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Tierheime von "entsorgten" Weihnachtsgeschenk-Tieren überfüllt

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (25.01.2010)

Wien, 25.01.2010

Geschenksband baumelte an ausgesetztem Hund

Geschenksband baumelte an ausgesetztem Hund

Nur wenige Tage nach Weihnachten werden bereits die ersten lebenden Präsente in Tierheimen oder in freier Wildbahn „entsorgt“

Unter den hell erleuchteten Christbäumen wurden sie bei der weihnachtlichen „Bescherung“ noch freundlich begrüßt, anfänglich vielleicht auch noch ausgiebig gestreichelt und mit Zuneigung überhäuft. Doch schon wenig später gelten viele Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen und auch andere Tiere als unerwünschte Geschenke, derer man sich möglichst rasch entledigen möchte. Tiere aller Altersstufen und Arten, so putzig, umgänglich und liebenswürdig sie auch sein mögen, fallen dieser verantwortungslosen Kaltschnäuzigkeit zum Opfer.

Kaum haben sie sich an ihr neues Zuhause gewöhnt, werden sie von ihren herzlosen Besitzern auch schon wieder in Tierheimen abgegeben – oft genug auch einfach irgendwo draußen ausgesetzt, in Extremfällen sogar lebendig im Müllcontainer entsorgt

Wenn den Beschenkten zu Bewusstsein kommt, dass das Tier mit Arbeit verbunden ist, der Winterurlaub vor der Türe steht, oder sich sonst irgendwelche (oft läppischen) Komplikationen ergeben, wird das Haustier wie ein lästiger Gegenstand entsorgt.

Hochkonjunktur in Tierschutzhäusern

In Tierheimen und Tierschutzhäusern herrscht nach den Feiertagen Hochkonjunktur. Im Wiener Tierschutzhaus etwa hat die Zahl der Schützlinge die 1500er-Marke bereits überschritten. Die Palette reicht dabei von Katzen und Hunden über die „klassischen“ Nagetiere bis hin zu Wüstenrennmäusen und exotischen Reptilien wie Pythons. Täglich werden bis zu 20 Tiere abgegeben. Dabei gibt es charakteristische saisonale Unterschiede. Nach Weihnachten etwa nimmt die Zahl der Meerschweinchen stark zu, während zu Ostern die der Kaninchen massiv ansteigt.

Baby-Kaiman im Papierkorb

Ein besonders bizarrer Fall war ein Baby-Kaiman, der lebend im Papierkorb einer WC-Anlage des Tierschutzhauses aufgefunden wurde. Die krokodilähnliche Echse fand dann letztlich im Haus des Meeres Unterschlupf.

Chartlist der dümmsten Ausreden

Interessant und viel sagend auch die Ausreden, welche sich Menschen einfallen lassen, um sich der Tiere zu entledigen. Beliebteste Notlüge, um ein Haustier los zu werden, ist eine angebliche, „plötzlich auftretende“ Allergie, was aber meistens einer medizinischen Nachprüfung nicht standhalten würde.

Ähnlich glaubwürdig die Ausrede, man habe nicht mit dem „Eigengeruch“ des Tieres gerechnet. Auch die mangelnde Stubenreinheit, die man wenige Tage nach dem Einziehen des Tieres in eine ungewohnte Umgebung vernünftigerweise noch gar nicht erwarten kann, muss oft als Begründung für den Rauswurf herhalten.
Und selbst (angebliche) Trennungen vom Partner sind für einige Zeitgenossen ein hinreichender Grund, ein Haustier vor die Tür zu setzen.

Traurige Geschichte von „Weihnachtsgeschenk“ Maxi

Besonders tragisch die Geschichte des Mischlingswelpen Maxi. Der erst drei Monate alte Hund hatte noch ein Papierband und eine Geschenksschleife um den Hals baumeln, als er ausgesetzt in einer Wohnanlage in Schlüßlberg (Oberösterreich) gefunden wurde. Der kleine Mischling ist nur einer von etlichen Welpen, die seit Weihnachten im Linzer Tierheim gelandet sind. Ungeliebte Geschöpfe, gedankenlos verschenkt und kaltschnäuzig wieder entsorgt, die nun ein Zuhause suchen.

„Heuer ist es nicht ganz so arg wie im Vorjahr, da mussten wir die Hunde im Bad einquartieren, aber die Boxen sind schon voll“, berichtet eine Sprecherin des Linzer Tierheims. Rund 50 Hunde warten dort derzeit auf gute Plätze. Allein seit Weihnachten seien acht Hunde dazugekommen. Drei Mischlingswelpen dürften illegalen Kofferraumhändlern aus Ungarn oder Tschechien im „Weihnachtsgeschäft“ übrig geblieben sein: Die entzückenden Labrador-Schäfer-Kreuzungen wurden kurzerhand bei einer Linzer Autobahnabfahrt ausgesetzt.

Der etwa drei Monate alte Maxi hingegen wurde bei einer Wohnhausanlage angebunden gefunden. „Wir können uns um Maxi nicht mehr kümmern, weil wir sonst Probleme mit unserem Vermieter bekommen“, stand auf der Schleife zu lesen, die an einem weihnachtlichen Geschenksband baumelte.

Wohldurchdachte bewusste Entscheidung statt verhängnisvolle Überraschungsgeschenke

Die Anschaffung eines Tieres will gut überlegt sein und sollte stets aus eigener Motivation und auf Basis eines bewussten, gründlich überlegten Entschlusses erfolgen. Aus diesem Grund ist das Schenken eines Tieres – insbesondere als Überraschung, ohne Absprache mit dem Beschenkten bzw. ohne gemeinsame Erörterung der bevorstehenden Pflichten und Verantwortlichkeiten, welche auf den künftigen Tierhalter zukommen – so hochproblematisch und sollte auf jeden Fall vermieden werden.

Ratgeberliteratur statt lebender Tiere schenken

Eine weitaus bessere Idee wäre es zum Beispiel, fundierte Ratgeberliteratur zu verschenken, mit deren Hilfe der Beschenkte sich ein Bild machen kann, ob ein (bestimmtes) Haustier für ihn das richtige ist, und ob er dem Tier die notwendigen Lebensvorrausetzungen bieten kann, ob er die erforderlichen Betreuungsarbeiten zu leisten bereit ist und nicht zuletzt ob die Perspektive einer oft langen gemeinsamen Zukunft, die sich je nach Tierart durchaus über weit mehr als ein Jahrzehnt erstrecken kann, nach wie vor die gravierende Entscheidung zur Anschaffung eines Tieres zulässt. Erst dann kann man mit gutem Gewissen ein Lebewesen in die eigene oder die Obhut einer anderen Person überantworten.

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