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Insektensterben

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags in Wort und Bild basiert auf der Faktenlage zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung (01.09.2020)

01.09.2020

Insekten erfüllen zahlreiche wichtige und unersetzbare Ökosystemleistungen. In den letzten Jahrzehnten wurde allerdings ein dramatischer Rückgang der Insektenarten verzeichnet.

In Österreich gibt es etwa 37.600 Insektenarten. Davon nehmen 14.000 Arten im Bestand ab. Viele davon sind so selten, dass die ökologischen Funktionen nicht mehr wirksam sind. Die Häufigkeit von Tagfaltern nahm beispielsweise in den letzten 100 Jahren so stark ab, dass nur noch wenige erschlossene Alpenteile als Rückzugsgebiet für die dort angepassten Arten gelten. In Mitteleuropa nahm die Insektenhäufigkeit in den letzten 27 Jahren sogar um 75 bis 80 Prozent ab. 41 Prozent der weltweiten Insektenarten sind allein in den vergangenen 10 Jahren als gefährdet eingestuft worden. Die Probleme, die mit dem Insektensterben einhergehen, sind vielfältig. Einerseits erfüllen Insekten eine wichtige und unersetzbare Rolle bei der Bestäubung von Nutzpflanzen. Andererseits regulieren sie auch potentielle Schädlinge. Die Reduktion von insektenverzehrenden Insekten und Parasiten begünstigt etwa das Erstarken von baumtötenden Insekten wie Borkenkäfern. Außerdem sind Insekten wichtig für den Erhalt von Kreisläufen, wie etwa dem Abbau biologischen Materials und der Humusbildung3 und als Nahrungsmittel für andere Tiere1.

Gründe für das Insektensterben

Es gibt vielfältige Gründe für das Insektensterben, die teilweise in Wechselwirkung miteinander stehen. Die wichtigsten Aspekte sollen in diesem Abschnitt aufgezählt werden und basieren auf dem Insektenatlas 2020 von GLOBAL 20001.

Landwirtschaft: Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass die Landwirtschaft einen negativen Einfluss auf Insekten hat, insbesondere weil die Flächen immer intensiver genutzt werden. Studien zeigen, dass beispielsweise in Neuseeland die Mottenpopulation in Graslandschaften seit den 1960er Jahren um 60 Prozent, bei intensiver Nutzung sogar um 90 Prozent, zurück gegangen ist. In Deutschland nahm die Häufigkeit der Arten in Agrarlandschaften um etwa 30 Prozent ab, während sie in Wäldern, Feuchtgebieten und Siedlungsräumen stabil blieb oder sogar anstieg. Das lässt sich unter anderem auf Düngemittel und Pestizide zurückführen, die in der intensiven Landwirtschaft immer stärker eingesetzt werden. Außerdem wandelt sich die Art der Nutzung der Landflächen. Heute werden mehr als fünf Mal so viele Flächen als Acker- und Weideland bewirtschaftet als noch vor 300 Jahren. Wälder, Feuchtgebiete, Steppen und Savannen verschwinden zunehmend. Insbesondere durch die Rodung des Regenwaldes geht die große Vielfalt der dort lebenden Insektenarten verloren.

Fleisch: Einer der wichtigsten Gründe für die Abholzung des Regenwalds und der Umwandlung von Flächen in Äcker und Weideland stellt der Konsum von Fleisch dar. Besonders im Regenwald werden immer mehr Weideflächen für Rinder angelegt und dafür Urwald abgeholzt. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft prognostiziert eine noch größere Ausweitung von Agrarflächen um bis zu 100 Millionen Hektar bis 2050. Wenn in Industrieländern allerdings weniger Fleisch gegessen würde, könnte das den Druck auf die Flächen entscheidend verringern.

Flächenverlust: Auch der Verlust von Lebensräumen durch menschliche Nutzung ist ein großer Faktor für den Insektenrückgang. Eine hohe Artenvielfalt resultiert aus einer großen Diversität von Landschaften und Lebensräumen. Doch immer mehr Flächen werden für die industrielle Landwirtschaft genutzt, in Siedlungen umgewandelt oder schlicht verbaut. Damit einher geht auch eine steigende Technisierung und Lichtverschmutzung.

