VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN
Heuer nähert sich bereits der 5. Jahrestag des Versprechens der EU-Kommission, die Käfighaltung zu beenden. Der VGT und VIER PFOTEN fordern: Keine weiteren Verzögerungen.
Am 23.06.2026 versammelten sich der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN und VIER PFOTEN am Wiener Stephansplatz. Sie forderten die EU-Kommission dazu auf, bis zum letzten Quartal 2026 ambitionierte Gesetzesvorschläge für das lange versprochene Ende der Käfighaltung aller landwirtschaftlich genutzten Tiere vorzulegen. Eine riesige Countdown-Tafel zählt noch genau 100 Tage bis zum Ende dieser Frist.
Der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN und die VIER PFOTEN demonstrierten gemeinsam in Wien für ein Ende der Käfighaltung.
Im Anschluss sollte im Namen der "End the Cage Age"-Koalition und in Vertretung aller Unterstützer:innen ein Schreiben an die österreichische Vertretung der EU-Kommission überreicht werden. Leider stand an diesem Dienstag allerdings kein:e Stellvertreter:in der EU-Kommission für die Entgegennahme des Briefes zur Verfügung. Die Kundgebung war der Startschuss einer europaweiten Reihe von Aktionen, die zwischen dem 23. Juni und dem 23. Juli von Mitgliedsorganisationen der Koalition in zahlreichen Ländern veranstaltet werden.
Rückblick: „End the Cage Age“ – Bürger:innen-Initiative (EtCA-EBI)
Mit dem 30. Juni nähert sich heuer bereits der fünfte Jahrestag des historischen Versprechens der EU-Kommission, die Käfighaltung zu beenden. Dieses Versprechen war 2021 eine direkte Reaktion auf die EtCA-EBI, die EU-weit insgesamt 1,4 Millionen Unterstützungserklärungen erhalten hat. Darunter 20.403 aus Österreich. Bis heute wurde die angekündigte Gesetzesüberarbeitung jedoch nicht vorgelegt. Nachdem öffentlich wurde, dass die ursprünglich gesetzte Deadline Ende 2023 nicht eingehalten wird, wurde die Vorlage für das letzte Quartal 2026 erneut versprochen.
Die schweren Versäumnisse der Kommission im Bereich des Tierschutzes werden immer wieder durch Protestaktionen kritisiert. Zudem erzeugt derzeit ein beispielloses Gerichtsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof Druck auf die Kommission. Die EtCA-Organisator:innen wollen die Kommission damit zur Verantwortung ziehen und die Entwicklung eines verbindlichen Zeitplans für die neue Gesetzgebung erreichen. Das Urteil wird im Herbst 2026 erwartet.
Käfighaltung – ein beengtes und unwürdiges Leben
Die heutige Tierindustrie verdammt Millionen von Tieren zu einem tristen und reizlosen Dasein, eingesperrt in Käfigen oder käfigähnlichen Vorrichtungen. In der EU sind davon jährlich über 300 Millionen Tiere betroffen. In erster Linie sind das Hühner, Schweine, Kälber, Kaninchen, Wachteln, Enten und Gänse.
Der Kastenstand ist ein ca. körpergroßer Käfig in den Mutterschweine während der Zeit, in der sie künstlich besamt werden sollen („Deckstall“), sowie vor und nach der Geburt der Ferkel („Abferkelbuchten“) gesperrt werden. Dieser Käfig ist so eng, dass sich die Schweine nicht umdrehen oder vernünftig hinlegen können. Für Ferkel besteht die Gefahr, zwischen ihrer Mutter und den Metallstangen eingequetscht zu werden. Eine VGT-Aufdeckung aus dem Jahr 2021 zeigte das volle Ausmaß dieser Grausamkeit.
(Foto aus Österreich)
Kälberiglus sind Einzelboxen, in die Kälber nach der Trennung von ihrer Mutter eingesperrt werden. Die Bewegungsfreiheit der Kälber ist darin stark eingeschränkt und art- sowie altersspezifisches Verhalten sind nicht möglich. Zudem sind sie oft völlig isoliert von Artgenoss:innen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich in einem Gutachten 2023 gegen solche Iglus ausgesprochen und empfiehlt die Gruppenhaltung von Kälbern.
(Foto aus Österreich)
Die EU erlaubt derzeit die Haltung von Legehennen in sogenannten ausgestalteten Käfigen. Diese wurden nach dem Verbot der konventionellen Käfige als billige Scheinlösung und ohne echte Verbesserung für die Tiere eingeführt. Auch hier dominieren Enge, Verletzung, Krankheit und Tod den Alltag der Hennen, wie Aufdeckungen beweisen. Auch hier besteht keine Chance auf ein würdiges Leben.
(Foto aus Finnland)
Kaninchen werden innerhalb der EU üblicherweise in Käfigen gemästet. Hier zeigt sich ein ähnliches Bild wie in anderen Käfighaltungen: arttypische Verhaltensweisen sind unmöglich. Die Pfoten stehen permanent auf Gitterboden, adäquates Sozialverhalten bleibt den Kaninchen verwehrt und es gibt kein geeignetes Nagematerial.
(Foto aus Italien)
Käfighaltung in Österreich
Österreich hat Käfige für Legehennen und Kaninchen in der Mast nach intensiven Kampagnen des VGT abgeschafft. Auch für Zuchthühner, Junghennen und Wachteln gilt bereits ein Verbot von Neu- und Umbauten mit Käfigen. Alle bestehenden Betriebe müssen bis zum 01.01.2031 auf andere Haltungsformen umgestellt haben. Doch Schweine und Kälber dürfen in Österreich weiterhin in Käfigen wie den oben beschriebenen gehalten werden.
Der VGT hat zwar erreicht, dass die Anzahl der Tage, an denen Mutterschweine in den Kastenstand gesperrt werden dürfen, ab 2033 stark reduziert wird, doch jeder einzelne Tag ist zu viel. Zudem kann bei Kontrollen nicht festgestellt werden, wie lange die Tiere tatsächlich eingesperrt sind.
Auch bestimmte Arten der Bodenhaltung von Legehennen sind von Käfigen nur schwer zu unterscheiden. Manche „Volierensysteme“ können komplett verschlossen werden, sodass die Hennen keinen Zugang mehr zum eingestreuten Boden haben. Damit wird die Bodenhaltung im Handumdrehen zum Käfig. Solche Fälle wurden in der Vergangenheit bereits vom VGT aufgedeckt (Fall 1, Fall 2).
EU-Bürger:innen sind gegen die Käfighaltung
Die Forderung der EBI wird vom Großteil der Bevölkerung unterstützt. Das zeigen die Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 2023: 89 Prozent der EU-Bürger:innen – das sind rund 400 Millionen Menschen – sind der Ansicht, dass Tiere nicht in Einzelkäfigen gehalten werden sollten. Ganze 94 Prozent halten es für essenziell, dass landwirtschaftlich genutzte Tiere in einer Umgebung gehalten werden, die ihren Grundbedürfnissen entspricht und ihnen ausreichend Platz gewährt1. Später wurden diese Ergebnisse im Rahmen einer öffentlichen Befragung der EU erneut bekräftigt. Von den Teilnehmenden waren 99 Prozent der Ansicht, dass Käfige abgeschafft werden müssen2.