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Linz: Rindertransporte per Flugzeug gestoppt

Linz, 14.10.2026

Trotz fehlender Versorgungsmöglichkeiten am Flughafen Linz: Hunderte Rinder aus Ungarn nach Turkmenistan geflogen

Obwohl der Flughafen Linz laut dem Gesundheitsministerium über keine ausreichenden Möglichkeiten für eine ordnungsgemäße Versorgung der Tiere verfügte, wurden hunderte Rinder aus Ungarn Anfang Oktober in der oberösterreichischen Hauptstadt auf Flugzeuge verladen1. Insgesamt sollten etwa 800 Stiere auf zwölf Flügen2 nach Turkmenistan transportiert werden.

Am 7. Oktober 2026 machten die Grünen Oberösterreich3 erstmals auf die Rindertransporte über den Flughafen Linz aufmerksam. Die Tiere stammen aus Ungarn und wurden zunächst mit LKWs nach Oberösterreich gebracht. Anschließend sollten sie mit Flugzeugen tausende Kilometer nach Turkmenistan verfrachtet werden. Der Flughafen Linz hat sich laut Medienberichten selbst um diesen Transportauftrag beworben. Das Land Oberösterreich ist seit Anfang Oktober Alleineigentümer des Flughafen Linz und ist somit mitverantwortlich für die skrupellosen Geschäfte, die zulasten der Tiere stattfinden1,4.

 

VGT dokumentiert Tierleid am Flughafen Linz

Am 8. Oktober 2026 machten sich zwei Tierschützer:innen des VGT selbst ein Bild von der Situation am Flughafen Linz. Sie entdeckten zwei Tiertransporter mit ungarischen und rumänischen Kennzeichen am Gelände des Flughafen Linz. Auf beiden LKWs befanden sich männliche Rinder aus Ungarn. Als die Aktivist:innen um 15:35 Uhr am Flughafen ankamen, waren die Rinder bereits dort. Erst um 23:30 Uhr hob das Flugzeug ab. Das heißt, die Tiere befanden sich mindestens knapp acht Stunden am Flughafen. Dazu kommt die unbekannte Transportdauer, die sie davor schon hinter sich hatten.

Besonders erschreckend waren die Bedingungen, die das VGT-Team in den LKWs vorfanden: Eine dicke Schicht aus Kot und Urin bedeckte den Boden, Einstreu gab es keine. Auch das Fell vieler Stiere war mit Exkrementen verschmutzt. Die Tierschützer:innen überprüften außerdem zwei Tränken, doch aus keiner der beiden kam Wasser.

Von der Dachterrasse des Flughafens beobachteten die Tierschützer:innen die Verladung der Rinder auf das Flugzeug, welche sich zu dem Zeitpunkt bereits in rund zwanzig, aus Sicht des Tierwohls viel zu engen, Transportboxen befanden. Komplett dicht aneinandergedrängt waren pro Transportbox etwa vier Rinder gefangen. Futter oder Wasser hatten sie nicht zur Verfügung.
Wie Koffer wurden die Boxen mit sogenannten Flughafenschleppern hin und her geführt, während sich die sensiblen Wiederkäuer in ihnen befanden. Im Anschluss wurden sie mithilfe einer Hebebühne einige Meter hinauf gehoben und dann mit einem Förderband in den Frachtraum des Fliegers befördert – genauso wie es mit Waren gemacht wird.

Lebende Rinder tausende Kilometer von Ungarn über Linz nach Turkmenistan zu transportieren, ist absolut unzumutbar. Die Tiere stehen völlig verdreckt in den LKWs, nicht einmal die überprüften Tränken funktionierten, und dann werden sie auch noch um die halbe Welt geflogen. Dass solche Tiertransporte über den Flughafen Linz abgewickelt worden sind – und das möglicherweise jahrelang – ist ein Skandal!

kritisiert VGT Tiertransport-Campaignerin Isabell Eckl.

Rindertransporte über Linz gestoppt

Am 9. Oktober 2026 entzog das Gesundheitsministerium dem Flughafen Linz die Zulassung der veterinärbehördlichen Grenzkontrollstelle5. Das bedeutet, dass keine Rindertransporte in Drittstaaten mehr über den Airport Linz durchgeführt werden dürfen.

Einen Tag zuvor veröffentlichte der VGT Aufnahmen von teils stark verdreckten Rindern in Tiertransportern vor dem Flughafen und dokumentierte die Verladung der Rinder auf das Flugzeug.

Statt über Linz wurden die restlichen Rinder aus Ungarn über den Flughafen Bukarest6 verfrachtet. Damit das Tierleid nicht einfach in andere Länder verschoben wird, braucht es dringend ein EU-weites Verbot von Drittlandexporten. Dennoch ist der Rinder-Transportstopp am Flughafen Linz ein Erfolg für den Tierschutz, da man der Tierindustrie immer weniger Raum für ihre skrupellosen Geschäfte lässt.

 

Rinder zur Schlachtung exportiert

Neue Recherchen deuten darauf hin, dass die Rinder nicht zur Zucht, sondern zur Schlachtung nach Turkmenistan gebracht wurden. Tierarzt und Tiertransportexperte Alexander Rabitsch bestätigt dies gegenüber Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder.7 Auch die ungarische Lebensmittel- und Veterinärbehörde NÉBIH führt in ihrer Liste der Exportbescheinigungen seit dem 23. September 2026 einen Eintrag mit der Bezeichnung „Turkmenistan, zur Schlachtung bestimmte Rinder“8. 

