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Schifftransporte schwangerer Kalbinnen nach Algerien

Im März 2026 haben wir aufgedeckt, wie Rinder auf Versteigerungen verkauft werden, darunter auch schwangere Kalbinnen von österreichischen Milchbetrieben.

Aber was passiert mit diesen Rindern nach der Versteigerung?
Im Juni 2026 sind wir dieser Frage nachgegangen.

Vor drei verschiedenen Versteigerungshallen in Nieder- und Oberösterreich beobachteten wir, wie hunderte schwangere Rinder auf rund 20 Tiertransporter verladen wurden.

Nach bis zu zehn Stunden LKW-Transport erreichen sie den slowenischen Hafen Koper.
Dort werden sie über eine schmale Rampe auf das fast 50 Jahre alte Tiertransportschiff „Darla“ verladen. Ihr Ziel: Algerien

Obwohl Schiffstransporte offiziell als „Ruhezeit“ gelten, bedeuten sie für die Rinder oft Stress, schlechte Luft und tagelange Enge.

Was sind Kalbinnen?

Kalbinnen sind Rinder, die noch kein Kalb geboren haben. Es handelt sich um die weiblichen Nachkommen von Milchkühen. Sie werden, im Gegensatz zu den männlichen, nicht gemästet, sondern von Menschenhand künstlich befruchtet. Denn, damit eine Kuh Milch produziert, muss sie ein Kalb zur Welt bringen. Viele Kalbinnen werden während ihrer Schwangschaft verkauft und tausende Kilometer weit transportiert.

Schwangere Kalbinnen sind keine Exportware. Wir fordern ein Ende von Rinder-Exporten in Länder, in denen kein ausreichender Tierschutz gewährleistet ist.

Unterschreibe unsere Petition und mach mit uns Druck für ein Ende dieser Exporte!

Der Weg nach Algerien

Start: Versteigerungshalle

Unsere Recherche beginnt vor Versteigerungshallen in Nieder- und Oberösterreich. Wir beobachten, wie hunderte schwangere Kalbinnen 3-4 Wochen nach der jeweiligen Versteigerung auf zweistöckige Tiertransporter verladen werden.

Mindestens 16 Tiertransporter wurden bei zwei Versteigerungshallen in Niederösterreich mit je 25-30 Kalbinnen beladen. 

Bei einer oberösterreichischen Versteigerungshalle wurden mindestens 4 Tiertransporter beladen. 

 

LKW-Transport

Nachdem die Kalbinnen verladen wurden, startet die erste anstrengende Fahrt in Richtung Süden.

Wir rennen – so schnell wir können – zum Auto, um einem Tiertransporter hinterher zu fahren.  Nach einigen Stunden Fahrzeit passiert er die slowenische Grenze. 

Kurz danach fährt er auf eine Raststation ab. Der Parkplatz ist bereits mit zahlreichen Lastkraftwagen gefüllt, viele Motoren laufen noch. Dennoch sind die gestressten Rinder nicht zu überhören. Dumpfe Metallgeräusche und lautes Muhen, schallen über den Parkplatz. 

Wir nähern uns dem Transporter, um nach den Kalbinnen zu sehen. Die unruhigen Bewegungen der Tiere bringen den ganzen LKW zum Wanken. Übertönt wird der Lärm nur durch die Ankunft zweier weiterer Tiertransporter. Wir erkennen sie sofort – auch sie wurden wenige Stunden zuvor bei derselben Versteigerungshalle beladen.

Nach einer rund 30-minütigen Pause setzt der Fahrer seine Fahrt fort. Unterwegs begegnen wir weiteren mit Kalbinnen beladenen Tiertransportern. Sie alle steuern alle auf dasselbe Ziel zu: den Hafen Koper in Slowenien.

 

Am Hafen

Nach etwa 10 Stunden Fahrzeit erreichen die Tiertransporter den Hafen. Dort werden die gestressten Kühe zunächst in einen Wartestall abgeladen. Über zwei Tage zählen wir rund 30 Tiertransporter, die im Hafen eintreffen.

Die lange Fahrt, das Entladen und der Kontakt mit unbekannten Artgenoss:innen bedeuten für die Tiere zusätzlichen Stress.

Schifftransport

Am nächsten Tag beginnt die Verladung. Über viele Stunden hinweg werden die Rinder über eine schmale Rampe auf das Tiertransportschiff Darla getrieben.

