Teilen:

Gülle-Seen und sterbende Tiere: Wiederholter Tierhaltungsskandal in Niederösterreich

Bezirk St. Pölten-Land, 05.05.2023

Aufnahmen aus einem Mastbetrieb mit Rindern, Ziegen und Schafen zeigen grobe Vernachlässigung und schlimmes Tierleid. Trotz mehrfachen Anzeigen und Aufdeckungen änderten sich die Zustände nicht.

Schon im Jahr 2013 fiel der Betrieb - damals noch an einem nahegelegenen Standort - durch Verwesungsgeruch und Tierleid-Verdacht auf. Der VGT deckte den Betrieb erneut im Jahr 2022 und 2023 auf. Nach einem Gerichtsprozess wegen Tierquälerei nach dem Strafgesetzbuch wurde ein Tierhaltungsverbot gegen den Betreiber verhängt.
Kritik musste auch am Kontrollsystem geäußert werden, das trotz aller Anzeigen und Appelle nicht in der Lage war, das Tierleid vor Ort abzustellen.

Stand September 2022

Mehr als 1000 Lämmer, Schafe, Zicklein, Ziegen und Rinder werden in dem großen Mastbetrieb gehalten. Der Betrieb ist auf männliche Jungtiere aus der Milchproduktion und „ausgediente“ Milchschafe und -ziegen spezialisiert. Die Lämmer, Zicklein und Kälber werden von Milchbetrieben an die Skandal-Mast verkauft, denn männliche Jungtiere kann die Milchindustrie nicht gebrauchen. Auch ausgemergelte Mutterschafe und -ziegen, die ihr Leben lang Milch geben mussten, landen im Mastbetrieb.

Videoaufnahmen zeigen am Boden liegende Schafe und Ziegen – bewegungsunfähig und schwer atmend sterben die Tiere langsam. Tierleichen in unterschiedlichen Verwesungsstadien im Stall und volle Leichentonnen vor dem Gebäude zeigen, wie häufig Tiere in diesem Betrieb sterben. Einfach in den Mastbuchten liegen gelassen, müssen die Artgenoss:innen über die Leichen steigen, teils sogar auf ihnen liegen. Die toten Körper der Tiere sind ein Zeugnis der mangelnden Versorgung kranker, schwacher oder verletzter Tiere im Betrieb. Der Tod ist quasi einkalkuliert.

Zur Presseaussendung und zum Medienspiegel

Die Vollspaltenbodenhaltung von Schafen ist gesetzlich verboten. Dennoch müssen mehrere Gruppen von jungen Lämmern auf hartem Plastik-Vollspaltenboden ausharren. Dicht drängen sich die erst wenige Wochen alten Tiere auf den dem VGT zugespielten Fotos zusammen.

Die Rinder müssen in knöcheltiefen Fäkalien-Seen aus Kot und Urin leben, liegen und schlafen. Das bedeutet für die Tiere erhebliche Krankheitsrisiken und immenses Tierleid.

Stand April 2023

Im April erreichte den VGT neues Bildmaterial aus dem großen Mastbetrieb in Niederösterreich. Die neuen Aufnahmen vom Februar und April 2023 beweisen, dass sich kaum etwas an der schrecklichen Haltung verändert hat. Die Kontrollen und Maßnahmen, die nach der Skandalaufdeckung im letzten Jahr versprochen wurden, sind offensichtlich wirkungslos.

Die neuen Szenen spiegeln die Zustände des letzten Jahres (2022) wider. Tote Lämmer, Ziegen und Rinder liegen zwischen den Lebenden - ein Kitz liegt bewegungsunfähig am Boden im Sterben. Junge Rinder mit schweren Hautproblemen stehen in einer Bucht zusammen, etliche Tiere im ganzen Stall husten, einige Zicklein leiden an Durchfall. Bei den größeren Rindern sammelt sich bereits wieder die zentimeterhohe Gülleschicht am Boden. Insgesamt wirkt die Haltung nach wie vor stark verwahrlost, was angesichts der wiederholten Missstände und Anzeigen im Betrieb (auch schon 2022 und 2013) höchst bedenklich ist.

