giftigem Quecksilber verseucht.

Grauenvolle Szenen im blutroten Meer

Alleine in der Küstenstadt Taiji werden Jahr für Jahr bis zu zweieinhalbtausend Delfine abgeschlachtet. In ganz Japan sind es bis zu 25.000. Aber nur in Taiji können auch am Massaker Unbeteiligte wie zum Beispiel Spaziergänger sehen, wie grausam die Jagd auf die beliebten und intelligenten Meeressäuger verläuft. Die Delfine werden in einer Lagune zusammengetrieben und so brutal getötet, dass sich das Meerwasser blutrot verfärbt. Zwar versucht Hideki Moronuki vom Fischereiministerium zu beschwichtigen:

"Der Umgang mit den Tieren wurde verbessert. Wir haben den Fischern beigebracht, den Delfinen mit einem Messer das Rückgrat durchzuschneiden. Sie sollten nach ein paar Sekunden tot sein."

Doch heimlich gedrehte Filmaufnahmen von Umweltschutzorganisationen beweisen, dass die Schlächter die Delfine häufig mit Lanzen abstechen und sie mit Seilen an den Schwanzflossen (oft noch lebend) auf den Strand ziehen. Viele Meeressäuger sterben deshalb besonders qualvoll und langsam. Gegen Sonnenaufgang fahren die 13 Fischerboote mit je zwei Mann Besatzung aufs offene Meer hinaus und hämmern auf ins Wasser gehaltene Metallstangen, womit sie gezielt den Orientierungssinn der Säuger lahmlegen. Daraufhin sperren die Fischer mit Netzen die Bucht ab. Dann mischen sich sogenannte Delfintrainer unter die gefangenen Meeressäuger, wählen gezielt die schönsten Tiere aus und lassen sie lebend vom dem Schlachtfeld wegbefördern, bevor das große Gemetzel beginnt. Sie dienen als Nachschub für Vergnügungsparks in Japan und anderswo.

Nachschub für Delfin-Shows und Delfinarien

Nicht mit dem Fleisch der Massakrierten - mit den verschleppten Show-Delfinen werde eigentlich das große Geld gemacht, erkärt der amerikanische Delfinschützer Rick O'Barry, dem ein Vertrag zwischen dem Walmuseum von Taiji und einem Delfinarium in der Türkei über den Verkauf von 12 Delfinen für 280.000 US-Dollar zugespielt wurde.

Ohne die Nachfrage der Vergnügungsparks gäbe es das Schlachten nicht, ist der 69jährige Delfinrechtsaktivist überzeugt, der in den sechziger Jahre selbst Delfine für die berühmte TV-Serie Flipper fing und trainierte und sich später quasi vom Saulus zum Paulus wandelte.

Delfinfleisch massiv quecksilbervergiftet

Der andere, mehr menschen- als tierschützerische Aspekt an dem Delfinschlachten : Das Delfinfleisch ist so hochgradig mit Quecksilber verseucht, dass es giftiger ist als die Fische in der berühmt-berüchtigten Minamata-Bucht. Dreitausend Japaner waren dort in den fünfziger Jahren an den Folgen einer chronischen Quecksilbervergiftung gestorben. In den Schulen der Delfinfischerstadt Taiji werden den Kindern deshalb zum Mittagessen grundsätzlich keine Delfingerichte mehr aufgetischt. Aber im restlichen Land kann man es weiterhin frei kaufen - ohne jeden Warnhinweis auf die gefährliche Kontamination mit dem hochgiftigen Schwermetall. Delfinreste werden zudem auch zu Dünger und zu Tiernahrung verarbeitet, teilweise illegal, aber ohne dass staatliche Stellen einschreiten würden - ein unfassbar grausames, ultrabrutales Massaker an hochintelligenten und sensiblen, sympathischen und weltweit geliebten Lebewesen, um Hundefutter und Dünger aus ihren sterblichen Überresten zu fabrizieren. Stattdessen verteidigt die Regierung in Tokio die Delfinjagd gegen die Vorwürfe der Tierrechtler und Umweltschützer als „kulturelle Tradition". Delfinschützer O'Barry hält dies für Augenauswischerei, kann dieser Argumentation nichts abgewinnen:

"Die eigenen Kinder zu vergiften - ist das ihre Tradition? Ist das ihre Kultur? Die japanische Bevölkerung weiß noch nicht einmal, dass diese Jagd stattfindet. Wie kann es da ihre Tradition sein?"

Kinofilm gegen das Massaker

Der Amerikaner setzt seine Hoffnungen jetzt auf einen Kinofilm über die Delfinmassaker, der im Jänner auf einem amerikanischen Filmfestival Premiere haben wird. Über das Internet, so hofft er, werde der Film auch Japan erreichen. O'Barry ist überzeugt: Wer diese Bilder gesehen habe, der kann schlicht keine Delfine mehr essen. Dann wird das grauenhafte Schlachten hoffentlich endlich aufhören.

 

 

 

 

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