Das Schiff ist fast 50 Jahre alt und fährt unter der Flagge der Komoren. Rund 1.000 Rinder werden darin fast eine Woche lang bis nach Algerien transportiert.

Per Gesetz gilt die Zeit auf dem Schiff als Ruhezeit. Für die Tiere ist der Seetransport aber alles andere als erholsam: Sie stehen dicht gedrängt, können sich nicht zurückziehen, sind ungewohnten Bewegungen, Geräuschen und schlechten Luftbedingungen ausgesetzt.

Tiertransportschiff "Darla"

  • Baujahr: 1977 (49 Jahre alt)
  • Flagge: Komoren (schwarze Liste Paris MoU: „high risk“)

Historie: 

  • 2016 von Frachttschiff zu Tiertransportschiff umgebaut
  • 310 festgestellte Mängel bei 70 Inspektionen seit 1998
  • 6 Mal an verschiedenen Häfen festgesetzt, 3 Mal davon als Tiertransport-Schiff:
    • Cartagena (Spanien), 2018
    • Alexandria (Ägypten), 2020
    • Sète (Frankreich), 2024
  • 2025 wurde das Schiff in Koper aufgrund des Verdachts auf Menschenhandel und der Zurückhaltung von Löhnen von der Hafenbehörde und der Polizei inspiziert. Der Schiffseigentümer schuldete 17 Seefahrern aus Indien und Syrien zwischen zwei und vier Monatslöhnen.

 

Quelle: 1Robin des Bois, AWF und Tierschutzbund Zürich: The Global Livestock Fleet (2026) S. 130 ff

Tierschutz-Hochrisiko-Staat Algerien

Algerien kann aus Tierschutzsicht als Hochrisikostaat2 eingeschätzt werden.
Das bedeutet: Es gibt kaum wirksame gesetzlichen Tierschutzmaßnahmen, die mit europäischen Standards verglichen werden können.
Recherchen von TheMarker zeigen die besonders problematischen Schlachtmethoden: Die Tötung erfolgt in der Regel ohne vorherige Betäubung.

Das Leid endet also nicht beim Transport. Die Kalbinnen werden weiter zur Milchproduktion genutzt, auch ihre Kälber werden in dasselbe System hineingeboren. Beide werden letztendlich unter unvorstellbaren Qualen getötet.

Weitere Hintergründe

Bei unserer Recherche stach uns ein Tiertransporter mit der Aufschrift Klinger ins Auge.
Die Firma wird in Marktberichten6,7,8,9,10 von Versteigerungen wiederholt als Käufer und Exporteur schwangerer Kalbinnen, u.a. nach Algerien, genannt. Klinger dürfte eine tragende Rolle dabei spielen.

Die Exportfirma aus dem Waldviertel soll für die Tragödie, die sich im Herbst 2025 auf der Spiridon II ereignet hat verantwortlich sein.5

Am Export schwangerer Kalbinnen verdienen viele mit: Exportfirmen, Rinderzucht- und Milchbetriebe, Transportunternehmen, Vermarktungsplattformen und internationale Käufer.

2025 wurden ca. 22.0002 Zuchtrinder aus Österreich exportiert. Rund die Hälfte davon wurde in Drittstaaten außerhalb der EU verkauft. Das wichtigste Zielland war Algerien mit rund 8.8603 Rindern aus Österreich. Das entspricht etwa 40 Prozent aller österreichischen Zuchtrinderexporte in diesem Jahr. Die Anzahl der Individuen verdoppelt sich sogar, sobald die Kälber in Algerien auf die Welt kommen.

 

Zahl Bedeutung
8.860 österreichische Rinder nach Algerien
a. 40%

nach Algerien exportierte österreichische Rinder 2025

ca. 1.000 Rinder passen auf die "Darla"
22.000 exportierte Zuchtrinder aus Österreich im Jahr 2025

 

Der Export schwangerer Kalbinnen in Drittstaaten wird oft mit dem Aufbau von Rinderherden im Zielland gerechtfertigt. Die Rinder aus Österreich und anderen Ländern sollen also dort zur Zucht eingesetzt werden. Doch wenn man sich dieses Argument genauer anschaut, merkt man schnell, dass es fragwürdig ist. Seit Jahren werden sogenannte „Zuchtrinder“ exportiert und dennoch werden laufend wieder tausende Tiere in dieselben Länder verkauft. Offenbar geht es also nicht nur um einmaligen Herdenaufbau, sondern um ein Kontinente-überschreitendes laufendes Geschäft mit vulnerablen schwangeren Tieren.

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