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Martini: Die "Gänse"-Wahrheit

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (11.11.1998)

11.11.1998

Wie jedes Jahr wird auch heuer wieder kräftig die Werbetrommel das traditionelle Martini-Gansl" gerührt. Doch was ist eigentlich an der, zum Gedenken an den Landespatron des Burgenlandes, den Heiligen Martin, abgehaltenen Festmahls noch traditionell? Die glückliche" Freiland-Gans vom Nachbarbauern kommt ja schon seit langem nicht mehr auf den Tisch. Es gibt zwar in Österreich praktisch keine Gänse-Massentierhaltungen, wie man sie von anderen Tierarten kennt und auch die brutalen Behandlungsmethoden", wie das Lebendrupfen oder Stopfen, sind in Österreich verboten. Die Crux dabei: 93% des österreichischen Bedarfs werden importiert, zumeist aus Frankreich, Ungarn, Bulgarien, Polen oder Israel. Und dort sind die Gänse keineswegs durch entsprechende Gesetze geschützt.

Bei der üblichen Gänsemast werden zu viele Tiere auf zu engem Raum in unnatürlicher, schädigender Umgebung gehalten. Bereits durch die Hochleistungszucht wird nur auf möglichst schnelle Gewichtszunahme Wert gelegt, mit all den schmerzhaften Nebenwirkungen - Gelenksentzündungen, Knochenbrüche, Atemnot, etc. Die Mastdauer, bei Freilandgänsen mindestens 20 Wochen, wird auf unter 12 Wochen hinuntergedrückt.

Ein besonders tierquälerisches Luxusprodukt" sind Gänsestopflebern. Bevor diese pathologischen Organe auf den Tischen gedanken- und herzloser Gourmets landen, müssen die Gänse ein mehrwöchiges Martyrium über sich ergehen lassen. Mehrmals täglich wird den Gänsen, bzw. auch Enten, ein ca. 50 cm langes Metallrohr durch den Hals bis in den Magen eingeführt. Durch dieses Rohr wird täglich 1 kg verquollener, stark gesalzener Maisbrei in den Magen gepumpt. Diese Menge entspricht ca. 20% des Körpergewichts der Tiere. Stellen Sie sich vor Sie müßten täglich 1/5 ihres Gewichts essen! Bei dieser Prozedur kommt es häufig zu schweren Verletzungen der Speiseröhre. Bei falscher Dosierung der Futtermenge platzt der Magen der Tiere, worauf sie grausam verenden. Die krankhaften Lebern der Stopfgänse wiegen mit über 1 kg bis zu 13mal soviel wie gesunde Organe (ca. 100g).

Zusätzlich werden sowohl Mast- als auch Stopfgänse - ohne Betäubung (!) - gerupft, um Daunen zu gewinnen. Dabei werden den Tieren sämtliche weichen Federn vom Leib gerissen. Durch die Akkordarbeit und die entsprechende Rücksichtslosigkeit werden häufig große Hautstücke mit ausgerissen. Die dabei entstandenen Wunden werden notdürftig mit normalen Nadel und Faden zusammengenäht.

Der Verein gegen Tierfabriken nimmt das bevorstehende Fest des Heiligen Martin am 11.11. zum Anlaß, ein Importverbot für Stopflebern ( foie gras") und Daunen von lebendgerupften Gänsen und Enten zu fordern. Es darf nicht länger sein, daß im Inland verbotene Produkte und Produktionsweisen, durch den Markt ohne Grenzen" einfach importiert werden. Die Konsumenten fordern wir auf, Gänsestopflebern zu boykottieren und - wenn Sie auf den Konsum der Martini-Gans schon nicht verzichten wollen -, nur Tiere von österreichischen Biobauern zu kaufen, um damit tiergerechte Haltung zu unterstützen und ein Zeichen gegen die Importe tierquälerischer Produkte zu setzen.

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