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China: Essen von Hunde- und Katzenfleisch soll verboten werden

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (29.01.2010)

Wien, 29.01.2010

Gesetzesentwurf dokumentiert Wandel der Einstellung zu den (Haus)Tieren

Gesetzesentwurf dokumentiert Wandel der Einstellung zu den (Haus)Tieren

Chinesen müssen zukünftig möglicherweise auf eine bislang beliebte Spezialität verzichten: Katzen- und Hundefleisch. Einem neuen Gesetzesentwurf gegen Tierquälerei zufolge sollen diese Fleischsorten von der Speisekarte gestrichen werden, berichtete die staatliche Presse am Dienstag.

Wer dennoch Katzen- oder Hundefleisch isst, soll demnach eine Strafe von bis zu 5000 Yuan (umgerechnet 518 Euro) zahlen oder 15 Tage im Gefängnis verbringen, berichtete die Zeitung "Chongqing Evening News". Firmen, die sich über das Verbot hinwegsetzen und mit Hundefleisch handeln, könnte eine Strafe von 10.000 bis 500.000 Yuan bevorstehen.

Erst ein Gesetzesentwurf

Dem Bericht zufolge handelt es sich lediglich um einen Gesetzesentwurf. Es sei unklar, wann er verabschiedet werden soll.

Bereits im Zuge der Olympischen Spiele 2008 kam es zu einem temporären Verbot von Hundefleisch. In dem Bemühen, sich westlichen Essgewohnheiten anzupassen und sensible Gäste nicht vor den Kopf zu stoßen, verbannten die Pekinger Behörden Hundefleisch von den Speisekarten während der internationalen Sportgroßveranstaltungen.

Nach medialen Angaben haben die Behörden damals den 112 offiziellen Restaurants für die Olympischen Spiele verboten, Hundefleisch anzubieten. Bei Verstößen drohten nicht näher spezifizierte Strafen. Der übrigen Gastronomie wurde der Verzicht auf die umstrittene Zutat „stark empfohlen“.

Nach Angaben der chinesischen Tageszeitung „Shanghai Daily“ forderten die Olympia-Organisatoren die Gaststätten auf zu berücksichtigen, dass der Verzehr von Hundefleisch in vielen Ländern der Welt verpönt ist. Zudem nimmt auch die Zahl der GegnerInnen und SkeptikerInnen des Hundefleischverzehrs in Asien seit einigen Jahren zu, da immer mehr Chinesen Hunde als Haustiere halten.

In Anwendungen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), in der das Hundefleisch eine Rolle spielt, soll die Verwendung des Fleischs aber weiter erlaubt sein, muss auf den Verpackungen aber deutlich vermerkt werden. Nach Auffassung der TCM hilft Hundefleisch bei verschiedenen Leiden wie beispielsweise Bluthochdruck.

In China, Korea und Vietnam werden schon seit Jahrhunderten Hunde gegessen. Und diese Tatsache wird auch von zumindest einem Teil der Bevölkerung als normal empfunden. Allerdings gilt Hundefleisch in allen drei Ländern als (umstrittene) Spezialität und ist teuer. Gezielte Züchtungen und „Hundefarmen“ gibt es erst seit kurzem.

Schriftliche Zeugnisse, die die Zubereitung von Hundefleisch als kulinarische Tradition belegen, sind schon aus dem chinesischen Altertum – Jahrhunderte vor dem Beginn der christlichen Zeitrechnung - bekannt. Die Bewertung war allerdings von Provinz zu Provinz verschieden: Die Mandschu im Norden verachteten die Menschen im Süden dafür. Sun Yat-Sen, ein revolutionärer Führer gegen die Dynastie der Mandschuren, begann historischen Überlieferungen zufolge seine Rebellentreffen mit einem Hundemahl, um seine widerständige Einstellung zu den nördlichen Herrschern zu demonstrieren.

Obwohl der Verzehr von Hundefleisch in unseren Breiten heute im Allgemeinen als Tabu gilt, gibt es auch in Europa durchaus eine – wenn auch sehr eingeschränkte – Geschichte des Hundefleischkonsums. Speziell in Notzeiten wurde immer wieder auf Hundefleisch als eiserne Reserve und Notration zurückgegriffen.

Aus kulturellen Gründen und der weit verbreiteten emotionalen Bindung, die sich aus dem alltäglichen Zusammenleben mit Hunden in unserer Gesellschaft herausgebildet hat, beschränken sich Produktion und Konsum von Hundefleisch in der Westlichen Welt auf Rand- und Ausnahmeerscheinungen, etwa die vereinzelte Bernhardinerfleischproduktion in der Schweiz. In Österreich und Deutschland hingegen ist das Schlachten von Hunden zur Fleischproduktion ausnahmslos verboten.

Bleibt zu hoffen, dass das Hundefleischverbot in China nicht bloß zu einer Verlagerung des Tierleids führt, in dem dann die Hunde etwa durch Schweine, welche auch in China zunehmend in tierverachtend-industrialisierter Intensivtierhaltung gezüchtet werden, ersetzt werden.

Und beim Echauffieren über andere Ess- und Nahrungssitten sollte man sich auch immer bewusst halten, im jeweils eigenen Kulturkreis genug eigene Tierschutzmissstände zu haben, für deren Reform und Behebung es sich zu engagieren gilt. Wenn beispielsweise in Österreich nach wie vor Schweine in Kastenständen und industrialisierter Tierhaltung fast flächendeckend fürchterlichen Misshandlungen ausgesetzt sind, ist offensichtlich, wo KonsumentInnen, Tierschutzvereine, Behörden und Politik besonders gefordert sind.

 

 

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