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Geheime Grausamkeit - Wer versteckt die "Versuchstiere"?

Wien, 23.4.2026

Der 24. April ist der Welttag für Versuchstiere: Allein in Österreich leiden und sterben hunderttausende Tiere jedes Jahr für Tierversuche. Kontrollen und Transparenz fehlen.

Zum Welttag für "Versuchstiere" protestiert der VGT heute am Stephansplatz gegen die Intransparenz der Tierversuchsindustrie und der zuständigen Behörden. Mit einer riesigen Lupe sind die Tierschutz-Aktivist:innen symbolisch auf der Suche nach den fast 500.000 Tieren, die 2024 in Österreich für Tierversuche getötet wurden. Auch in Tirol und in Vorarlberg gingen VGT-Tierschützer:innen für die Tiere auf die Straße.

Jede Stimme zählt!

Grausame Tierversuche stoppen!

Die derzeit aktuellste österreichische Tierversuchsstatistik für 2024 listet genau 195.876 Tiere, die für Tierversuche genutzt wurden1. Zusätzlich kann man mit etwa 300.000 "Überschusstieren" jährlich rechnen2. Das sind Tiere, die für Tierversuche gezüchtet, aber schlussendlich nie verwendet und trotzdem getötet werden, um sie loszuwerden. Mittels Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz wollte der VGT Näheres über Tierversuche in Österreich erfahren. Das Ergebnis ist mager. Wo genau die Tiere im Jahr 2024 in Tierversuchen verwendet und Überschusstiere gezüchtet und getötet wurden, soll ein Staatsgeheimnis bleiben. Dafür haben fast alle der Bezirkshauptmannschaften zumindest mitgeteilt, wie viele Anzeigen gegen Tierexperimentator:innen es seit dem neuen Tierversuchsgesetz 2012 gegeben hat. Insgesamt waren es 17 Anzeigen in 14 Jahren. Das heißt entweder die Kontrollen versagen oder die Menschen, die Tierversuche durchführen, halten sich durchgehend vorbildlich an alle Auflagen – was bezweifelt werden darf.

Der VGT fordert daher transparentere Genehemigungsverfahren für Tierversuche, regionale Kommissionen sowie eine stärkere Einbindung der Tierschutzombudspersonen. Sinnlose oder doppelte Versuche müssen untersagt und tierfreie Forschungsmethoden stärker gefördert werden. Zudem werden bessere Haltungsbedingungen für Versuchstiere gefordert, denn weil diese Tiere nicht dem Tierschutzgesetz, sondern lediglich dem Tierversuchsgesetz unterliegen, erfahren sie derzeit ein wesentlich geringeres Schutzniveau als andere Tiere, auch was die Haltung betrifft.

Zur Presseaussendung

Für das Jahr 2025 wird die Statistik erst in einigen Monaten verfügbar sein. Bekannt sind aber die neu genehmigten Tierversuchsanträge - knapp 600 Tierversuchsprojekte mit insgesamt 977.844 Tieren wurden in Österreich im Jahr 2025 genehmigt. Da diese Projekte zumeist über einige Jahre laufen, sind das aber nicht die Versuchstierzahlen, die in der Statistik für 2025 aufscheinen werden. Erschreckend dabei: 421.150 Versuchstieren soll mittleres Leid und 95.667 sogar schweres Leid zugefügt werden3. Die Schweregrad-Einschätzungen müssen zudem kritisch betrachtet werden, da sie von den Antragsteller:innen selbst angegeben werden. Diese haben natürlich ein Interesse daran, den von ihnen verursachten Schaden möglichst gering darzustellen und haben nicht notwendigerweise die fachliche Kompetenz, die tatsächliche Belastung für die Tiere aus veterinärmedizinischer Sicht zu beurteilen. Folglich könnte das reale Leid der Tiere teils schwerer sein, als angegeben.

Von diesen genehmigten Tierversuchsprojekten haben 49 den Zweck, die Nutztierindustrie effizienter zu machen. Darunter sind etwa Futtermittelversuche mit Milchkühen, um das von den Tieren ausgestoßene Methan zu reduzieren, künstlich hervorgerufene Blutvergiftungen bei 48 Hühnern, um den Krankheitsverlauf zu beobachten, oder Stressversuche mit 192 Hühnern, in denen sie u.a. durch Fixierung in einem Sack oder soziale Isolation gestresst werden sollen. Insgesamt wurde der Einsatz von 7.184 „Nutztieren“ für derartigen Tierversuche genehmigt3.

Weitere Beispiele genehmigter Versuche:

110 Rattenbabys sollen durch wiederholte Trennung von ihrer Mutter eine Depression entwickeln. Nach Verabreichung eines zu testenden Medikaments soll dann unter anderem im „Forced Swim Test“ getestet werden, wie deprimiert die Ratten sind. Für diesen Test werden die Ratten gezwungen, in einem mit Wasser gefüllten Behältnis, aus dem sie nicht entkommen können, zu schwimmen. Jene die früher aufgeben gelten als depressiver. Am Ende werden sie getötet, um neurologische Veränderungen zu untersuchen. Die Mütter werden getötet, ohne einen Grund dafür dazu nennen.
(Symbolbild)

Bei 14.513 Axolotl werden Amputationen an den Extremitäten oder am Schwanz (Rückenmark) bzw. Gewebetransplantationen vorgenommen, um molekularen Grundlagen des Positionsgedächtnisses und die Regeneration zu untersuchen.
(Symbolbild)

300 Fledermäusen werden Viren in die Augen injiziert. Anschließend werden, um das Sehvermögen zu testen, Verhaltensversuche durchgeführt. Nach den Experimenten werden alle Tiere getötet und die Organe für weitere Untersuchungen verwendet.
(Symbolbild)

4200 Mäusen und 900 Ratten werden Gehirnimplantate einoperiert. Mit Verhaltenstests soll die Aktivität von Neuronen bei der Gedächtnisbildung geprüft werden. „Verhaltenstests“ klingt einigermaßen harmlos, doch unter diesen Testmethoden finden sich die mitunter grausamsten für die Tiere. Leider wird, wie auch in diesem Fall, oft nicht öffentlich bekannt gegeben, um welche Verhaltensexperimente es sich genau handelt.
(Symbolbild)

Diese Beispiele zeigen, warum Tierversuche aus Sicht der Behörden und der Tierversuchsindustrie lieber im Verborgenen ablaufen sollen. Das meiste davon ist für normale Menschen nicht nachvollziehbar. Am meisten machen mich die Tierversuche zur Effizienzsteigerung der Tierfabriksindustrie betroffen. Niemand will Tierfabriken und trotzdem werden 7.184 Tiere gequält, um noch mehr Profit aus Nutztieren heraus zu pressen. Wie kann bei diesen Versuchen der Nutzen den Schaden überwiegen? Das ist aber für eine Genehmigung des Versuchs unabdingbare Voraussetzung! Es braucht eine weitgehende Reform des Tierversuchsgesetzes, um den ethischen Anforderungen unserer Gesellschaft zu entsprechen!

DDr. Martin Balluch, VGT-Obperson und Mitglied der Bundestierversuchskommission

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