Neozoen: Invasive Neozoen verdrängen heimische Arten oder verursachen wirtschaftliche Schäden. In Österreich sind über 650 Neozoen bekannt, von denen ca. 50 Arten vom Naturschutz und ca. 150 Arten von der Wirtschaft als problematisch angesehen werden, weil sie zum Beispiel immense Schäden an der Landwirtschaft anrichten.

Klimawandel: Die Erwärmung des Klimas schadet zahlreichen Insektenarten, anderen nützt sie wiederum. Das veränderte Verhältnis von Nützlingen zu Schädlingen führt allerdings zu Problemen für die Landwirtschaft. Die Widerstandskraft von Pflanzen gegen Schädlinge sinkt infolge von klimabedingtem Stress. Außerdem blühen viele Pflanzen durch die Klimaerwärmung früher, sodass manche bestäubende Arten zu dieser Zeit noch gar nicht aktiv sind. Es besteht also die Gefahr, dass Blüten bereits verblüht sind, bevor die Insekten sie bestäuben und als Nahrung nutzen können.

Wie kann man dem Insektensterben entgegenwirken?

Zahlreiche globale Vorgänge haben also einen Einfluss auf das Insektensterben. Dennoch kann auch jede einzelne Person einen kleinen Beitrag dazu leisten, um der Insektenreduktion entgegenzuwirken.

Einkauf: Laut einer Studie im Fachjournal „Ecology and Evolution“ leben auf ökologisch bewirtschafteten Weideflächen um 60 Prozent mehr Schmetterlingsarten, als auf konventionellen. Insgesamt ist die Biomasse an Insekten auf Bio-Flächen doppelt so hoch2. Wer also dem Insektensterben entgegenwirken will, kann in einem ersten Schritt beim Einkauf auf Bio-Produkte achten. Auch werden in der biologischen Landwirtschaft weniger Pestizide eingesetzt, die zur Insektenreduktion beitragen. Außerdem sollte man beim Einkauf auf regionale und saisonale Lebensmittel achten und lieber auf pflanzliche Produkte zurückgreifen.

Pflanzliche Ernährung: Eine vegane Ernährung verbraucht im Vergleich deutlich weniger Fläche, da die angebauten Lebensmittel direkt verzehrt werden. Durch den Verzicht auf tierische Produkte werden nicht nur weniger Flächen zu Ackerland und Weiden umgewandelt und die Abholzung des Regenwaldes eingedämmt, sondern auch viele Ressourcen geschont. In einer bio-veganen Landwirtschaft werden außerdem keine chemischen oder tierischen Dünger verwendet.

Zuhause: Im eigenen Garten bzw. auch am Balkon kann man insektenfreundliche Pflanzen anbauen. Anstelle von englischem Rasen oder Zierpflanzen eignen sich viele Wildblumen genauso als Hingucker und sie stellen ein reiches Nahrungsangebot für viele Insektenarten dar. Natürlich sollte man keinen Dünger oder Insektenbekämpfungsmittel im eigenen Garten oder am Balkon verwenden. Außerdem kann man Insektenhotels aufstellen. Diese bieten vielen Insektenarten Unterschlupf und können sogar selbst gebastelt werden. Am besten werden sie an regengeschützten Orten aufgestellt, in deren Nähe sich Futterpflanzen für die Insekten befinden.

Wer der Umwelt und damit auch der Insektenwelt etwas Gutes tun will, kann also einige Dinge beachten. Beim Einkauf lohnt sich der Blick auf die Herkunft der Produkte und auch im eigenen Zuhause kann man insektenfreundliche Pflanzen anbauen und den Tieren mit Insektenhotels einen Unterschlupf bieten. Mit einer pflanzlichen Ernährung schützt man Insekten sogar auf mehrere Arten. Wer das gerne einmal ausprobieren möchte, kann sich beim veganen Monat der Veganen Gesellschaft Österreich kostenlos anmelden und Tipps und Rezepte zur veganen Ernährung per E-Mail erhalten.

Quellen:

1 GLOBAL 2000: Insektenatlas 2020 – Daten und Fakten über Nütz- und Schädlinge in der Landwirtschaft

2 Hausmann, A.; Segerer, A. H.; Greifenstein, T; Knubben, J.; Moriniere, J.; Bozicevic, V.; Doczkal, D., Günter, A.; Ulrich, W.; Habel, J. C. (2020): Toward a standardized quantitative and qualitative insect monitoring schemme. Ecology and Evolution Volume 10, Issue 9.

3 Naturschutzbund Österreich: Das Insektensterben – ein weltweites multiples Systemversagen

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