Zur Presseaussendung und zum Medienspiegel

Kontrollversagen

Ein Verwaltungsstrafverfahren und engmaschige Kontrollen wurden schon 2022 angekündigt. Für die Tiere, die im Betrieb auch bis 2023 leiden und sterben müssen, passiert aber offensichtlich viel zu wenig. Der VGT nimmt insbesondere die BH St. Pölten in die Verantwortung, die laut eigenen Angaben alle zwei Wochen amtstierärztliche Kontrollen im Betrieb durchführen lässt.

Tierhaltungsverbot: Endlich Konsequenzen?

Im Mai 2023 wurde schließlich das Tierhaltungsverbot gegen den Hauptverantwortlichen und Betreiber der Skandalmast verhängt.

Nach der Zustellung des fertigen Bescheids für ein Tierhaltungsverbot wird eine Frist von vier Wochen eingeräumt, in der der Betreiber eine Beschwerde gegen den Bescheid ans Landesverwaltungsgericht erheben kann. Wenn in dieser Zeit keine Beschwerde erfolgt, gilt das Tierhaltungsverbot und die Person darf entsprechend der Auflagen im Bescheid keine Tiere mehr besitzen oder versorgen. Wenn es keine andere Person gibt, die den Betrieb übernimmt, werden die Tiere von der Behörde abgenommen. Das Tierhaltungsverbot selbst kann für alle oder auch nur für bestimmte Tierarten ausgestellt werden - andere Tierarten dürfen in zweitem Fall weiterhin gehalten werden. Erfolgt eine Beschwerde, kann sich der Rechtsweg aber mitunter ein halbes Jahr hinziehen.

Wenn andere Personen die Betreuung und Haltung der Tiere übernehmen, kann ein solcher Betrieb jedoch dennoch weitergeführt werden.

Unterstützen Sie unsere Tierschutz-Arbeit!

Der VGT ist rein spendenfinanziert.

Ihre Spende ermöglicht uns, Tierqual aufzudecken und den Tierschutz in Österreich zu verbessern!

Jetzt spenden!

Weitere Artikel zu dem Fall

25.08.2026

Trotz Tierhaltungsverbots: Landwirt misshandelt weiter Tiere im Horrorstall

Verhungernde Tiere und Gewalt in St. Pölten-Land: VGT zeigt sich erschüttert über die Wirkungslosigkeit des Kontrollsystems und startet Petition

05.05.2023

Gülle-Seen und sterbende Tiere: Wiederholter Tierhaltungsskandal in Niederösterreich

Über mehrere Jahre hinweg wurde ein Mastbetrieb mit Rindern, Ziegen und Schafen angezeigt.

05.05.2023

Erfolg: Tierhaltungsverbot für St. Pöltner Skandalbauern

Der Bescheid für ein Tierhaltungsverbot für den Betreiber der Skandalmast in St. Pölten-Land wird gerade an der BH vorbereitet und in den nächsten Tagen zugestellt - VGT weist auf lange Frist hin

04.05.2023

VGT: heftige Kritik an Amtstierarzt

VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN protestiert vor der BH St. Pölten, um das Kontrollversagen im Fall der Skandalmast anzuprangern; Anzeige gegen Amtstierarzt steht im Raum

27.04.2023

„Amtstierarzt und BH müssen jetzt endlich handeln“ – VGT über Skandal-Mast

Gutachten im 1. Strafprozess bestätigte die Tierqual im Betrieb. Neue Aufnahmen widerlegen jedoch die „positive Entwicklung“ deutlich – Tiere leiden immer noch!

26.04.2023

Wieder Leichen im Horror-Maststall: VGT fordert Tierhaltungsverbot!

Neue Bilder aus dem im letzten Jahr aufgedeckten Betrieb im Bezirk St. Pölten-Land zeigen erneut kranke Tiere, Dreck und Tierleichen - VGT erstattet Anzeige!

26.04.2023

Skandal-Mast: VGT enttäuscht über milden Prozessausgang

Diversionsangebot für den Betreiber der Mastanlage, die heute erneut aufgedeckt wurde. VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN kritisiert die fehlende Einsicht

26.04.2023

Medienspiegel: Horror-Maststall im Bezirk St. Pölten-Land

Bilder aus einem bereits 2013 und 2022 aufgedeckten Maststall zeigen erneut kranke Tiere, Dreck und Tierleichen!

14.09.2022

VGT: „Nutztier“quälerei muss Konsequenzen haben!

Nach Aufdeckung dramatischer Zustände in Niederösterreich: VGT fordert erneut Reform der Kontrollen landwirtschaftlicher Betriebe