Wien, 01.09.2026
Toni Hubmann war Vorreiter in der Legehennenhaltung, auf ihn gehen die strukturierte Weide, das Ende des Schnabelkupierens, das Sandbad, der Wintergarten und die Einstreu-Nester zurück
Als Toni Hubmann im Jahr 1987 die elterliche Landwirtschaft mit Legebatterie in der Glein bei Knittelfeld in der Obersteiermark übernahm, befreite er sofort die Hühner aus ihren Käfigen. Und das 5 Jahre vor Gründung des VGT, zu einer Zeit, als es noch keine laute Kritik seitens des Tierschutzes an der Käfighaltung von Legehühnern gab und sie überall praktiziert wurde. Wie eine Freilandhaltung funktioniert, musste erst von Toni Hubmann neu entwickelt werden. Und das gelang ihm bravourös. Er war Vorreiter bei der Bepflanzung seiner Hühnerweide, damit die Tiere überhaupt ins Freie gehen. Für Schlechtwetter entwickelte er den überdachten Wintergarten mit Tränke, Sandbad und Sitzstangen. Das Schnabelkupieren stellte er ebenfalls ein und bot den Tieren Nester zum Eierlegen mit natürlicher Einstreu statt den heute oft noch üblichen Noppen. So entstand die Marke „Toni’s Freilandeier“, für die er zusätzlich zu seinen 5 Stallungen mit je nur 3.000 Hühnern noch weitere 150 Betriebe mit 400.000 Hühnern gewinnen konnte. Ebenfalls zentral für ihn: ein Hahn für 50 Hennen und die Mast der Bruderhähne, statt die Tiere als Kücken zu vergasen. Klar ist: erst durch Toni Hubmanns Pionierarbeit wurde der Weg für das Legebatterieverbot vom 27. Mai 2004 geebnet, das bereits 2009 in Kraft trat. Österreich wurde damit international zum Vorreiter bei der Legehennenhaltung und ist das bis heute geblieben.
VGT-Obperson DDr. Martin Balluch hat über 20 Jahre mit Toni Hubmann zusammengearbeitet: „Für die Aufklärungsarbeit des VGT zu Legebatterien war Toni der allerbeste Verbündete. Er konnte als Experte über die Bedürfnisse der Hühner aufklären und die Alternative aufzeigen, was ihm in der Branche viele Feinde einbrachte. Er war dann Mitte der 1990er Jahre zentral an unserer Gründung der Kontrollstelle für artgemäße Nutztierhaltung beteiligt und entwickelte mit dem VGT und anderen Tierschutzorganisationen das Gütesiegel ‚Tierschutz geprüft’ für Legehennen. Er sprühte vor Ideen, die Legehennenhaltung immer weiter zu verbessern und widmete oft mehr als die Hälfte seiner Stallplätze solchen Projekten. Dabei hat er offenbar leider die wirtschaftliche Seite seines Betriebes aus den Augen verloren und ging vor etwa 10 Jahren bankrott. So verlor er tragischer Weise alles, was er so mühsam über Jahrzehnte aufgebaut hatte. Dann wurde es still um ihn. Er ist letzten Freitag den 28. August 2026 verstorben. Dem Tierschutz wird er als aufgeschlossener Landwirt, dem seine Tiere wirklich am Herzen lagen und der unglaubliche Pionierarbeit geleistet und wesentlich zum Legebatterieverbot beigetragen hat, in Erinnerung bleiben. Aber nicht nur das. Als viele Funktionär:innen des VGT im Tierschutzprozess angeklagt wurden, eine kriminelle Organisation gegründet zu haben, zeigte er öffentlich seine Solidarität und deklarierte sich als VGT-Mitglied. Er war menschlich sehr warmherzig und hatte den Mut, für das Richtige auch gegen mächtige Interessen entschlossen aufzutreten. Ruhe in Frieden.“