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Arzneimittelskandal und unbeschreibliche Tierquälereien in Österreichs größter Schweinefabrik

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (07.06.2000)

07.06.2000

Gesundheitsministerin bestätigt illegale Praktiken

Die gestrige Sendung deckte auf, was monatelang durch massive politische Interventionen seitens der ÖVP zu vertuschen versucht wurde: In Österreichs größter Tierfabrik wurden - neben entsetzlichen Tierquälereien - reihenweise illegale Medikamente und verheerende hygienische Zustände entdeckt. Ende Feber traf ein anonymes Packerl bei der NR-Abgeordneten Dr. Petrovic im Parlament mit Foto- und Videomaterial sowie 7 Medikamentenfläschchen ein, es handelte sich dabei um Antibiotika ("Baytril"), Hormonpräparate ("Synpitan"), Geburtsbeschleuniger ("Monzal"), Herzmittel ("Suacron") sowie Psychopharmaka ("Stresnil), versehen mit einem Zusatzschreiben, woher diese stammen, nämlich aus besagter Tierfabrik.

Die mitgelieferten Bilder zeigten zudem ein mehr als erschreckendes Szenario: Tote Embryos, kranke, sterbende Ferkel, gleich neben offen lagernden Futtermitteln und unglaublichem Schmutz; trächtige Sauen, völlig apathisch in körperengen Metallkäfigen ("Kastenständen") dahinvegetierend; vergebliche verzweifelte Ausbruchsversuche der Muttersauen aus ihren "eisernen Jungfrauen".

Der Besitzer der Tierfabrik, der mittels höchster ÖVP-Kreise bis zuletzt heftig gegen die Ausstrahlung des Dokumentationsmaterials interveniert hatte, wollte im Fernsehen keine Stellungnahme dazu abgeben. Lieber drohte er mit Klagen. Andererseits hat er indirekt zugegeben, daß die Aufnahmen tatsächlich aus seinem Betrieb stammen, da er seinerzeit selbst Anzeige wegen Einbruchdiebstahl erstattet hatte und gegenüber der Gendarmerie zugab, daß eine seiner Arbeiterinnen regelmäßig diese Medikamente verabreiche. Auch wollte weder der "betreuende" Tierarzt noch der für diesen Skandal zuständige Amtstierarzt dazu eine Stellungnahme abgeben. Das Gleiche gilt für den politisch verantwortlichen ÖVP-Abgeordneten, der - konfrontiert mit den Videoaufnahmen und angesichts der ORF-Kameras - lieber Reißaus nahm.

Die Grünen erstatteten daraufhin Anzeige wegen schwerer Tierquälerei sowie Verletzung des Tierärzte- und Arzneimittelgesetzes bei der StA. Außerdem richteten sie eine parlamentarische Anfrage an die Gesundheitsministerin mit der Bitte um Klärung bezüglich Verschreibungspflicht, Wechselwirkungen, Lagerung, etc.

Auch hierbei wird klar, daß es sich um grobe Verstöße gegen verschiedene Gesetze handelt:

Injektionen dürfen prinzipiell nur von einem Tierarzt verabreicht werden, auch was die Lagerung der Medikamente betrifft, ist diese absolut unzureichend, denn angebrochene Flaschen müssen im Kühlschrank gelagert werden und dürfen nicht offen und verschmutzt herumstehen. Eine gleichzeitige Verabreichung mehrerer Medikamente, die in diesem Fall naheliegend ist, sei nicht üblich, so das Bundesministerium. Werden die vorgeschriebenen Wartezeiten nach Verabreichung der genannten Medikamente nicht eingehalten, muß dieses Fleisch als gesundheitsschädlich bewertet werden.

Dies ist mit Sicherheit kein Einzelfall, aber durchaus die grausige Spitze eines riesigen Eisberges! Wird nun endlich diesem Mißbrauch zulasten von Tier und Mensch - zumindest nach dieser aufrüttelnden Sendung - ein Riegel vorgeschoben?

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