In Österreich sind Lebendtierexporte zur unmittelbaren Schlachtung in Drittstaaten bereits verboten. Trotzdem können Rinder aus anderen EU-Ländern wie Ungarn über österreichische Flughäfen in Drittstaaten exportiert werden.

 

Über die Tierschutzgesetze in Turkmenistan ist allgemein wenig bekannt. Im World Animal Protection Index9 wird das Land nicht bewertet. Zwar gibt es Gesetze gegen Tierquälerei10 und Vorschriften zur Tiergesundheit, doch wie gut die Tiere tatsächlich geschützt werden, ist unbekannt. Besonders besorgniserregend ist, dass es keine Vorschriften zur verpflichtenden Betäubung vor der Schlachtung gibt. Dabei ist es also egal, ob sie als Zuchtrinder oder Schlachtrinder deklariert worden sind, am Ende werden sie getötet, höchstwahrscheinlich ohne Betäubung.

„Ob die Tiere als Zucht- oder Schlachtrinder exportiert werden, ändert nichts daran, dass solche Transporte enormes Tierleid verursachen. Am Ende ihres viel zu kurzen Lebens erwartet sie zudem in der Regel eine qualvolle Tötung ohne Betäubung. Wir fordern deshalb ein dauerhaftes Ende von Lebendtiertransporten in Tierschutz-Hochrisikostaaten – egal ob per LKW, Schiff oder Flugzeug!“, stellt VGT Tiertransport-Campaignerin Isabell Eckl klar.

 

Drittlandexporte aus Österreich

Auch österreichische Tiere werden regelmäßig in Drittstaaten wie Algerien, Aserbaidschan oder Usbekistan transportiert. Erst im Sommer dokumentierte der VEREIN GEGEN TIERFABRIKEN den Transport schwangerer österreichischer Rinder zum Hafen Koper in Slowenien. Dort wurden sie auf ein Schiff verladen und anschließend etwa eine Woche lang nach Algerien verschifft.

Auch österreichische Exportfirma soll beteiligt sein

Eine dieser Exportfirmen ist das Unternehmen Klinger aus dem Waldviertel. Sie exportieren ebenfalls Rinder, insbesondere aus Österreich, per Flugzeug, LKW und Schiff in zentralasiatische Länder11.  Es liegen Hinweise vor, dass die Firma auch an dem aktuellen Transport der Rinder von Ungarn über Linz nach Ashgabat, Turkmenistan beteiligt sein soll.12

Bekannt wurde Klinger vor allem durch die Tragödie auf dem Tiertransportschiff Spiridon II, die sich im November letzten Jahres ereignete. Am 11. November 2026 findet dazu eine Gerichtsverhandlung am Landesgericht Krems statt. Türkische Importeure haben Klinger wegen finanzieller Schäden geklagt. Es geht also vor Gericht nur um wirtschaftliche Verluste – das Leid der Tiere spielt hier keine Rolle.

Demo gegen Drittlandexporte
Der VGT veranstaltet deshalb am 11. November eine Demonstration vor dem Landesgericht Krems, um auf die wahren Opfer dieser Tragödie aufmerksam zu machen: die Tiere, die auf solchen Transporten großes Leid ertragen müssen. Egal, ob per LKW, Schiff oder Flugzeug.

Der genaue Ort und die Uhrzeit werden demnächst bekannt gegeben.

  1. ORF OÖ: „Kritik an Rindertransport: Von Linz nach Turkmenistan“ (8.10.2026) [13.10.2026]
  2. Kronen Zeitung OÖ: „Hunderte Rinder fliegen von Linz nach Turkmenistan“ (7.10.2026) [13.10.2026]

  3. PA Stefan Kaineder: „Linzer Flughafen als Drehscheibe für grausame Tiertransporte“ [13.10.2026]

  4. Braune, Tanja: „Mängel bei Abfertigung: Linz darf vorerst keine Rinder in Drittstaaten versenden“, Fleisch & Co (9.10.2026) [13.10.2026], https://fleischundco.at/handwerk-unternehmen/maengel-bei-abfertigung-linz-darf-vorerst-keine-rinder-in-drittstaaten-versenden/

  5. ORF Oberösterreich Heute: „Rindertransporte nach Turkmenistan gestoppt“ (9.10.2026)

  6. Vgl. Flighradar24.com: Flight history for mas flight M78946 [13.10.2026]

  7. Vgl. Meinbezirk Linz-Land: „Experte bestätigt, dass Rinder zur Schlachtung bestimmt waren“ (12.10.2026) [13.10.2026]

  8. Vgl. NEBIH, Nationales Amt für Lebensmittelkettensicherheit in Ungarn, https://portal.nebih.gov.hu/export-bizonyitvanyok [13.10.2026]

  9. Vgl. World Animal Protection Index

  10. Vgl. https://turkmenistan-gov-tm.translate.goog/index.php/ru/post/20428/kodeks-turkmenistana%3Cbr%3Eob-administrativnykh-pravonarusheniyakh?_x_tr_sl=auto&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=wapp

  11. Vgl. https://www.klinger-export.com/de/logistik/

  12. Stammler, Robert und M. Dunst: „Rinderflüge von Linz nach Turkmenistan gestoppt“, in: Oberösterreichische Nachrichten, 10.10.2026, S. 27